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Full text of "Phosphorus Hollunder: Novelle"

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6/ y^. T'u'/iPCci^ .,^/ f^jif. 




pl^ospl^oms ^ollunber. 



Ipifosplfovns ^oüunber, 

looeöe oon fouifc o. francois» 

Authob of"Dib letzte Reckenbüboebin/' <* Stufekjahbe 

EINES QLÜCKLIGHEK," ETO., ETC. 



WITH EXPLANATORT NOTES, 

BY 

OSCAR FAULHABER, Ph.D., 

Pbofessob of Modebn Languaqes in Phillips Academt, Bxeteb, 

N.H. 



BOSTON: 
D. C. HEATH & COMPANY. 

1887. 






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0.£,7^:-i-i:.-'*.1 



COPTBIGHT, 1887, 

By D. C. Heath & Co. 



Carl H, HaiNTZiCMANN, Pkintbb, Boston, Mass. 



Ww ocr 191« 



\)l)o^pf)OxvL^ igottuttber fa^ am ©d^reibtifd^ feine« mit Äom* 
fort unb Sietlid^Ieit auöfleftatteten* „5Dflufeumg" — toie er e« 
nannte — in ber 2lJ)otbeIe junt §ottunberbaum,* bie er neuer« 
binßö bom Äetter jum ©iebel niobem l^atte l^erftellen laffen. 
Er mentorirte bie Siebe, mit toeld^er er l^eute, am S^Iöefter« 
abenb/ bie ©d^toeftemloge* ju erbauen* gebadete. 35enn ^pi^og« 
j3l^oru§ ^ollunber toar SJlaurer ; * — toeld^er 2lj)ot]^eIer toäre 
in $erm §ollunberg jugenblid^er §elbenjcit e§ nid^t getoefen ? 
— ®r galt für ben begeifterften St)red^er in ber Soge jur 
feurigen Äugel/ gumal an ben ©d^toeftemabenben, loo fein 
3Sortrag fein fd^öneS Sluge troden gelaffen l^aben fott.* 

6r l^atte laut gelernt unb] ein J^eHIobembeS fjeuer in feinem 
©emüt* entjünbet, 3Rit großen, ©d^ritten ging er nunmel^r im 
3immer auf unb ab. 3)er ©trom ber ^P^antafie toar fidler in 
bag ©ebäd^tni« geleitet ; ein Slnfto^ nid^t ju befürd^ten ; toenn 
aber ja, fo ift ?p]^o^^)]^oruS §ollunber ber 5Dflann, ber fid^ auf 
feine gnf^iration berlaffen barf. 

2lngeregt burd^ lieblid^e Silber bon ^rauenl^Ib unb fjrauen« 
toürbe, toeld^e naturgemäß ben ©toff feiner l^eutigen SHebe 
bilben, brängt il^n au« attgemeinen SRegionen eine untoiber« 



4 ^^odp^orud $ollunber. 

ftcl^Iid^e SKad^t in bie §eimK(!^fcit fetneg §crj!ammcrletn§" 
jurüÄ unb gaubert ben (Segenftanb feiner langen öerf d^totegenen 
3Kinne" leibenb" unb lebenb öor ben entgüdften SSIid. 3)a 
fielet fte, bie ^el^re, bie ßäcilia atter feiner garten — leiber nie 
beröffentlid^ten ßieber. (2)en 3^itgenof[en §oIIunber8 brau* 
d^en lt)ir faum gu fagen, ba^ Urania unb bie begauberte SRofe" 
feine SBorbilber unb £iebling§bid^tungen toaren ; ba^ jüngere 
©efd^Ied^t toirb ftd^ berfelben auS ber fiiteroturgefd^id^te 
erinnern,) 

®ag §erg ge^t bem SRebner über." SBäl^renb er in ftarler 
S3elt)egung auf* unb nieberf abreitet, ruft er au^: 

„2?erf d^mä^ft bu mid^, SSIanIa ? SEBeif eft mid^ bon bir ? D 
5D?äbd^en, l^alte ein ! Sefinne bid^, bebenle, id^ bin em gebilbe« 
ter SWann, ein tool^Iangefel^ener 5Dflann, — nid^t aud^ ein tool^I 
anguf el^enber 3Kann ?" 

©ein SlidE fiel bei ber legten, nur gelif^)elten grage in ben 
golbumra^mten 2^rünieau" gtoifd^en ben ^enftemifd^en ; er« 
rötenb fenöe er bie 2lugen jebod^ ^aftig gu Soben unb ful^r mit 
toeid^en %'6rxm in feiner Selbftem^)fe]^lung fort : „Sebenle, id^ 
bin ein guter 9Kann ; ober loenigfteng, id^ fönnte e« toerben 
benn id^ liebe bid^, Slania, unb bie Siebe ntad^t gut." 

®ie alabafteme ©tu^ul^r fd^Iug in biefem SlugenblidE fed^g 
unb f))ielte bie 3KeIobie bon : „2Bie ber Stag ntir fd^Ieid^et, 
ol^ne bid^ berbrad^t." ©ine 3Ka^nung an bie 2:oiIette; benn 
um fieben follte bie SSerfammlung il;ren Slnfang nel^men unb 
§err §oIIunber toar an bebeutenben 2:agen gern ber Grftc. 



^4$4od^l)oru9 ^ollunber. 5 

@r iOQ bälget bcn ^)almcnburd^h)irftcn Äaftan" aix^ ber in SBer« 
binbung mit bem ^)ur))urf arbigen g^ej" il^m ein auSnel^menb 
tnufelmännifd^eg Stnfe^en gab, lt)enn fd^on er in allem IXebrigen 
burd^ morgenlänbifd^e Äennjeid^en ober Steigungen je nad^bem 
toeber intereffiren nod^ abfto^en lonnte. Slaud^te er bod^ nid^t 
einmal unb tranf ftatt be§ Äaffe^ g^ololabe. Slud^ toar fein 
§aar öon ber ipelle be3 JJIad^fe^ unb fein Slafenbein fd^Iug " 
oud^ nid^t entfernt einen orientalifd^en Slbler^alen. 

Dl^ne ftd^ in feinem ^)eri^3at^etifd^en ßrgüffen ftören ju 
laffen, itqann er barauf, jid^ in ben ©efellfd^aft^anjug ju 
l^üllen, ber fürforglid^ auf bem ©ofa ausgebreitet lag. S'^bem 
er bie SQBefte Don l^immelblauem 3Koir6 überftreifte, burd^judtte 
e§ il^n aber Jjlö^lid^ toie bei bem ©tid^ eines giftigen S^f^^^ 
unb e§ bauerte eine SBeile, bis bie grette 3)iSfonanj in elegifd^e 
SDloHtöne überging, 

. „S33aS fann bir bief er Sieutenant fein, SSIanIa ?" fragte er. 
„D, fliel^e i^ fliel^e il^n! @r toirb bid^ öerberben. 6S ift 
nid^t ©itte unb 2:reue in i^m, unb ©itte unb Streue fmb bie 
Pfeiler, auf toeld^e baS SBeib fein ©lüdf ju bauen ^t. Unb 
bod^ läd^elft bu il^m, ©eliebte ! D, tool^I fel^e id^ eS, tüie ^olb* 
feiig bu läd^elft, toenn er unter beinem gcnfter borübergaHo^Js 
J)irt. ^ä) fel^e eS unb eS fd^neibet mir burd^ baS §erj. SEBaS 
reijt bid^ an bem Sieutenant, SSIanIa? Äann reiten glürflid^ 
mad^en ? Dber eine bli^enbe Uniform ? §eifet baS Silbung : 
über §inbemiffe fe^en, ein feud^enbeS 5Pferb ju Ülobe jagen ? 
2)aS 5lfe in ber Äarte, ben armen SJogel im glug ju treffen 



ol^nc %tf)l ? ®r iDxrb bein §erg treffen, SKäbd^en. ®r ift ein 
toller ©efell. 3^ ^^^^ i^" beobad^tet am ?pi^araotifci^ unb 6ei 
ber Soiüle. !Da offenbart fid^ be§ SWanneS SRatur. 3^ fl^i^I^ 
niemafö unb beim ©lafe lt)erbe,id^ traulid^ unb mad^e SSerfe, 
toie bie 3=reunbe fagen. 2lber biefer Sieutenant, o, o l SBJa^ 
elettrifiert eud^ g^rauen, fobalb er fid^ jeigt ? §at er Silbung ? 
§ai er ©eift ? §at er nur ein §erj ? — @r trägt einen Drben, 
toeil er, eS ift tüa^r, eine lü^ne, eine eble %^at getl^an. Slber 
es gefd^a^ in jad^em Slffeft, nid^t au§ befonnener 2Bal^I. 3!)a§ 
ift lein SBert, ber bauemb ein järtlid^eS SBeib beglüdft. 6r 
befi^t and!) eine f d^öne ©eftalt unb " 

SBieber fiel ?p]^o§^3]^oru§ ^ollunberS Slidf in ben ©Riegel unb 
er läd^elte nid^t o^ne Sefriebigung, toäl^renb er bie ©d^Ieife be« 
toeifeen 2ltIa§tud^eS br^it 50g. „Unb — ©d^ön^eit ift atter« 
bingS ein ©d^Iüffel, ber un§ bie Pforten ber SKenfd^enl^erjen 
erfd^Iiefet, 35a3 betoeift bein Slnblidf, Slania, bein atteSbetoäl* 
tigenber 2lnblidt ! Slber ©d^önl^eit beS SeibeS aHein ? 9Jein, 
©eliebte, lt)äre nid^t aud^ beine ©eele ebel unb l^olb, id^ lüürbe 
bid^ fliel^cn, h)ie eine ©d;Iange." 

„SDu bift arm, mein Äinb," fu^r er nad^ einer $aufe fort, 
inbem er bie bli^enbe Siamantnabel in bem f))i^engeränberten 
Sabot*' befeftigte, ,,2)u bift arm, mein Äinb, unb ba§ beglüdft 
mid^ ; fo loerbe id^ bir mand^e greube bereiten bürfen, bie bu 
je^t nid^t lennen lernft. 3)enn id^ gebe fo gern ; unb toem gäbe 
id^ lieber aU bir ? 3)ein toäre aUeS, toaS mein ift unb id^ nur 
bein ©Ilaöe." 



?J^o«^^orit« ©oUunber. 7 

„aibcr bu Kft ein gbelfraulein ; btft bu aud^ ftolj, 3R(ibd^en ? 
Slania öon §orned, ein el^rhjürbiger 9tame ! S'^i^^ff^^ ^^^ 
ber §ollunber (Erinnerung reid^t gai^rl^unbcrte jurüdE, SBetrad^te 
über ber ^poti)tU ben Saum in grauen Stein gemeißelt, ba^ 
SBal^rjeid^en unfere^ ®efd^Ied^t§ unb barunter bie J^a^reSjal^I 
1530. SEBir \)abtn un3 bie fd^öne Sitte beö Slbefe angeeignet 
in 33ilb unb ©d^rift, ba§ 2lnbenlen unferer 2ll^nen e^rfürd^tig 
ju toal^ren. 3)rei ^al^rl^unberte blidEen lt)ir jurüdt auf SSäter, 
bie unferer ©tabt jum 3Kufter bürgerlid&er 2:ugenb" unb Streue 
gereid^ten, auf l^äu^Iid^e, jüd^tige 3Kütter, SSorbilber il^re^ 
©efd^Ied^tg. 2)rei gal^rl^unberte lang t)ererbte bie 3ipoif)ih 
auf einen ©rftlinggfol^n, einen ?p]^o§})]^oru§, baS l^ei^t Sid^t« 
bringer, Sid^tmagnet, 5Rorgenftern ! ©in bebeutungöbotter 
3tame ! 3^ ^^^^ ^^^ lt)ieber angenommen ftatt be§ nüd^temen 
,6mft/ ben meine Eltern i^m beigefügt l^atten. Gmft ^ottun* 
ber — toie unmelobifd^, h)ie nid^töfagenb ! — 2)ie jüngeren 
©öl^ne unferer ©efd^led^tö loibmeten fid^ bem geiftlid^en ober 
gelehrten ©tanbe. 6^ giebt mand^trx naml^aften ipollunber in 
ben Slnnalen ber SBiffenfd^aft. ©em toäre id^ ein jüngerer 
©o^n geloefen; aber id^ bin ber einjige. gd^ befaf[e mid^ 
loenig mit meinem ©efd^äft ; id^ l^abe l^öl^ere Si^^^^^^ff^n ; ^^^ 
ber ^flid^t, toeld^e fold^e SSergangenl^eit auferlegt, burfte id^ 
mid^ nid^t entjiel^en ; id^ mu^te bie 3lt)ot^e!e übernel^men. — 3^ 
bin eine SBaife, o^ne ©efd^loifter, o^ne nal^e SSerloanbte/' rief 
je^t ber gute §ottunber mit übergel^enben*^ Slugen, „ad^, liebe 
mid^, SBIanIa, toerbe bu mein 3lIIeg ! " 



8 ^^oS^^orud ^oUuuber. 

SKül^fattt betoöltigte er bie toeid^müttge Slntoanblung unb 
trat nun, mit bem fd^toarjen SeibrodE bie feftlid^e S^oilette 
beenbenb, noi) einmol muftemb t)or ben BpkQtl. 6in 93IidE 
genügte, il^nt fein ©elbftgefül^l toieberjugeben. „Unb bann, 
Slanfa Don §omedE!" rief er |)Iö$lid^, benÄo|)f ftolj in ben 
SRodEen toerfenb, „Slania bon §omed, toag ift 3lbel l^eutigen 
2^oge§? aibel ift SSilbung. ©teile mid^ bem Sieutenant 
gegenüber in einem furnier beg ©elftem unb er toirb feinen 
SKann gefunben l^aben, fe^te er nai) einer ^ßaufe, fie unb ftd^ 
f elbft entfd^ulbigenb l^inju. — Slber, nein bod^, nein. 3n bir 
ift leine ©d^toöd^e, fein aSorurteil. 2)u bift rein toie eine 
fJrül^IingSblüte. ©ein grofeeg, bemütig gefenfte^ 2luge, bie 
eble Humanität beiner 3Wutter fxnb mir Sürgen; bu bift, 
beinern ritterlid^en Flamen jum 2^ro^, ein Äinb beiner 3^^ ; 
bu ijerfd^mäl^ft nid^t ba§ bürgerlid^e *• ©eloerbe eines ©atten 
unter bem ©l^renmantel ber ©ilbung. 3i^i>^ff^" — foffteft bu — 
fänbeft bu — l^ätteft bu — o, nur ein SSBort — ©eliebte — 
nur einen SBinI — unb id^ o|)fere bir meinen ©tommboum, id^ 
i)zxpad)it bie 3l|)otl^eIe, id^ laufe mir ein Slittergut ; SSIanIa, 
id^ mad^e bid^ jur ßbelfrau." 



3)ie Ul^r fd^Iug l^alb fieben ; " §err §oIIunber mu^te fein 
Selbftgef})räd^ beenben, fo t)iel er nod^ auf bem ^txim f)att^ ; 
bod^ fül^Ite er aud^ jei^t fd^on fid^ erleid^tert unb frei; feine 



$^o9))^oru9 ^ollunbet» 9 

SQSerbung toar fo gut tote angebrad^t, feitbcm er il^re SSered^« 
tigung fid^ felbft Hat gemad^t l^atte. Slania Don §omedE, bie er 
feil feinen ©dbuljo^ren im ©tiHen öerel^rt, mufete il^n j|e$t ijer* 
ftel^en ol^ne SBorte ; er l^atte eine ftd^ere ©leffung il^r gegenüber 
eingenommen. SRun nur nod^ ein SSürftenftrid^ burd^ bie ^od^s 
gelodEte SoHe** über feiner ©lim, ein ^lacon Eau de lavande 
über bog feibene 2^afd^enlud^ gef|)rengt, bie loeifeen §anbfd^ul^e 
ange|)refet, ben Äarbonari** übergeworfen unb freubig bebenben 
©d^rilteö l^inüber in bie Soge jur golbenen ÄugeL 

3tn SSorfaal ftiefe er auf bie alle S^ftitte, bie feine Äinber* 
frau getoefen ioar unb nun ba3 i&auSregiment fül^rle. „3&a^ 
mad^ft2)u l^ier auf bem jugigen Äorribor?" fragle er gütig, 
„2)u toirft 2)id^ erlälten, liebe 3Rul^me." 

„^d) ftel^e SEBad^e, i&err ^offunber/' toerfe^te bie 2llte, mit 
ioeniger ^eunblid^feit aU il^r §err. 

,,®u fte^ft aSad^e ? SSBad^e gegen toen ?" 

,,©egen bie gottlofen S3uben, bie Sel^rlinge unten." 

„®egen meine jungen §erren ?" 

n'^CLf g^gwt bie au^öerfd^ämten jungen Ferren, juft gegen 
bie." 

„Slber erf Idre mir, SKul^me " 

;,5iun, toa^ ift ba öiel ju erllären? ®er ^err §offunber 
h>aren ioieber einmal im 3w0^ wiit einer 5ßrebigt ; ba laure id^ 
bann auf, um bie ©d^lingel fortjujagen, loenn fte auf bem 
2Bege nad^ bem Äräuterboben " l^ier am ©d^Iüffellod^e l^ord^en 
unb üd^em, bie nid^t^nu^ige 33rut \" 



10 ^^o^^^orud ^otluitber. 

„©Jjred^e ii) tüxxilxd) laut, tocnn \ä) allein unb in ©ebanlen 
toerfunlen bin, ^u^ixnt ?" 

„Saut unb Demel^mlici^ toie i)on ber Äanjel l^erab, mein $err 
§offunber. Slber nur nid^t genirt ; x(S) jjajfe auf. Unb toa^ 
mxi) anbelangt, meine Dl^ren muffen in ber legten 3^it getoaltig 
fd^toad^ geloorben fein ; id^ l^abe bid^t am ©d^Iüffellod^ ben 
3ufammenl^ang l^eute nid^t unterfd^eiben lönnen." 

iQerr §oIIunber läd^elte. ®a§ lommt i)om Sttleinfein, badete 
er bei ftd^ felbft. 3Kan toirb fein eigener Unterl^alter, man 
toirb am 6nbe nod^ ein ©goift. Uebrigen^ glaube id^ loirllid^, 
ba^ id^ jum Siebner geboren bin! „Slergere ®id^ nid^t, alte 
©eele," tröftete er barauf mit freunblid^er SBürbe feine alte 
^mnna,^^ „ärgere S)id^ nid^t, mnn bie jungen §erm mid^ 
einmal toieber belaufd^en fotiten." Sie toerben nid^tg Unge« 
jiemenbe« au§ meinem SKunbe ijernel^men. Gin alter Slömer 
hat einmal gefagt/' — fo fe^te er im fortgeben mel^r an 
ftd^ felbft gerid^tet l^inju, — „er möd^te Don ®Ia§ fein, ba^ 
feine 5Kitbürger jjeber^eit ben ©runb feiner ©eele überblidEen 
lönnten. @g giebt aud^ beutfd^e 3Känner, bie toie bief er 3lömer 
beulen !" 

iperr §oIIunber ftanb fd^on unter ber %i)ixx, aU er fid^ 
nod^ einmal jurüdfloenbete, um feiner SBirtl^fd^afterin juju« 
rufen: 

„£a^ e§ l^eute, am ©^töefter, ben jungen §erren ja an nid^tg 
fel^len, liebe 3Ku^me. ©^jare leine feine 3utl^ot beim §ering§s 
falat, toeil id^ i^n nid^t mit berjel^re. 2)er fleine SeHer x%t fo 



9^o8^^oru« ^oUunbcr. n 

ßem Ruä^m. ©ei mir beileibe nid^t Inoufetig mit ©toHen** 
unb ^fefferfd^eiben, l^örft 2)u, 2llte. ®u aber, treue ©eele, 
bleibe mir ja nid^t etloa auf, big id^ jurüdffel^re. ©d^Iafe 
gemäd^Iid^ l^inein" in baö neue ^af)x, in toeld^em ber liebe 
©Ott 2)id^ erl^alten möge frifd^ unb Iräftig toie bi^^er." 

§err ipoHunber ging ; bie alte 3w[tine tüifd^te fid^ eine lange 
aBeile bie 2lugen. 

„SEBeld^ ein §err!" fd^Iud^jte fie. „®er rid^tige ßngel, mein 
$l^oS}jl^orug! Unb Ujenn id^ bermaleinft i)or ®otte§ 2^l^ron 
erfd^eine, loerbe id^ fagen : id^ l^abe i^n aufgejogen, unb öotter 
©naben em|)fangen toerben. ©reumütig toie ein Söhje. ®ie 
ou^berfd^ämten 93engel fott id^ nod^ ejtra traftieren !" 

SBäl^renb beffen na^m §err §oIIunber-ben SSBeg burd^ feine 
^poÜ)tU, „^6) fann biefen feftlid^en Stbenb nid^t in ^^xtm 
Äreife feiern, meine ^enen," fagte er, inbem er feinem $rot)ifor 
bie §anb brüdEte. ,,^6) i^erlaffe mid^, toie in atten ©tüdEen, 
auf ©ie, mein lieber ©}jedE, 3Rad^en ©ie freunblid^ ben SBirt 
an meiner Statt. 6r berftel^t fid) auf einen fräfttgen ^unfd^ 
fo gut tme auf jebeS anbere ^eilfame ©ebräu, ©ie fönnen il^m 
vertrauen, meine junge §erren. ^d^ loünfd^e ^\)nm allen 
einen fröl^lid^en ©intritt in bag neue ^dl^x !" 

35ie jungen §erren toünfd^ten beSgleid^en unb aufrid^tigen 
§erjen§ ; benn niemals l^atten Sel^rlingc einen gütigeren Sel^r^ 
l^erm gel^abt al§ bie be$ faum bierunb^toanjigjäl^rigen §errn 
§ollunber. ßiner tüie ber anbere toürbe bal^er burd^S ^euer für 
il^n gegangen fein, toenn ~ er e§ ftd^ and) nid^t jur ©ünbe an* 



]2 $^o$p^orud ^oHunber. 

red^netc, auf bem SBege nad) bcm Äräulerboben an feinet %\)üx 
in ^ord^en **nb feine ©emütgergüffe ju befid^em. 



lieber unfereg fjreunbe^ ©riebniffe toäl^renb ber näd^ftfolgen« 
ben SBeil^cftunben muffen toxx fd^toeigen, ba ba§ 3R^fterium beg 
föniglid^en SSaueS " bief elben bedft, ©o üiel barf ol^ne 3;reus 
brud^ inbeffen au§0e|)laubert toerben, bafe Slanfa bon §omedE, 
bie nebft il^rer SRutter, ber SDSitttoe eine^ el^emaligen SJruber«, 
eine ®l^reneinlabung '' erl^allen l^atte, il^m niemals fo l^olbs 
elig erfd^ienen toar toie l^eute in il^rem loeifeen Oeloanbe mit, 
ben Kd^tblauen ©c^Ieifen. „Slau, bie g^arbe beö ^^xmmd^ unb 
i^rer Slugen, bie garbe ber au^ertoäl^Iten ©eelen", toie er i^r 
toä^renb feiner 2^ifc^nad^barfd^aft'* juflüfterte, inbem er einen 
i)erfd^ämten Slidf auf fein blaue« ©ilet fatten liefe, (gr füllte 
fid^ in einer unbefangeneren ©timmung afe fonft i^r gegenüber, 
trat mit feinen 2lnf})rüd^en lül^ner l^erbor unb afö nad^ bem 
feierlid^en 5Reu)al^rggrufee bie ©efeHfd^aft ftd^ trennte, bot er, 
ju ritterlid^em ©eleit, beiben ®amen t)on §omed feinen Slrm. 
9lur bie 3Rutter nal^m benfelben jebod^ an; ba« ^räulein 
Iflüjjfte unter bem Sorgeben, bafe bie ©c^neebal^n für brei 5ßers 
fönen ju fd^mal fei, l^inter ber boranleud^tenben Sateme ber 
ICienerin. 

„©ie l^aben eine toarme ©d^ilberung Don bem SEBerte unb 
ber SSeftimmung be« SBeibe« entworfen, $err §offunber/ fagte 



^J[J^o8|)^oru8 ©oUunbcr. 13 

naä) einiger S^xi bie SKajorin" t)on ^ornecl, ba fte e§ für 
angemeffen l^ielt, il^ren S3efd^ü^er burd^ ein anerlennenbe^ 
SBort über feinen SSortrag ju belol^nen. „Wdä)tcn Sie ba§ 
3;raumbilb S^rer Seele im Seben t)ertoirflid^t finben !" „^d^ 
l)aht eö gefunben!'' fiel §err ^oHunber rafd^ unb feurig ein, 
ftodEte aber jä^Iingg, errötete bem näd^tlid^en SJunfel jum 2:ro§ 
unb fe^te nad) einer $aufe mit innigem Klang l^inju : „Slucl^ 
©ie, gnäbigfte %xan SKajorin/' finb mir fold^ ein erfüffte§ 
Sraumbilb ber ©eele. $5^ ^^^^ wi^i"^ f^Kge SKutter nie 
gefannt ; fo oft \6) mir aber ein S3ilb bon il^r ju mad^en fud^e, 
erfd^eint e^ mir unter S^rer eblen, l^od^berel^rten ©eftalt." 

SBaS ^ätte ein junger Mann ber 5Katrone ©d^meid^ell^aftere§ 
fagen fönnen. grau t)on §orned brüdfte fd^toeigenb feine 
§anb ; er jog fte an bie 2xpptn, unb ba fie juft bor bem §aufe 
ftanben, fud^te er, fid^ em^)fe^Ienb, bie ber 2:od^ter ju gleid^er 
§ulbigung ju faf[en. Slanf a entpg fte il^m l^aftig unb f d^Iü^)fte 
in bie 3;i^ür. ©ennod^ ging unfer g^reunb in einem SRaufd^e 
Don ©eligleit nad^ §aufe. ®er toarme ipanbbrudE ber alten 
!5)ame bedfte ba§ froftige Stblel^nen ber jungen, 6r träumte 
in ber l^eiligen erften 3«i&re§nad^t bon feiner 5!Kutter im §immel 
unb Don ben blauen Stugen il^rer 9?ad^föigerin unter bem 
SBal^rjeid^en beö ipottunberbaumg. 



%xan unb gräulein Don §omedE blieben bagegen in il^rem 
gemeinfamen ®cl;laf5immer nod^ ftunbenlang load^. Tay 



14 ^l^od^^oru« ^oHunber. 

fd^öne Äinb l^atte fid^, abgefrannl üon ber langen Slbenbtafel 
mit tl^ren Sieben unb Siebem, aHfobalb niebergelegt ; bie 
5Kutter fe^tc fid^ an ber Stod^ter S3ett unb f^tad^ : 

„®er dtixdhlxi aug biefer SRad^t in ein abgelaufene« ^a^x, in 
ein ablaufenbe« 2eben, ein untoiHfürlid^ bange« Sli^nen ber 
3ufunft, \)ai je öfter je mel^r etn)a« ^erjbetoegenbe«. 3Kir ift 
e« nid^t toie SRul^en ju SKule." 3^^ möd^te nod^ ein SBeild^en 
mit !3)ir jjlaubem, Slania ; i)orau«gefe^t, bafe 2)u nid^t affju 
ermübet bift." 

;,D, toenn ®u ju mir rebeft, 3)u gute, fluge SKama, ba 
toerbe id^ toieber munter unb toenn id^ nod^ fo mübe bin/' 
toerfe^te bie 2:od^ter, ftd^ järtlid^ an bie 3Rutter fd^miegenb. 
„3)ir l^örte id^ ju bie ganje 3laä)i ; unb toenn !Du mir erlaubft, 
liegen ju bleiben, toerftel^e id^ ®id^ nod^ einmal fo leidet unb 
anthjorte 2)ir i)iel flüger al« beim ©i^en ober ©elften." 

„60 la^ SDein Äö|)fd^en rul^en, Heine ©d^meid^ella^e," " 
entgegnete bie SKutter. „2)enn 3)u lönnteft 35id^ nid^t llar 
unb emft genug fül^len, angefid^ts einer ©ntfd^eibung, bie ftd^ 
faum über biefe 3tai)i l^inau« toerjögem laffen" toirb. 

i^d), x6) mxd) entfd^eiben ? ** fragte SSlanf a erftaunt. „Ueber 
toagbenn, 3Hama?" 

„§erm ^offunber« 2lbftd^ten in 93ejug auf 3)id^ fd^einen mir 
unjtoeifell^aft, S3lan!a. ß« toäre ein gro^e« Unred^t, bem 
reblid^en 50lanne gegenüber eine 3hJ^tbeutig!eit, ober and) nur 
ein §in]^alten toalten gu lajfen. 2)u mufet 2)id^ ju einer ^af)l 
entfd^eiben, liebe 2^od^ter." 



^^odp^orud ^oUunber. 15 

„3u einet 3Sa^l ? ©iebt e§ benn l^ier eine SBal^I, 9Rama ?" 

„3lai) metner 9Retnung: nein. Silber bod^ DieHeid^t nad^ 

ber Seinen. Ober toäreft 2)u bereite entfd^Iojfen, feine §onb 

anjunel^men ? " 

„§oHunber§ §anb, biefe« 3?arren §oIIunber, aKtitterd^en?" 

r,§üte 35eine ßw^Ö^/ S3lonfa. 3^ *^""^ ^^^^Q beffere 

9Renfd^en, leinen, ber !Dir beglüdfenbere 3lu§ftd^ten ju bieten 

^ätte." 

,,3lte ipottunber ? 2)u fd^erjeft too^I, liebe 3Butter ? " 

„9iein, mein Sinb. ^dS) fjjred^e im J^eiligfien ßrnft, nad^ 

ftrengen ©rfa^rungen be§ gebend. Ober fd^ä^eft !J)u biefe 

nimmermübe ®üte, biefe gleidfemä^ige igeiterfeit, fd^ä^eft 2)u 

ein unfd^ulbige^, toarmeg §erj fo gering, um bagegen etlid^e 

läd^erlid^e Heine 2ln^ängfel in S3etrad^t ju bringen, toeld^e ber 

erfte befte 6d^idEfaI§fturm" abftreifen toirb? ipoHunber« 

©efd^madfloftgfeiten fmb Stu^ttüd^fe einer mtil^elofen S^genb, 

einer affju bequemen Jage in fleinftäbtifd^ bürgerlid^en SSer* 

l(^ältniffen, eines SerufeS, ber jtoifd^en ©etoerbe unb ©tubium 

bie 5Kitte l(^ölt unb bem er fid^ leiber bis je^t nid^l mit 

auSfüffenbem ßrnfte toibmet. 60 i^erfätlt er in ©})ielereien, 

in einen mitunter, id^ gebe eS ju, ü\t>ai Iä})|)ifd^en 2)ilettantiSs 

muS, loäl^renb junge ©beffeute, jumal im SWilitärftanbe, toä^» 

renb einer langen ^riebenSjeit h)ie bie unf ere ** 

„Slber aRama, toeld^ ein aSergleid;! Unf ere Dffijiere " 

„2)ie ©egenüberfteffung toürbe überpffig getoefen fein, mnn 
xä) nid^t toü^te, SBIanfa, toie auSfd^lie^lid^ 2)u 2)id^, aU 



16 ?^o«|)^oru8 ^oUunbcn 

©olbolenfinb, in btefe gefeHfd^aftlid^en Greife gefteUt fül^Ift. 
3ci& toiebcrl^ole bol^er : toä^renb \nnQt 3RiUtärg/' in ber ä^n^ 
fidlen Sage, il^re Äräften id^l l^inlönglici^ ju Dcrtoerten, nur aUju 
oft in ba§ cntgegcngefelte ßjtrem berfattcn unb einem mafelofen 
©innengenuffc fröl^nen. Einen ntir Dorfd^toebenben Flamen 
an^ bief er Kategorie tüill id^ unlerbrüdfen. ÜDu errätft il^n, liebe 
STod^ter. 2)ünlt e^ 2)ir nun aber berjeil^Iic^er, ju fjjielen, ju 
Irinlen, au^ bloßem 3^i^^^i^^^i6 ©itte unb 3^ugenb §ol^n ju 
f})red^en, alg im unbeftimmten ©ränge nad^ zt^a^ §ö^erem, 
in ©ebieten uml^erjufc^tüeif en, für toeld^e bie bered^tigenbe Äraft 
beg 2alent§ gebricht? Seine l^äufigere unb leid^tf ertigere 
Steigung bei unferer 2lbfd^ä$ung ber 3Jlenfd^en, liebe Slania, 
als eine ^rrung be§ ®efd&madE§ ^öl^er anjufd^lagen, bag l^eifet 
toertoerflid^er ju finben, afö einen gel^ler be§ ©emütl, baä 
Säd^erlid^e mel^r aU ba§ Safter, ben Ueberfd^toang ber ^bealität 
mel^r afe beren gänjlid^eS SSemeinen, SRenfd^en toie §oIlunber 
toerben balb genug im red^tmä^igen S^afte fd^reiten lernen, 
toenn eine ernfte ©rfal^rung, eine bebeutenbe ^flic^t, ein toa^rer 
©d^merj gleid^ einer 2^aufe beö (Seiftet fie überfommt. So 
toie an einem Silbtoerfe t)on ^olj ober Stein bie eble fünft* 
lerifd^e ©eftalt erft ju 2:age tritt, iuenn ein SRegenguft bie g=arbe 
abf^)ült, mit toeld^er linbifd^er Ungefd^madf il^r ein lebl^aftereg 
ainjel^en ju geben üerfuc^te. 2lud^ bie gl^e ift fold^ ein Hären* 
beö Sab; eine geliebte, gebilbete grau leitet einen SWann 
unmerllid^ auf bie gejiemenbe S3al^n unb mac^t il^n ju bem, 
toofür bie 9Jatur il^n beftimmte. !3)er Uebergang mag p^inlxcS) 



fein, mein gute^ Äinb ; aber ber Grfolg ift getoi^ unb ber ßo^n 
unemte^Ud^." 

„^ä) bin nid^t erfal^ren genug, liebe 3Rutter/' entgegnete 
Slania, „um mit 35einen ainfid^ten ju ted^ten, gd^ toeife nur, 
ba^ mein innerfte^ SEBefen ftd^ gegen biefelben fträubt. ^\i e« 
mir bod^ niemafö in ben Sinn gefommcn, ba^ ®u ein berortige^ 
£o§ für mid^ im ©inne l^aben lönnteft " 5ßl^ogj)l^oru§ §oIIum 
ber ! — fd^on biefer läd^erlid^e 9lame ! " 

,,3[t bie ©d^ule unfereö Seben^ banad^ getoefcn, um SSor« 
urllSfeile in il^r groft ju jiel^en?'' fragte bie SKutter. ,,Söarum 
ift ber ^iame ^ottunber a)ir läd^erlid^, Slanfa?" 

,,SBer benft nid^t babei an ein 2:rang}jiration8mittel,** 
9Rama?" berfe^te Stanfa lid^emb. ^3umal bei einem 
2lj)otbeIer." 

„Äeine $of[en, Äinb! Se^e ein 2lbel§jeid^en t)or ben 
3?amen unb ®u tüirft i^n tooPautenb unb el^rtoürbig finben, 
fo gut tüie Dä)^, Äalb, ®an^, SRiebefel unb l^unbert anbere, 
mit benen fid^ tüeit läd^erlid^ere SBorftettungen toerbinben Iaf[en* 
^at 2)ir mein eigener ^Familienname „bon ©d^toeind^en" jemals 
Slnftoft erregt? 2)rci Heine Sud^ftaben t)ermögen S)id^ mit einer 
Juft nid;t galanten ober fauberen 5Ramengt)etterfd^aft ju ber« 
f ö^nen unb ^l)o^pl)ox\x^ t) o n §ollunber tüürbe 3)ein De^rd^en, 
Heine 2^örin, burd^auS nid^t mißfällig berühren, gelt ? " 

SSlanIa fd^üttelte ben Äo^f in einer ©timmung, bie jtoifd^en 
SQBeinen unb Sad^en bie SBitte l^ielt. „©inen SWann ^^oSjjl^os 
ruS ju nennen ! " fagte fie. 



18 ^l^oöp^oru« ©oUunbcr. 

„So laufe il^n um/*" entgegnete %xau Don §omei läd^elnb, 
„nenne il^n ©ruft ; feine 3Wutter Ifiat il^m biefen jUjeiten SRamen 
beigefügt, ijietteid^t tt)eil fte 2)eine Sebenfen toorgefül^It, ^i) 
tt)ei^ inbe§ red^t too^I, ba^ ©ein ßintoanb nur ein SSortoanb tft 
unb ba^ ber 3laxm 2)ir nur barum tüiberftel^t, tt)eil er ^ii) an 
baö bürgerlid^e ©etoerbe erinnert. 2)ag ©etoerbe fränit 
©einen ©tolj. 2lber toorauf bift ©u ftolj, SSIanfo? SBeifet 
2)u ettüag me^r i)on ©einen aSorfal^ren, afe §err §offunber 
Don ben feinen? ©a^ fie braöe, el^renl^afte Seute getoefen 
flnb, l^ier in einer befd^eiben bürgerlid^en, bort in einer befd^ei« 
ben militärifd^en ober SeamtenfteHung ; mag ber Slu^gangg« 
punlt ber legieren ein toenig glänjenber, ber ber erfteren ein 
toenig bunfler getoefen fein : i^r beiberfeitiger Silbung^grab 
toirb feit ©enerationen ftd^ nid^t toefentlid^ unterfd^ieben l^aben, 
aBa§ aber ben 3l|)ot^efer anbelangt, — liebe Slania, toürbeft 
©u gegen einen Sanbtoirt ettoa^ einjutoenben l^aben? SBarum 
fd^eint e§ ©ir nun geringer, mit ©etoiffenl^aftigfeit unb ^enntnig 
bie Äräfte ber Siatur ju öertoenben, um ber fd^hjerften SKen* 
fd^enj)Iage, ber Äranfl^eit, entgegen ju toirlen, toarum fd^eint 
e€ ©ir geringer aU feinen 3ldEer ju hthamn, 3Siel^ ju mäften, 
Korn unb 3BoHe ju öerl^anbeln unb auf biefe SBeife, gleid^faffö 
im ©ienfte ber SRatur, bie erften Seben^bebürfniffe ju befriebi« 
gen ? ©efte^e e^, 5linb, nur barum, toeil ©u aud^ fold^e, bie 
©u für ©eine« ©leid^en l^ältft, berlei länblid^e ipanbtierungen 
treiben fiel^ft unb ©ir nod^ lein abeliger Sljjotl^eler befannt 
getoorben tft. Sllfo au^ SSorurteil. SSoßte id^ ©ir nun aber 



^Jß^ogp^orus ^oUunbcr. 19 

and), tt)enn gleid^ nid^t bic Sered^tigung, fo bod^ eine tjerbreitete 
Söirlfomleit getoiffer geiftiöer ©etoöl^nungen, bie totr SSorurteile 
nennen, jugeftelfien, fo mü^te id^ 2)ir in biefent gaUe bod^ 
eine toeit toerbreitetete SBirIfamleit entgegenfe^en, benn §err 
§offunber i[t ein fo too^l^abenber 3}?onn, ba^ oHe gang unb 
geben SSorurteile Dor feinem SReid^tum t>erfd&toinben muffen." 

„^d) t>erfte^e 2)id^ nid^t me^r, befte SDlutter/' toenbete SSIanfa 
ein. ,,§eute emjjfiel^Ift 2)u ben JReid^tl^um eineö SWanne^ unb 
toie oft Ijfaft 2)u mir ba^ SSeräc^tlic^e einer ©jjelulationöl^eis 
rat" borge^alten?" 

n^d) tl^ue eg nod^, mein Kinb, infofem eine §eirat nur 
©|)efuIation, infofern eö nur ber äußere ©lanj ift, toeld^en ein 
SWäbc^en in ber innerften menfc^Hd^en 3Serbinbung fud^t. S3ei 
einem 5Kanne Don §ottunberö ßl^arafter toirb ber 3?etd^tum ju 
einem erfüttenben ©egen. 3d^ toeife, bafe e§ einer ernftgebilbe« 
ten ^au/' — ba^ e§ i e 1 1 e i c^ t aud^ ®ir, liebe 93lanf a, bie 
Sufriebenl^eit nid^t tjerfümmem toirb, toenn fte ein baumtt)oIIe= 
neg Äleib ftatt eineg f eibenen trägt ; ein einfad^e^ 3Jla^I i)on 
ga^ence geniest, ftatt Sedferbiffen t)on f oftbarem ©erat. 3S i e I^ 
leidet, fage id^, ba Ja in bem ftd^ fo mäd^tig öerbreitenben 
SujuS unferer Qdi eine bebenflid^e SSerfud^ung felbft für bie 
Sefd^eibene liegt. Unter aütn Umftänben jebod^ ift e§ aud^ 
für bie 93efd^eibenfte fd;loer, ben Siffen ju bered^nen, mit bem 
fie ben ©aftfreunb betoirten, ben ©rofd^en, mit toeld^em fte ben 
Dürftigen unterftü^en möd^te, il^re toärmftcn gmjjulfe atte^eit 
unter Äontrole ju l^alten. Sei ©einer erregbaren 3?atur, liebe 



^ ^1 



20 ¥^oe^l}oru« ©oKunbcr* 

Slanfa, ift e^ ioppdt fd^toer. 3d^ fürd^te, id^ fürd^te/' — grau 
toon §ornedf feuf^tc bei btefer SBenbung — „ba^ fid^ biet \>on 
®^xne3 aSater« SBefen in bem 35eitten fortgeerbt l^ot, mein 
armes Äinb/ 

„®u fürd^te[t ba«? " fragte Slanfa betroffen, ba fte getoolfint 
toar, ben frül^üerftorbenen 35ater mit uneingefc^rdnlter Ringes 
bung ju öerel^ren. „JDu fürd^teft eS? SBar mein SSater ni^t 
ebel unb gütig ? Siebteft 3)u il^n nid^t, meine SKutter ? " 

„6r toar ein ebler, gütiger SRann^ unb id^ liebte il^n, 3?Ianfa/' 
antwortete g^rau Don §omedE unb feufjte toieberum bei ben 
SBorten. ^.'Dennod^ l^abe id^ biet mit i^m unb burd^ il^n gelit« 
ten. ®enn fein 3:emt)erament unb ©efd^idE lagen in bauembem 
3tmefj)alt, ol^ne bafe eines mächtig genug getoefen loäre, baS 
anbere öon ©runb auS ju bewältigen. 3c^ Werbe 3)ir biefe 
©rfol^rungen el^eftenS näl^er bejeid^nen, ba id^ 3)id^ Dor einer 
firtfe ftel^en fe^e, in ber fte 2)ir gur Seigre Werben !önnen. 
§eute möd^te ic^ 2)ir nur nod; fagen. Wie tief eS mic^ beglüdfen 
Würbe, Wenn id^ 2)id^ o^nlid^en Äonfliften entjogen toü^U, 
Wurjelnb in einem Soben, in Weld^eni l^erjenSfreunblid^e 2:riebe 
fid^ entfalten bürften, ol^ne ftd^ — ^äufig mel^r als unfere ^xx^ 
tümer — in Älij)})en umjuWanbeln, an Weld^en ein SebenSfc^iff 
nur allgu oft fd^eitert." 

Slanfa ergriff ber SKutter §anb ; fte fül^lte ftd^ Je länger Je 
tiefer i>on beren (Srnfte bewegt. JJ^au toon §omedE ful^r fort : 

„2)u l^aft in ber befd^eibenen, aber gefid^erten ©inrid^tung, 
Weld^e mein Sal^rgelb mir geftattete, Wol^l Sefd^ränfung, aber 



?^o«^)5oru« ^ollunbcr. 21 

leine 3lot, leine ©orgen fennen lernen, Bä)lkit id) bie 
Stugen, bleibft 2)u mitteffo§ gurüi, ol^ne eine Familie, in 
beren 3Serbanb SDu Did^ natürlid^ unb fd^iilid^ einrid^ten 
bürfte[t " 

„D, \px\(i) nid^t t)on biefer unau^benlbaren** SWöglid^Ieit, 
SRulter ! '' rief bag junge 3Räbd^en ntit überftrömenben Slugen. 
„2)u fannft, 2)u barf[t nid^t i)or mir fterben, SBie foHte id^ 
leben o^ne 3)id^ ? " 

,,^06), mein igerj, fjjred^en toir einmol t)on biefer ^Röglid^s 
feit ; fie bürfte 3)ir tüeniger fern liegen, afö 2)u al^neft/' tnU 
gegnete grau Don §omedf fanft. „3Mein Iräftige§ Stu^fel^en 
tdufd^e Xiä) nid^t. ©in l)Iö|lid^e§ Sterben ift faft erblid^ in 
meiner gamilie; oud^ mein Seben lann rafd^ abgefd^nitten 
toerben. SBa^ bann mit 2)ir, mein arme§ 5linb ? ©ne günftige 
§eirat für eine uni^ermögenbe** S^od^ter ber gebilbeten ©tänbe 
toirb l^eut ju 2^age je mel^r unb mel^r ju einer ßl^ance tt)ie baS 
gro^e So§** unb auf bi^l^er nod^ toenig gebrod^ener S3al^n felbft* 
ftänbig burd^ bie SBelt ju bringen, bebingt für un§ ^auen einen 
l^arten Äamj)f. ©laubft 3)u 2)id^ fold^en Äamj)fe§ fällig, 
Slanfa ? ®iel^ unfere arme Goufine aSiltoria an, toie fauer e3 
il^r toirb, fid^ burd^ SKufif« unb ©jjrad^ftunben notbürftig ju 
erl^alten. SJenle 2)id^ in äl^nlid^e Sagen aU Sel^rerin, (grjies 
l^erin, ©efettfd^afterin, attemal aU eine Slb^ängige. ©teile 
bagegen ein Sog an ber ©eite eines geeierten, eines liebenben 
3JlanneS, in gefid^ertem, bürgerltd^em Seft^; ein SBalten in 
angemeffener toeiblic^er ©jjl^äre, in untoerlümmerter** fjreil^eit. 



22 ^J?^o8p^oru« ^oHunbcr, 

gütige ^leigungen unb anmutige gäl^igfeiten ju 2^ugenben unb 
SEBol^Itl^aten auSjubilben." 

„Slber id^ liebe biefen ipotlunber nid^t ! " rief SSIanfa aufgc= 
regt. „@r ift mir gleid^ giltig ; nein, nein, er i[t mir toiber* 
toärtig ! " 

„^d) tüitt biefen ftarlen Slugbrud 2)einer Ueberrafd^ung ju 
gute galten,** Slania/' toerfe^te bie SKutter. „©d^on bie 
©leid^giltigfeit toürbe afe ©inloanb genügen. ®enfe barüber 
nad^, ob biefelbe ber Sichtung unb 2)anlbarleit, bie !Du nid^t 
berfagen fannft, bauernb toiberfte^en, ob Untere fid^ nid^t in 
greunbfd^aft unb enblid^ in Steigung umtoanbeln lönnten, ob 
S)u 2)id^ unfäl^ig fül^Ift, im 3led^ts unb ©uteötl^un ben SaHaft 
für 3)ein £eben§fd^iff ju finben. 33ringe aud^ bie ©etoö^nung 
in Slnfd^Iag, bie felbft üble 3uftänbe ertväglid^ mad^t, toie mel 
mel^r aber ben S^refflid^en ju gebül^renber ©d^ä^ung beri^ilft- 
®ie au^gleid^enbe 3Bad^t ber 6^e unb be§ gamilienlebenS ift 
eine unbeftreitbare ßrfal^rung. gerne fei eg bon mir, 2)id^ ju 
Überreben, loo id^ Did^ nid^t überjeugen fann. ?lber eg toar 
meine ^flid^t, bie Vorurteile ju jerftreuen, bie fd^attenartig ba§ 
93ilb eine§ guten 50lenfd^enumf[oren ; ben Sienbungen ber gugenb 
gegenüber üDeine innere toie äußere Sage in ba§ gel^örige Sid^t 
ju fe^en. 3^1* f^^I^f^/ ^^^^ ^w^/ w^i> ®ö*t \oa6)t über 3)id^ 
in einem mmn ^af)x" 

grau bon §ornedf beugte ftd^ tl^ränenben 2lugeS über 
bie geliebte 2^od^ter, bie il^re Slrme um ber 3Rutter §afe 
gefd^Iungen, lange 3^i^ fd&lud^jenb an i^rem ^zn^n lag. 



^^odp^orud ^ottunber. 23 

©ann brücfte fie einen Äu^ auf SBIanfa« ®tim unb legte jtd^ 
jur Slul^e. 

Slanfa toar erfd^üttert. Xk aSorfteffung, t^re SWutter 
verlieren ju fönnen, burd^jitterte fie jjum erftenmale, beftürmte 
fie mit Slngft unb ßntfe^en. 2lber eine frol^e Swgenblid^feit 
vermag fo büftere, hjefenlofe Silber nid^t feftjul^alten. Slnbere 
unb h)ieber anbete brängen fid^ üor. 5pi^o§t)l^oru§ §oIIunber 
aU Öräutigam! SBeiter trägt ber jungfräulid^e Slidf nod^ 
nid^t. 6r pxaüt fd^on ab an biefer erften Äli^)^)e. • Unb, h)ie 
burd^ 3^"^^^/ taud^t am Slanbe berfelben eine anbere ®eftalt 
em^)or; unbeutlid^, unbeftimmt, e« ift toal^r, aber mit aCen 
Sleijen ber ©d^önl^eit, ber Sitterlid^feit, fü^n erfaffenben 
3SerIangeng. Slffur bon ^ol^entoart, ber junge §ufar, ber feit 
furjem in bie ©tabt ijerfe^t, aHe B^i^Ö^^ ^on ftc^ reben, äße 
3Käbd^enl^erjen fd^Iagen mad^t. 3)ie 5ffiutter l^atte, o^ne i^n 
ju nennen, hjamenb auf i^n l^ingebeutet ; aber SKütter muffen 
tpol^l eine anbere ©el^Iinie l^aben aU il^re 2^öd^ter. 

®ie 2^od^ter fielet il^n, ba« berunglüdfte Äinb ju retten, bem 
Siei^brunnen juftürjen, ftd^ am ©eile in bie grauftge S^iefe 
h)inben, fielet nac^ einer ^aufe lautlofen (grftaneng ben ßblen 
mit jerfe^ten §änben, blutenb, befinnungglog in bie §öl^e 
jiel^en, ba§ gerettete Äinb im Slrm. üDa^ S^i^^^ ^i^f^i^ 
l^elbenmütigen 3:i^at glänjt h)ie ein ©tern auf ber jugenblic^en 
Sruft. 2)ann, toenige SBod^en erft finb eg l^er, bann fielet fie 
ftc^ felbft, laufd^enb l^inter ber ©arbine l^erbor, aU ber 
9SieIbef))tod^ene jum erftenmale unter i^rem g^enfter borüber« 



24 ^^oS^l^oru« ^ollunbcr, 

fj)rcngt. ^piö^Kd^ l^emtnt er ba^ feurige Slo^ unb mit fül^nem 
SHc! bie Saufd^erin erft)ä]^enb, fen!t er ^ulbigenb bie ©J)i|e 
feinet 2)eöen§ bor ber ®rrötenben. 

Unb biefer ritterlid^en ßrfd^einung gegenüber fielet läd^elnb 
5pi^o§^)l^orug §oIlunber, bie er im 2^l^eefränjci^en affbelannte 
SaCaben beHamirt, mit fd^hjad^er (Stimme SiebeSlieber jur 
©uitarre fingt, toenn nic^t gar über bem §erbfeuer toiberlid^e 
SKijturen braut. ®ie h)agt e§, ftd^ aU SSraut an Slffur bon 
§ol^enh)art§ Slrme burd^ bie ißaut)tftra^en hjanbelnb ijorju« 
fteßen, mit ftoljjem ®Iüdf bie nad^fd^auenben S3Iide ber SBetouns 
berer unb ber 9ieiber genie^enb. ®ann h)ieber, an 5ßl^ogt)^oru§ 
§oIlunber§ Slrme, bem fi)öttifd^en ßäd^eln ber SBelannten 
auötüeid^enb, mit niebergefd^Iagenen Slugen il^ren ®ru^ bermei« 
benb, ftd^ burc^ §intergäfed^en brüdfenb. §unbert dl^nlid^e 
Silber brängen, fd;eud^en, jagen einanber, bi^ enbfid^ ber 
©d^Iaf gefd^Iid^en lommt, ber gute, bilberlöfd^enbe unb bilber« 
jaubernbe ©d^Iaf. „Slffur l)on §ol^entt)art — ^f)o^pl)oxvi^ 
§oIIunber''— pfterte bie 2ippt nod), \)alb fd^on im 2:raum. 
„Slffur ! Slffur ! " — unb fte f d^Iummerte ein. 



2lm 3leuial^r^abenb tt>ax Slefjourcenball/' §err ^oHunber, 
afe 35orftel^er, ber erfte auf bem 5pia|e. 3n feibenen ©trüm« 
^fen, ©d^naHenfd^ul^en, chapeau claqne, SSefte unb Sinbe 
l)on meinem %Üa^, muftert er nod^ einmal bie Drben, ©d^Ieifen, 



?5^o«p^orus ^oUunbet, 25 

©träu^c^en, Sonbon^ unb JtiippeV' i>i^ ^ äu^ eigener 2^af(i^e 
anöefd^afft unb ntit benen er einen l^ol^en ßl^riftbaum gefd^müdt 
i)at §err §oIIunber toei^, h) em er beim ßotitton** mit ben 
fmnigften 3)arbietungen feine ®unft bejeigen toirb. 

3m §intergrunbe be§ ©aalg erl^ebt fid^ auf einem haut 
pas^' jtt)if d^en Slumen0rupt)en eine ?lrt l)on S^l^ron, über 
toeld^em, golbflimmernb/* ein riepöer SPantoffel fd^toebt 6inem 
S^eil be^ fd^önen ©efd;Ied^tg unb juft bem tüid^tigften 3:eil für 
ben Drbner ift burd^ bie geftrige ©d^nJefternloge bag unbeftreit« 
bare** §errfd^erred^t ber S^Ibefterftunbe berlümmert toorben. 
§err §offunber toirb ben Seeinträd^tigten l^eute glänjenb 
©enugt^uung geben. 6r neigt fid^ a priori ^^ öor ber SSürbens 
trägerin, tüeld^er er ba§ ©cepter gu einem mütterlid^en Slegi^ 
mente unter bem fd^tüebenben Pantoffel" übeneid^en toirb; 
adb, nid^t blo^ für biefe eine ga^reöftunbe überreid^en möd^te. 
5lCe§, \t>a^ er ftnnt unb fd^afft, ift ©^mbol, ift jarter SBinf. 
Xxoi^ biefer Sefliffenl^eit ift ^err iQoIIunber inbeffen nid^t 
unbefangen, toie fonft bei feiner gefellfd;aftlid^en ^flid^t. 
SBäl^renb er mit Slnmut unb Sßürbe bie erften eintretenben 
3)amen betoififommnet, fd^Iägt fein $erj tt)ie ein iQammer 
unter bem glänjenben ©ilet unb Iramt)f^aft l^eftet ftd^ jtüifd^en 
SüdEIing unb Südfling ba§ Sluge nad^ ber %\)ixx, burd^ tüeld^e 
bie Grfe^nte eintreten toirb. 3:rägt fie ben Strauß, ben- er am 
SKorgen in feinem 2^reibl^aufe gei)flüdft, il^rer tüürbig, einer 
Äönig^tod^ter, fmnöoH gleid^ einem ©elam," eigen^änbig 
gebunben unb nebft einer jierlid^en Äarte für bie ^od^ljerel^rte 



26 ?^o«^)ftoru« ^otlunbcr, 

grau 5!Kuttcr al§ 9Jeujal^rggru^ überfenbet l^at? Xtä^t ftc 
il^n, fo toirb er btcfeö ^üd^m bcr §ulb für einen Qd^kh^^pvud) 
be« Sd^idfatö galten. 

2)er ©aal tft überfüHt. $err bon §o^entt)art lel^nt mit 
gelreujten Slrnten unter ber 2^bür be^ (3t)eife3immerg ; §err 
igoCunber fd^toebt angftiJoC gefi)annt unb bod^ ßefällig bie 
Steigen auf unb nieber. ßnblid^, enblid^ — ba tritt fte ein an 
ber Seite ber ftattlid^en 5Kutter! $]^ogJ)l^orug §olIunber 
jtüingt einen jaud^jenben 2luffd^rei in feine Sruft jurüd, benn 
ju einem buftigen ©etoanbe trägt bie §oIbe im $aar ben 
toei^en Äamelienjhjeig, ben er afe Ärone in feinen Strauß 
getüunben. ^I^r einjiger ©d^murf! Slanfa fal^ bläffcr auö 
afö getüöl^nlid^, il^r gro^eö 3luge toar umflort unb rul^te l^äufig 
am S3oben, aber nid^t nur unferem g^reunbe erfd;ien fie bon 
jauberifd^em 9leij ; aud^ §err bon §ol^enh)art, biefer Äenner 
unb gefürd^tete Äritifer ber grauenfd^öne," betrad^tete ba« 
l^olbe ®efd^öt)f mit ©ntjüden. §err §oIlunber ftürjte ben 
©intretenben entgegen, reid^te grau bon §omed bie §anb jur 
eröffnenben ^Polonaife/* gab mit feinem toeifefeibenen S^afd^en« 
tud;e bem Drd^efter bag Signal jur eröffnenben 5ßolonaife unb 
t)oran fd^ritt er ber bielgliebrigen 'manbelnben ©d^Iange mit 
ber SKiene eine§ 2:riumt)l^ator§. 3lfe geluiffenl^after Sßorfte^er 
\)aiU er bie 3Kuftt ju ben 2:änjen f elbft au§gett)äl^It unb h>ar 
bie ^olonaife auf bie 3lrie : „fiennft 2)u ber Siebe Dualen ?" 
aud^ nid^t gang neu, fo entfi)rad^ i^r ^^ejt bod^ toie fein jtoeiter 
ben ©efül^len be§ finnigen Drbnerg, ber fid^ nid^t ijerfagen 



<P^o«^^oru8 ^oUuubcr. 27 

lonntc, burd^ funftöoHe aSerfd^Iingungen unb SSeifc^iebunöen 
bie 5ßaare bunt ju mifd;en. S^ift ^^^ ^^^ '^^^ ©tro^)^e : ,,Unb 
bod^, SJläbd^en, lieb xd) bid^" — er l^atte biefeö Sieblingölieb 
bteberl^olt in Äonjerten ijorgetragen, — baS 2:emj)o " ftd^ 
fd^toungboller ju beiDegen anl^ob, reid^te er Slanfa ju einer 
jierlid^en 2:our bie §anb. ©eine Slugen ftral^Iten ben SCejt ju 
ber 5KeIobie, er toa^tt einen fd^üd^temen §änbebrudf unb 
fd^Iüi)fte bunlel enötenb ber näd^ften 3)ame ju. Ser bermöd^te 
bie aBonne be§ Qnt^n 3Kenfd^en ju fd^ilbern? Unb al§ bie 
©eliebte bann beim 2lntritt jum erften SBaljer ntit verlegenem 
Säd^eln, ba§ il^m aU l^olbe Sd^ämigleit erfd^ien, für feinen 
löftlid^en Slumengru^ banüe, aU er fie bebenb in feinen 2lrmen 
l^ielt, il^r Slteml^aud^ fid| in bem feinigen mifd^te, ba, ba — o, 
bu tiberfeliger*® §elb §offunber! 

©i)äter am Slbenb fül^rte auc^ §err bon ^ol^entoart, ber 
bigl;er nid^t getankt l^atte, 331anla auf il^ren $Ia$ jurüdf. ^\)x 
Sufen bogte, bie Söangen glül^ten, bie Slugen toaren toeit 
geöffnet unb bie äipptn i^alb, tt)ie bie cineö läd^elnben Äinbeg. 
©0 engeCeid^t toar fie noc^ nie im 3lrme eineö ^^änjerS burd^ 
ben ©aal geflogen, mit foId[;er ^nbrunft l^atte nod^ niemals 
einer fie bid^t an fid^ beran gejjre^t. ©ie l^atte bie Siber nid^t 
k)om aSoben erl^oben, aber fie tou^te, ba^ alle SlidEe auf bem 
unöergleid^Iid^en" ^ßaare gerul^t l^atten. ©ie fül^lte ftc^ 
gefeiert unb beneibet toie nod^ nie. §err bon iQol^entoart 
fragte fie, ob fie ben tUn beginnenben ßotiHon" nod^ für i^n 
frei l^abe. ©ie mu^te ablel^nen. 



28 ^:p^o«p^oru8 ^oUiinbcr. 

,,®ie 2^anjluft" lommt Sinnen \p'dt, §err l)on §ol^enh)art," 
fagte fte fd^crjenb. 

„6te gönnten mir ben SSorjug eines S^anjeS nid&t frül^er, 
Onäbigfte/' entgegnete er, inbem fein bunlleg 2lugc baS il^re 
fud^te. ,,3Keinen Sie, bafe id^ noc^ toie ein gäl^nrid^ tanje, 
um gu tanjen ? " 

©ie fül^lte eine S3Iuth)oge*' über il^re SBangen gleiten. 
§atte fte felbft l^eute jum erftenmale bod^ getanjt nid^t bIo§ um 
5u tanjen. 9Kit gejtoungenem Säd^eln fragte fte : 

„3lber toa« gelDäl^rt Sitten ein Sali, \omn nid^t ben Xanj?" 

,,5!Ba§?" erlDiberte er. „5Run, h)ag ba^Seben überl^auj)t: 
einen 5Koment ber ©d^önl^eit unb au^erbem — SangelDeile." 

„Sangetoeile ? " rief §err ^oCunber, ber l^erbeigetreten toax, 
um SlanfaS Sfad^barin jum SotiUon ju filieren, ba aud^ il^m bie 
©efeierte bom legten 33alle l^cr berfagt geh?efen toar. 3Bie 
gern toürbe er bie Ärone ber 2^änje, l^inter il^rem ©tul^Ie l^ar^ 
renb, überf dalagen l^aben, l^ätte feine 2)irigenten^)flid^t'' nic^t 
mäd^tig in il^m t)ulfiert unb baS gute §er} il^n gebrängt, ein 
ältlid;eS 5!KauerbIümd^en" eine froI;e Stunbe l^inburd^ toieber 
blül;en ju mad^en. 

„Sangetoeile?" toieberl^olte er. „2ld^, ba beflage id^ ©ie, 
mein §err Sieutenant. gd^ l^abe nod^ niemals Sangelueile 
emjjfunben.'' 

„^iffenbrel^en" ift ani) eine unterl^altenbe Sefd^äftigung/' 
berfe^te §err bon §ol^enh?art, ju S5Ian!a getoenbet, unbefüm* 
mert, ba^ ^ollunber bie Semerfung l^ören lonnte. 



$^o9p^otud ^oHunber. 29 

„S^^fatt« nülKd^cr afe ©d^nurtbartbrel^en/'" gab btefcr 
jurü(f, bom Some fd^Iagfertig inft)iriert. 2)cnn, toennglcid^ 
unfer greunb im SlHgemeinen ijon ben ©ämonen be^ Älein^ 
lebeng bie @nH)finbUd^!eit unb üble Saune fo toentg lannte afe 
bie Sangetoeile, burd^ ben §o^n au« biefem 5Wunbe, unb in 
biefer (Segentoart, fül^Ite er fxd) em^jört. 

6r fül^tte feine 3)ame in bie Sleil^e unb §err t)on ^ol^entoart 
ladete fo unbefangen, afe ob t)on einer Seleibigung aug biefem 
3Kunbe nid^t bie Siebe fein fönne. 

/f3<^ gratuliere Seiten ju biefem ^rad^tejemplar** bon einem 
3Serel^rer, ©näbigfte/ fagte er. „6in närrifd^er Äauj, h)ie alle 
Slj)ot^efer." 

331anla filterte, il^re 5ßulfe flogen, ©lut unb Släffe toed^felten 
auf il^ren SBangen; fie tou^te nid^t, ob l)or ©d^am, t)or 3om, 
Dor hjeld^en übertoältigenben 6mj)finbungen. 

„2Bie fd^ön ©ie ftnb?" rief §en öon §ol^enlt)art entjüdft. 

©ie erl^ob ftd^ l^aftig unb folgte il^rem l^erbei eilenben 2^änjer 
in bie Sleil^e. 

®er toortanjenbe**" §err §olIunber überbot fid^ in ftnntooll 
erfunbenen 2^ouren. gräulein t)on §omedf h)arb mit feinen 
Slumen unb ©aben überfd^üttet, feine ejcentrifd^e §ulbigung 
jum ©epfter ber ©efettfd^aft. SBieberum füllte fte atte Slidfe 
auf ftd^ gerid^tet, aber h)ie !ram))fte j|e|t ba« §erj fid^ il^r ju= 
fammen unter biefen Slidfen, 

3la(S) bem 5Reuerfunbenen lam nun aber ani) ba« 2lItbetoal^rte 
an bie Sleibe. Qvindd)\i bie Sieblinggtour, in loelc^er ber 2;änjer 



30 ^:ß^o«p^oru« ^olluttbcr. 

feine Same auf einen ©tul^f inmitten be3 Greife« 5pia^ nel^men 
lä^t unb il^r nebft einer 9lofe ein Äörbd^en" überreid^t, um mit 
biefen Symbolen l)on jlDei ßabalieren ben einen ju beglücfen, 
ben anbern abjutoeif en. 2lffur bon ^ol^entoart unb 5pi^o§^)l^orug 
^oEunber toaren bie Slanfa J)räfentierten §erren. ©ie fül^Ite 
einen Stid^ im iQerjen, ate fie biefelben auf fid^ jufd^reiten fal^. 
Surfte fie ben überbreiften Slitter nod) ermutigen? ben ertoar^ 
tunggboH bebenben freier burd^ ein nid^t mi^juberftel^enbeg 
Seid^en entfernen, ober — ober — ? 3^^^ Slugen trafen h)ie 
t)on f elbft bie ernft auf fie gerid^teten ber 3Kutter. ipaftig fjjrang 
fie auf unb reid^te unferm Reiben bie Slüte, bem Slnbem ben 
Äorb." 6r fe|te il^n gelaffen auf ben ©tu^I unb tanjte bie 
2:our mit ber ftattlid^en ©emaJ^lin feine« ??ittmeifterg, toäl^renb 
Slania im 2lrm be§ @r!orenen boranloaljte. ©ie füllte feinen 
banf baren §änbebrudf, feinen ftral^lenben Slidf ; fie lou^te, ba^ 
er fein ©d^idffal entfd^ieben glaubte, gl^r fd^toinbelte. (Sin 
bun!ler glor breitete fid^ über i^re Slugen; ol^nmäd^tig fani fte 
in bie 2lrme ber SWutter, bie fid^ mit i^r entfernte, fobalb fie fid^ 
t)on bem SlnfaH erl^olt l^atte. 

Unter ber %\)üx loarf Slania nod^ einen 33Iidf in ben ©aal 
jurüdf. 

2)ag ^antoffelregiment" l^ob eben an mit ber legten ßotiffons 
tour, bem Äe^raug.*^ 3)er arme §oIlunber lehnte geifterbleid^** 
in einer 6dEe; bie ©d^önen toaren barml^erjig QtnuQ, feine Dual 
ju reft)eltieren : feine l^olte il^n. §err l)on iQol^entoart toerlie^ 
lad^enb ben ©aal, um im 5Rebenjimmer an ber 6l^amt)agner5 



93]^o«p^oni8 $>oUunbcr. 31 

botüle älterer Äameraben teiljuncl^mcn. @r foH in biefcr ^ad}t 
t)on fiprubelnber Saune gen^ef en fein ; eine üeine Sani i)rot)oniert, 
me^r ©elb, afe er be[a^, verloren unb beim Jiad^^aufege^en 
mit einem jugcnblid^en ©d^toarm einen Stra^enunfug*^ getrie= 
ben ^aben, in ^olge beffen e§ mit ber ^oligei gu §änbeln !am. 
6r tüurbe barauf eine SBod^e lang nid;t auf feinem tüilbeu 
3fa)3)3en burd^ bie ©trafen jagenb bemer!t. 5fflan munlelte tjon 
©trafarreft, bon gratoierenben finangieHen Serlegenl^eiten. 3)er 
militärifd^en Saufba^n beg übermütigen ßabalier^ tourbe ein 
übles ^rognoftifon" geftettt. 



3)a§ Sluffel^en biefer au^erorbentlid^en SaHereigniffe unb bie 
fid^ baran !nüt)fenben 5Kutma^ungen il^rer g^olgen n^aren in 
unferer ©tabt nod^ nid^t auSgef lungen, als eines 5!RittagS g^rau 
unb 3=räulein tjon §ornedf im grünumranften" ^enfter i^reS 
SBol^njimmerS ftd^ gegenüber fa^en. 2)ie 5!Jlutter lie^ i^re 
§anbarbeit fallen, mit forglic^em ®rnft ru^te il^r Slid auf ber 
SCod^ter, bie unter bem SSortüanbe öon Äo^)ftt)el^ baS ©efid^t, in 
bie §änbe tjergraben, auf baS genfterbrett neigte. g^^Ii^^Ö^ 
fd^redte fte emj^or, baS D^r rid^tete fid^ nad^ ber 2^^ür ; fte l^örte 
Stritte, erbebte unb toax im 33egriff, nad^ ber entgegengefe^ten 
©eite ju entfliel^en, als ein mal^nenber Slid ber 5!Rutter fie 
tüiCenloS auf il^ren ^la^ jurüdEjog. 

©in leifeS ^to^fen unb §err §oIIunber fd^tüebte in baS ^xm^ 



32 ^^oöp^oru« ©otlunbcr. 

nter. ^a toal^rlid^, er fd^hjebte, mit SräutiöamSfd^toingen unb 
fine Sräutt0am§0lorie auf ber umlocften Stirn. §crjl^aft fü^tc 
er crft ber 3Jlutter, bann fd^üd^tem ber Stod^ter bie §anb unb 
f}ob barauf an : „2Bie frol^ mad^t e§ mid^, greunbe unb Sefannte 
nunmel^r an meinem ©lüde teilnel^menb ju toiffen unb ben ^o^en 
©etoinn meinet Sebeng nid^t me^r in meinem §erjen ijerfd^liefjen 
ju braud^en. 3)er ©tic^ ber Serlobung^anjeigen, beren 2ln- 
fd^affung Sie, berel^rte SWutter, mir öütigft überliefen, l^at 
ettüa^ aufgel^alten. ©J)ät geftern 3lbenb finb jte inbef[en öon 
£eit)ji0 eingetroffen ; id^ l^abe bie für ben l^ieftgen Drt Beftimm^ 
ten l^eute 3Jlorgen in Sl^rem 9?amen berteilen laffen unb erlaube 
mir, bie in bie ^eme ju öerfenbenben Sinnen ju überreid^en." 

(gr legte bei biefen SBorten mit einer SDliene, \odd)t bie Se« 
friebigung einer gelungenen Ueberrafd^ung au^brüdfte, in %xavi 
l)on §omedE§ §anb ein ßouDert, ba§ biefe freunblic^ banlenb 
öffnete, etlid^e ber Slätter fielen auf ben Jifd^, 33Ianfa toarf 
einen Slidf barauf, tourbe leid^enbla^ " unb berlie^, ol^ne ein 
2Bort }u äußern, mit rafd^en ©d^ritten bag Sxmmtx. SBag 
mod^te f 6ntf e^enerregenbeg i(;r auf gefto^en fein ? 

ea hjaren rofa glacirte harten öon anf e^nlid^em Umfang ; in 
ber 3Witte machte bie SSaronin SBill^elmine bon §ornedf, geborene 
3=reiin bon ©d^toeind^en, bie 2lnjcige ber SSerlobung il^rer ein= 
jigen 2^od^ter SSIanIa mit bem §errn ßrnft 5p^o§))^oru§ §olIuns 
ber; lorrelt ber Üblid^!eit gemä|. llngemä^ toar nur bie 
gutl^at einer Slanbjeid^nung in ©olbbrudf, l)on bem lunftfmnigen 
93räutigam eigcnl^änbig entworfen. 211^ SWittel^ unb ©dftüdfe 



$4odp^orud $oUunber. 33 

J)ran9tctt größere Smbleme : eine aufgel^enbe ©onne, ein Slltar 
mit (obember D^)fetf[amme, eine Stitterburg t)on einem §oIIuns 
berbaum befd^attet, bie berfd^Iungenen 3Sappm ber §omec! unb 
©d^tüeind^en mit il^ren ©etoeil^ unb Sorften tragenben ©d^ilb= 
l^altern; jtoif d^en il^nen l^inburd^ aber toanb fid^ eine 2lrabe«fe, 
in beld^er bie l^erlömmlid^ften ©innbilber järtlid^ften ©lüdE^, ate 
ba finb 9lofen unb SSergifemeinnid^t, güUl^örner, §erjen unb 
berfd^ränfte ^änbe, geflügelte Slmoretten unb fic^ fd^näbelnbe 
3;äubd^en butd^ blül^enbe §oIIunbertanfen berbunben toaren. 

eJrau t)on Qoxmd fd^aute eine SJÖeile fdbtoeigenb bor jtd^ 
nieber unb ber arme ^oHunber begann ju af)nm, ba^ er ben ©e* 
fd^madf ber eblen 2)ame nid^t fonberlid^ getroffen l^abe. ©nblic^ 
nal^m fte baS SBort: „ßine jierlic^e Slrbeit, too^Igeeignet für 
ein SWbumblatt; inbeffen, öerjeil^en Sie, lieber ©o^n, für ben 
gegenwärtigen ^to^i bürbe mir eine einfädle 2lnjeige geeigneter 
erfd^ienen fein, ©ine Slnnonce fd^Iie^t üDemonftrationen ber 
greube au«, unb ^ktaUn am unred^ten Drt foHten billiger 
2Beife toermieben loerben. Ueberl^au^jt, mein guter ^oUunber, 
geftatten ©ie bei biefer ©elegen^eit ber, toeld^er fie fo bereits 
toiHig SKutterred^te eingeräumt l^aben, ben 3lat unb bie Sitte, 
in allen BtMm fo f d^lid^t aU möglid^ in '^f)x^m 2luftreten ju 
fein, W^nn Sie ben in befd^eibenen SSerl^ältniffen l^erangebilbeten 
©inn meiner 2^od^ter nid^t burd^ allju grellen 2lbftanb beäng* 
fügen tooUen." 

„3d^ glaube, ©ie ju berftel^en, meine berel^rte 5!Kutter," er« 
toiberte ber gute §oIlunber, l^eHe 3;^ränen in ben Slugen. „©ie 



34 $^o«pf)oruö ^oUunbcr. 

finb fe^r nad^ftd^tig, fel^r fd^onenb ! 2lci^, crmtiben ©ic nur 
ntd^t, burd^ i^ren "äiat bte Südfen in meiner Silbung au^jufüHen, 
um mic^ meiner lieben SSlanIa toürbig unb fä^ig ju mad)^n, fie 
ju beglüdfen." 

3laä) einer SBeile entfernte er ftd;, betrübt über ba^ 3lxcS)U 
toiebererfd^ einen feiner SSraut, betrübter über ben (SJrunb beg« 
felben. g^rau bon §omedE blidfte i^m mit inniger Slül^rung 
nad^; feufjte tief auf unb ging bann in bie 9lebenftube, too 
Slania unter Iramjjfl^aftem ® d^Iud^jen auf il^rem S^ette lag. ©ie 
fud^te bie Slufgeregte ju bef d^h?id^tigen ; biefe aber rief l^änbe^ 
ringenb: „2)iefe ?äd^erlid^feit rid^tet mid^ ju ©runbe! 5Kit 
gingern toirb man auf mid^ toeifen. 2Bie foff id^ hjagen, ben 
Seuten lieber unter bie 2lugen ju treten? " 

„Unbefangen läd^elnb, mein Äinb/' anttüortete bie SKutter; 
„mit bem 33ett)u^tfein rid^tiger ©d^ä^ung einer fleinen ©e* 
fd^madföberirrung." 

„r,ÄIein, 5Kutter, Hein? Unb (äd^eln, h)o man bor ©d^am 
in bie (grbe fmfen möd^te?"" 

„®u übertreibft, Slanfa. SBeld^e grau l^ätte nid^t irgenb 
einmal gute 5Diiene jum böfen ©J^iel, toie oft f elbft ju Unbill 
unb greöel il^reg (Satten mad^en muffen? SBeld^e grau toäre 
burd^ bie ©l^e gefd^ritten ol^ne läd^elnbe Sarbe, toenn auc^ ba§ 
ißerj il^r blutete ? Unb toeld^er grau läge eg nid^t ob, mit leifer 
$anb ben 3Serirrten auf bie redete SSa^n ju leiten, nid^t blo^ bei 
£at))3alien, tt)ie biefen !" 

®a aber bag junge SKäbd^en fid^ burd^ fein S^teben 



¥^o«^^oru8 ^oUunbcr. 35 

bemJ^tgett lie^, fagte bie SWuttcr nad^ einer 5Paufe emften 
Sebenleng : 

„Sd^ fürd^te, unfere ®ntfd^Ite^ung toar übereilt. SBenn 
3)ein Söiberftreben fo tief tourjelt, ba^ f d^on beim erften, gering^ 
fügigften Slnla^ Wlvd unb ©elbftübertDinbung 2)ir gebred^en, 
fo h)äre e§ (Sünbe, ba§ Olüdf eineg guten 5!Renfd^en auf bag 
©piel iu f c^en. 5Rod^ ift e§ 3^i* S^ ^^"^^ 2lblel^nung. 3Kan foff 
leine Slufgabe übemel^men, für ioeld^e man bte erforberlid^e 
Äraft bejtoeifelt, jumal to^nn man ni<^t fid& aHein für ben 
©rfolg beranttüortlid^ ift. S^ ^^^^ 2)^ ^^^ ftärfer gehalten 
als 'Du bift. gaffe ®id^ je^t unb la^ nn^ miteinanber ba§ 
Slid^tige iprüfen unb entfd^eiben. 

2)a§ fd^ioerfte SSerl^ängnig fd^nitt biefe ^Prüfungen ab, bebor 
fie jum le^tgiltigen ©ntfd^eib geführt ijatt^n, ja, bebor felbft bie 
trefflid^e 3Kutter fid^ ööHig flar barüber geworben toar, ba^ je 
jarter unb järtlid^er ein junget h)eiblid^e§ §erj, man um fo 
unfäl^iger ift, mit Slltergtoei^l^eit unb ©rünben ber S3illig!eit 
gegen fein natürlid^eö SSerlangen, 9leij ber ©inne unb ber 
^P^antafie, unb toeit mel^r nod^ gegen feine 2lbneigungen, ja 
felbft gegen bag blanic SSorurteil burd^gubringen. 3)ie S^^^Ö^ 
ber 2Beibe neigen unb biegen ftd^ bei ber leifeften Serül^rung 
unb fallen bod^ affejeit in ben i^nen gemäßen §ang jurüdE. 

grau l)on §ornedE erlran!te nod^ am nämlid^en 2lbenb. ©in 
SRerbenf d^Iag •• läl^mte SSefmnung unb ©^jrad^e unb mad^te 
il^rem guten Seben jäl^ ein @nbe. SBar e§ bod^, aU f)aU bie bi^ 
bal^in fo rüftige g^rau biefen na^en 2lu§gang borgefül^It unb 



36 $]^o8p^oru9 ^oUunber. 

mütterlid^e Slngft fie gebrängt, il^r fd^u|lofe« Ätnb in treuen 
§änben ju bergen. 

33lan!aä ß^P^^i^ 0^«^ einer ßerrüttung. 6« \t>ax ein 
Sd^lag an^ blauem §immel; ber erfte, ber tieffte, ja, ber 
einzige, ber fie treffen fonnte. S5i^ jum legten öemid^tenben 
Slft lag fie lautloS über ber toten ©eftalt ; ftumm unb ftunH)f 
ftarrte " fie tood^enlang in t)a^ 2eere. ©ie f d^ien für alle übri« 
gen SSerl^ältniffe bie (Srinnerung berloren ju l^aben; il^reä 
aSerlobten Streue, ftiHe Trauer, bie anfj)rucl^gIofe SBürbigung 
il^re^ Sd^merje« bemerlte fie nid^t einmal. 

?JrauIein bon ©d^toeinc^en fiebelte in bie Söol^nung ber 
SBaife über. 2)od^ l^atte Slania bon flein auf ju auSfd^Iiefes 
lid^ in unb mit il^rer 3Kutter gelebt, um fid^ ber einzigen SBer^ 
hjanbten jujutoenben, unb lt)ar bie arme alte ©ame ju bringlid^ 
burd^ il^re 6rtoerb§))flid^ten " in Slnf jjrud^ genommen, um fid^ 
bem troftlofen Äinbe fo öiel afe i^m not getl^an ^ätte ju toib* 
men. ©er SSerlel^r mit früheren SSefannten, ja, blo^ beren 
2lnblitf, toar Slanfa jutoiber. Silier SBert, aUe Sebeutung 
be§ Sebeng bünite il^r mit bem 2Kutterleben au^gelöfd^t.*' 
5Dian l^ätte fie in ein Älofter fül^ren, fte lebenbig einfargen 
lönnen, fte toürbe leinen 3Biberftanb erhoben ^aben. 3^ ^^^ 
©elbftfud;t il^re« ©d^merjeö badete fie an nid^tg, an niemanb 
aU bie 2:ote, unb bennod^, ober bieUeid^t gerabe barum, badete 
fie nid^t baran, bie le^te mütterliche ffiarnung ju bead^ten, i^r 
neugefd^loffeneö** 93erl^ältni3 ju t)rüfen, unb tomn erforberlid^, 
JU löfen. 3"^*^** i"^ SSerlauf aber bann unb toann ein ma^= 



$^oS^^oru8 ^oHunbcr. 37 

nenbeg Seh)u^tlt)erben il^rer Sage unb bereu 3Serj)Ptci&tungen 
in ©egenipart unb 3w!unft, einem grellen gunfen gleid^, burd^ 
i^r ©emüt, fo erbrücfte bie Saft il^rer §iIfIoftgfeit bod^ rafd^ 
jeben rettenben entfd^Iu^. 2Bag befa^ fte ? toa^ ijerftanb fte ? 
toa§ bermoc^te fie? an toeld^e ßeiftung toax jxe getpö^nt? 
toeld^er Slnftrengung getüad^fen ? nid^t einmal ber ber bulben? 
ben ßrgeoung. ©d^tüerlid^ l^at ein Äinb jemate mel^r ber 
mütterlid^en tJül^rung beburft; aber fd^merjlid^er ^at aud^ 
leinet beren (gntbe^rcn gefül^It unb gebüßt. So lebte fte \)'m 
l)on 2^ag ju Sag, ol^ne in i^rer Slot ba§ 9lotU)enbige feft in ba§ 
Sluge ju faffen unb ftd; i^m in einer ober ber anberen SßJetfe 
gered[;t ju mad^en. SBoc^en, 5Konate fd^lid^en l^in. 2)ie 
2^ante, über biefen ©tarrfinn in aSerjtoeiftung, gab il^r eineö 
2'ageg ju ©el^ör, ba^ eine balbige el^elid^e SSerbinbung in i^rer 
inneren tote äußeren Sage ba^ gebotenfte fd^eine. §offunber 
trat tüäl^renb bief er SSorftellung ein. 6r brängte, er fd^meid^elte 
nid^t, gab nur leife feine ©el^nfud^t ju ijerftel^en, inbem er feine 
SBünfd^e ben §eifd^ungen eineö trauemben ©emüte^ unterorb? 
nete. Die treue Siebe be§ ilinbe^ toar ein 9?ei^ mel^r in feinen 
Slugen, eine SSürgfd^aft für bie bereinftige treue Siebe beö Sßeibeö 
unb feinet l^öd^ften ©lüdE^. ^n biefem gütigen ^erjen toar 
lein SWoment ber Ungebulb unb beleibigter ©igenfud^t. Db 
Slan!a biefen 2lbel berftanb ? Db fie benfelben nur al^nete? 
SSieffeid^t bafe eine egoiftifd^e Seibenfd^aft fte aufgerüttelt l^ätte, 
fte bem 5Dlanne näl^er gebrad^t, ober l)on i^m lo^geriffen ; bem 
3Jlanne, toeld^em fie je^t ol^ne SQäiberfjjrud^, ol^ne ^urd^t, toie 



38 ^^oep^oru« ^oltunbcr. 

ol>ne Hoffnung jufagte, binnen toeniöer SBod^en ftd^ tl^m ju 
eigen gu geben für bag Seben. 

^äulein bon ©dbtoeind^en, bie für ben 2lbenb ber})flid^tet 
h)ar, entfernte fid^ in Segleitung be« banibar freubigen Sräu^ 
tigamö. 95lanla blieb allein, gür ben 3ol;önni^tag toav i^re 
^od^jeit anberaumt ; je^t l^atten toir 3Kai. ®ine SKonat^frift, 
h)ie lurj unb bod^ toie lang, um ein 3Kenf d^enlo^ " ju tüenben 
unb in enben. gl^re 3Kutter l^atte nur toeniger ©tunben jum 
Slufl^ören l^ienieben beburft. 

„SJleine SJlutter tüirb fid; erbarmen unb mid^ ju fid^ l^inüber 
Idolen bor bem So^önni^tag," badt^te 33Ianfa. 

2)ennod^ fd^nürte bie Sruft fid^ i^r ^ufammen. '^\)x Sltem 
ging fd^toer. ©ie öffnete ba§ g^enfter. ©ine milbe, balfamifd^e 
3Kaienluft 50g l^eretn, ©el^nfud^t ertoedfenb, big in bag bum})fe 
Oemüt ber SQSatfe. @§ 50g fie in ba« ^eie, nad^ bem ©rabe 
ber STOutter. SBo^l bämmerte eS jd^on ; aber fte fonnte nid^t 
toiberftel^en. 

©ie fa^ auf bem grünen §üge( unt) berjammerte bie 3^^*- 
©tatt SJlut unb filarf^eit l^atte fie an beiliger ©tättenur neueg, 
bertüirrenbe« 2Be^ gefunben, Klagen unb unftiHbarc S^^ränen. 
,,§ilf mir, 3Rutter I" ftöl^nte fie unb rang ftd^ bie §änbe tounb. 
©ie l^atte fid^ ju einem Kebelofen Seben t)er})flid^tet unb fonnte 
nid^t leben, ol^ne gu lieben. 

5)ag abenblid;e ®unfel brängte jum Slufbrud^. D, ba^ fie 
fid^ l^ier l^ätte betten bürfen für etoig; l^eute, biefe ©tunbc 
nod^ ! Seine ©tätte bünfte il^r unl^eimifd^er al« il^r mutterlofeg 



?5§o«p^oru« ©oltunber. 39 

^a\x^ ; e§ fei bcnn jene, bie t^rcr l^arttc, tücnn fte btefeö ^an^ 
berlic^. ©ie ri^ ftd^ Io§. 

3llS fic au« bcm 5rieb^of§})f örtd^en " trat, fd^aubcrte fte. 2) er 
SBeg bis jum ©tabttl^or Wax nur furj, aber einfam ; in ber 
umbufd^ten Sd^lud^t fd^on näd^tigeS 2)unfel, ringsum lautlofe. 
©tille. Unb bod^ toar il^r, aU f})üre jte eine 9Jä6e, tüe^e ein 
Dbemjug jte an, l^öre fte ein Siegen. Unb im näd^ften Slugen^ 
blitf f4)rie fie l^ell auf. ©ine l^ol^e ©eftalt ftanb an ü}xtx 
Seite; Slffur Don §ol^entoart umfaßte bie Sd^toanfenbe mit 
beiben Slrmen. ©ie l^atte il^n feit jenem Slbenb, an bem fte bie 
erften SBorte mit il^m getoed^felt, nid^t toiebergefel^en. Db 
aber aud^ feiner nid^t gebadet? §attc anä) fein S3ilb ber 
2^obeg^aud^ bertüel^t? 

ff^^ 6itt Sitten gefolgt, Slanfa," pfterte er. „"^d) mufete 
©ie nod^ einmal feigen, beüor id^ ©ie bielleid^t für immer i)er= 
liere. ©eit SBod^en trad^te id^ nad^ biefer SJlinute. 3<^ ber= 
laffe ben ®ienft, biefe ©egenb — bieCeid^t nod; mel^r. SJlir 
bleiben nur toenige ©tunben. §ören ©ie mid^ an. 3^ ^^"" 
nid^t f bon '^l}mn f d^eiben." 

Sl^re ©lieber gitterten, ©d^auer l^alb ber JJurd^t, l^alb uns 
geal^nten ßntjüdfenS riefelten über if^ren £eib. S^re ©timme 
h)ar gelähmt. SBiCenloS lie^ fte il^re §änbe in benen beS 
SSerfül^rerg. ®r l^ord^te auf. 

„©timmen ! Stritte !" fagte er, inbem er fte in ein jur ©eite 
liegenbeS ©ebüfd^ ju jiel^en fud^te. „©ie h)iberftreben ? ©ie 
mißtrauen mir ? gül^Ien ©ie benn nid^t, b a ^ id^ ©ie liebe ? 



40 ^l)oö^j^ont8 ^oUimbcr. 

tote id^ Sie liebe, Slanfa? Slanfa, id^ mu^ ©ie fj)re(^en. 
©eftatten Sie mir l^eute Slbenb ben Eintritt in gl^r ipau«. 6« 
ift eine äbfd^iebgftunbe, Slanfa." 

©ie ftöl^nte toie tin Äinb unb mad^te einen SSerfud^, fid^ i^m 
ju enthjinben. 

„(Sin 2lbfd^ieb bieHeid^t auf etoig/' brängte er, inbent er jie 
bi4)t an ftd^ l^eranjog. „Sott id^ S)id^ auf bie erbärmlid^fte 
aSeife verlieren ? aJleine ^erle burd^ feile Äramerl^änbe " be* 
fubelnfe^en?" 

S)iefer fd^nöbe Un0lim})f gab ber Setl^örten bie S^ffung 
toieber. 2)ort ragte baö Äreuj über bem (Srabe ber 3Kutter. 
3i^r Bä^aitm umf4)n)ebte fte, alg fte ben üRann ber^öl^nen 
l^örte, ipeld^en bie SSerflärte mit le^ter Siebe^forge ju il^reg 
Äinbeö Sefd^ü^er ern)äl^It l^atte. ©ie ri^ il^re §änbe auö ben 
umftridEenben. „%oxtV' freif d^te fte auf, „fort!*' 

„Slanfa !" rief 3lffur unb J)re^te fte mit l^ei^em Verlangen 
an feine ©ruft ; „Slanfa, liebft 2)u biefen aJlann?" 

3Ser5tDeifelnb, fd^n)inbelnb toinbet fie mit le^ter Stnftrengung 
ftd^ auö feinen 2lrmen, fliel^t, ol^ne umjublidfen, ben Slbl^ang 
nieber. SSor il;ren D^ren fd^toirrt fein nad^eilenber ©d^ritt, 
gellt ber 3luf ; r^SSlanfa !" lange nad^bem ring« um fie l^er aUe« 
ftiU geworben, l^aUt er nod^ na^, als fte, atemlog il^r S^w^w^^^^ 
erreidt^enb, bie 2^^ür l^inter fid^ abfd^Uefet unb l^alb in SBal^nftnn, 
l^alb in 6rfd^öj)fung gu 33oben ftürgt. Ein ©türm jad^ in ber 
©ruft entfeffelt, l^at ben SleibrudE"' ber Slpat^ie berf d;eu4)t. 
%\xx6)i unb §offnung, SBibertoiHen unb ©erlangen, eine« immer 



^Jp^oSpl^oru« §o(tunber. 41 

fteöcl^after afe bag anbete, felbft bor if^rem umflorten ©e* 
tDijfen, tDirbeln burd^ ba§ fiebernbe 33lut. SBSunfci^ unb SSor* 
tourf jagen unb berbrängen ftd^. Slu§ bem berlaffenen Äinbe 
ift ))I5^U(i^ ein SBeib getoorben. 

3n bief em unbef d^retblid^en ßuftanbe f anb fie i^re SSertoanbte. 
2)a§ alte fjräulein toollte feinen 'Sln^^n faum trauen ob beö 
SDläbd^en^ bertoanbelter ©rfd^einung unb ©timmung; ob ber 
glül^enben SBangen, ber leud^tenben S5Ii(!e, ber rafd^en SBorte 
unb ©d^ritte. §atte ba§ Setou^tfein il^reS ©lütfg h)irfltd^ nur 
in ber jungfräulid^en 95ruft gef d^lummert ? bie Slu^fid^t ber naiven 
©rfüttung bie Sebenggeifter '* ertoeit? S)er SBernunft gemä^ 
mufete bie braöe Sel^rmeifterin e^ bejtoeifeln; aber fte glaubte eg 
gern unb barum glaubte fie e«. 2)er ©laube ift ja allezeit bie 
$ßlanfe beim ©d^iffbrud^ beö Segreifenö. ©ie W'ai}ntt bie fie* 
berifd^ ©rregte ber Stulpe bebtirftig unb toar e§ f elbft nai) il^rem 
erf d^öpf enben 2:agetr)erf . 2)a Spante unb 3iid^te nid^t, h)ie 3Kutter 
unb X^od^ter e§ getl^an, in einem 3iwtwi^^ fd^liefen, fagten fie 
fid^ ©utenad^t nad^ lurjem Seieinanber. 

S3lanla legte fid^ nid^t. ©ie fdt^ritt im giw^inci^ ^uf unb ab 
o^ne 3laft. SDaö^enfter ftanb nod^ offen: linbfü^le" $Rad^ts 
luft" fäd^elte il^re glül^enbe ©tirn, 2)üfte bon 5Rarciffen unb 
^lieber ftrömten in bie f^od^atmenbe Sruft. ^m SBälbd^en brüben 
fd^lud^jte bie 3tad^tigall in ben 9laturlauten ber Siebe, »rl^immels 
l^od^ jaud^genb, jum 2^obe betrübt." ©ü^e^, unnennbares 
B^lfmn, tDonnigeg Sll^nen fd^meid^elten fid^ mit biefen Jonen 
unb Stiften in ber Sui^öfröu 95ufen. ©ie fal^ SlffurS l^ol^e 



42 ?^o«p^oru8 ^olTuttbcr. 

©cftalt, fpürte feinen brennenben Sficf, fül^lte bebenb ben 3)ru(I 
feiner §anb, feinen toogenben 3ltem, ate er fte eine SJlinute 
lang an feiner Sruft gehalten, ^^x toar, ate l^ielte er fte nod^ ; 
als muffe er fie bort l^alten für en)ig. ©ie ^örte nod^ einmal 
feine öon Seibenfd^aft jitternben 2Borte. §alb unben)u|t beugte 
fie fid^ aus bem ^Jenfter, laufd^te nad^ feinem Stritt, f})ä^te nad^ 
feiner ©eftalt. 2)er abnel^menbe 3Ronb Wax aufgegangen ; bie 
©tra^e ^ett unb tobtenftitt. SSiertelftunbc auf SSiertelftunbe 
berrann. 

3Som §arren matt, toirft fte fid^ enblid^ auf i^r 93ett. Unter 
einem ©d^Iummerfd^leier Wxntt unb lad^t bie erfe^nte ©eftalt ; 
im 2^raume fd^toeigt ber B^^if^f» S^^^ngS fä^rt fte in bie 
§öl^e! 3)er 3luf i^reS 9iamenS l^at fie eriDedEt. ©ebämjjft 
aber beutlid; : „Slanta ! " Unb h)eld^c Stimme ! ©ie ftürjt 
nad^ bem ^enfter, baS fie nid^t gefdt^loffen. (Sin Slumenftrau^ " 
fäHt 5u i^ren g^ü^en nieber. ©ie beugt ftd^ l^inauS, fiebt nod^ 
ben ©d^atten einer l^ol^en ©eftalt, f^ört einen rafd^en ©d^ritt, 
in ber Sa^nl^offtra^e berl^allenb. ®r ! ©r entfernte ftd^. SBSos 
l^in ? aBarum? ©eine SBörte fielen i^r ein : „gd^ berlaffe baS 
£anb — melleid^t nod^ mef^r ; " feine Sitte um ein le^teS gebe* 
tDof^I, baS fte bertoeigert. §atte fte reblid^, f^atte fte graufam 
ge^anbelt ? ©d^on üermod^te ©ie 9led;t unb Unred^t nid^t me^r 
ju unterfd;eiben. 3ft £i^6^ ^^^ ^<^^ oberfte ®efe| ? fragte fte 
ftdb. Unb 93Ianfa ^atte niemals einen Sloman gelefen unb nur 
SBorte ber 2^ugenb auS bem 3)iunbe einer 3D?utter bemommen. 

©ie bad;te nid^t baran, fid^ nieberjulegen, nid^t an i^r 3lbenbs 



^^^odp^orud ^oUunber. 43 

gebet, ntd^t an il^re felige 3Kutter. ^i}x bäud^te, ba^ jte ntemafe 
toieber rul^en toerbe. Sie ftanb am t?enfter, burd^ baö ein 
frifd^er ©ämmerung^tüinb " blieö. ^m lof en 5Rad^tIleibe unb 
bod^ fieberl^ei^ pxt^U fie ben blül^enben 2lbf d^iebSgru^ " an i^re 
Sruft, an il^re brennenben £iber, fog feine 2)üfte ein, aU tüäxtn 
e^ bie aitentjüge/^ bie fie bor toenig Stunben beraufd^t l^atten. 
S^t Qanit^ SBefen toar in Slufrul^r. 

35er 3Kcrgen graute. SBaS ift ba§ ? 3^iW^" ^^^^ SRofen 
ein toei^er ©d^immer. ©in ^erbrüdfte^ 95Iatt. 2Bie i^re S^inger 
gitterten, tnbem fie e§ glätteten ! SBie i^re Stugen funfeiten 
beim 2lnbIidE ber l^aftigen unb fo fül^nen 3üge. 

„®u benfft mir ju entflief^en ? S^örid^te« Äinb ! SBeifet 5Du 
benn nid^t, bafe 2)u mid^ liebft, toie id^ Xxd) ? 2Bei^t SDu benn 
nid^t, toag lieben l^ei^t ? SKein bift 2)u, mein ! Sebe id^ ober 
fterbe id^, mein! Äeine ^flid^t, fein ©d^tour, feine ©rben* 
ober §immefema4)t fann S)id^ mir enttoinben/ 



Slm 3Kittag§tifd^ brad^te grdulein bon ©d^toeind^en, merflid^ 
befliffen, bie ©erüd^te ^um SSortrag, bie fte auf i^ren SKorgen^ 
gangen eingel^eimft l^atte. Sieutenant öon §of>entr)art ^atte plöp 
lid^ feinen 9lbfd^ieb geforbert, bi^ ju beffen Eintreffen Urlaub 
erl^alten unb in ber 9Jad^t bie ©tabt berlaffen. 3Ran ^pxaä) all= 
gemein bon einem beborftel^enben 2)uett mit einem Äameraben, 
infolge bon Seleibigungen am ©))ieltif4) ; baS fo unb fo bielfte 



44 $^o9p^orud ^otlunber. 

be« übenntttigen ^atron^. Sei fetter unb ^Pfennig nannte man 
feine ©d^ulbenlaft," rela})itulierte bie rücf jtd^tdlofen Siebe^aben« 
teuer," bie Überfd^reitungen jeglid^er 2lrt, toeld^e ben2:ottloj)f" 
fd^on öon 3legiment ju ^Regiment getrieben unb fd^HeJIid^, 
feiner militärifd^en S^üd^tigfeit jum 2^ro|, feine ©teHung nn^ 
l^altbar gemad^t l^atten. S)ie ftd^ einftc^tiger 2)ünlenben, unb 
baS alte g^räulein gel^örte ju t^nen, erörterten, toie e§ in 
Seiten langen ^rieben«, gleid^ ber, in toeld^e biefe Sreigniffe 
fielen, bie 2^agegorbnung ift, bie gefal^rt^oUen Anomalien eineg 
S3erufeS, ber auf ber einen Seite fflabifd^ binbenb, auf ber 
anberen jügello«, ©itelfeit, Vorurteile, einen barbarifd^en 
ßl^rbegriff'^ l^egenb unb j)flegenb, ©enerationen l^inburd^ ein 
tl^atloS jutoartenbeö ©d^einleben" fü^rt. 3Ran jäl^lte bie 
Dj)fer auf, toeld^e biefe toiberf})rud^«t)olIe ©inrid^tung fd^on 
geforbert l^atte unb nod^ forberte. 

derlei 3"trägercien, aud^ Don anberer Seite, — nur nic^t 
öon ber i^reö SSerlobten, — umfdt^hjirrten Slanla^ Dl^r. ©ie 
iüanbelte toie in einem toüften 2^raum. ©a^toifd^en ba« 
Setou^tfein i^reö l^eimlid^en SSegegnenö, be§ Derfagten Sebe^ 
too^lS, bie 2^obeSqual um fein bebrol^teg Seben. 3n jeber 
unbeoba4)teten SJlinute überlag fte fein glül^enbeg Slbfd^iebg« 
tDort unb barg e« bann h)ieber auf if^rem §erjen, gleid^ einem 
2;aligman, ber il^n ju feien" unb fie ju befreien bermöge. 
SJland^mal erfdt^ra! fie bor fid^ felbft, toenn fie bie eigenen 
Si^)))en flüftem ^örte : „^m geben unb Sterben 5K e i n !" 

©nblid^, nad) einer SBod^e ftummer §öttenj)ein," verbreitete 



?ß]^o«p]^oru8 ©ollunbcr. 45 

ftd^ bic Äunbc übet ben 3lu§gang beg ®uellg. Setbe ©egner 
hjarcn öertounbcl, feiner lebenggefä^rlid^," h)ie e« l^ie^. §err 
bon ^ol^entoart, ber unfel^lbare** ©d^ü^e, follte feinen Se^ 
leibiger gro^mütiö gefd^ont l^aben, inbem er il^m ba§ 5ßiftoI 
aus ber §anb feuerte unb bie le^tere nur leidet babei ftreifte. 
©ein eigener Slrm toax jerfd^mettert. 

3n einer Drtfd^aft jjenfeit ber ©renge toartetc er, nebft feiner 
§eilung, ben Bpxnd) be§ Äriegggerid^t« ab. ©erfelbe tourbe 
afe ber milbefte borauSgefe^t unb auf öottftänbige atterl^öd^fte '• 
Segnabigung getüärtigt, ba ber ©l^renrat " ju bem 3h?ei!am})f 
feine 3uftimmung gegeben, §err Don §o]^enh)art ber Seicibigte 
unb ber SluSgang fein tbtlid^er hjar. ^n })lö^Iid^em Umfd^Iag 
bertoanbelte ber gefd^mäl^te leid^tfertige 2)amenl^elb fid^ jum 
Chevalier sans peur et sans reproche," — eine SBod^e lang 
ober ^toei, um bann affgemein bergeffen ju toerben. 

SlanfaS ©emütSjuftanb** in ben SBod^en, bie jtoifd^en 
biefem ßreignig unb bem feftgefe^ten §od^jeitgtage** lagen, 
glid^ bem SBanfen unb ©d^toanfen'* eines Icdfen ©d^iffS. 
SBol^l fal^ fte jjefet i^re äußere hjie innere Sage in beutlid^em, 
ja l^äufig in greffftem Sid^t. ©ie tou^te, tüaS eines SJlanneS 
2Beib fein bebeute. 9leigung, ©l^re unb ©ehjiffen brängten 
fte ju einem aufrid^tigen SBort, ju einer befreienben X^l^at. 
Slber toie baS eine auSfjjred^en, bie anbere burc^fül^ren ? 2lrm, 
l^ilfloS, freunbloS, h)ie fte \vax, ol^ne ein (SrinnerungSjeid^en 
bon bem einzigen 5lRenf4)en, für ben unb mit bem fie ftanb^aft 
baS Sufeerfte ju tl^un unb ju leiben fid^ fällig gefüllt l^aben 



46 $^o@p^orud ^otlunber. 

tDürbe. 2Ber J^ätle il^r l^elfen !önnen, aU er ? 3« ^^^ ^^^^ 
fte püd^ten lönnen, al§ ju tl^m ? 3^ tl^tn ? Siebte et fie benn 
nod^ ? $atte er nid^t aud^ mit il^r blo^ fein ©J)iel getrieben ? 
SRein, nein, nein ! Slber l^atte jte il^n nid^t bon ftd^ getoiefen, 
il^n ^erjlo^ gefränft ? , S&o^xn Ratten "^xmn^ unb ©d^iifal 
i^n gefd^eud^t? $Rirgenbg einhält. ®ie SKutter im ©rabe, 
ber ©eliebte b^rfd^oHen. S)ie 3^^* ^«>ttte üortDärtö. 3)ie 
UnglüdElid^e fanb feinen Slbfd^lu^. 

Unb ber liebreid^e"§oIIunber? D getoife, er fj)ürte il^ren 
Äam})f, f})ürte il^n an bem jäl^en SBed^fel il^rer Stimmungen, 
bem unwilligen ** Slblel^nen je^t, ber reumütigen" 2)an!barfeit 
bann. Dftmatö ftieg h>o^I bie 3ll^nung in il^m auf,'* ba^ fte 
il^m nid^t im gleid^en Sinne angehöre, hjie er il^r. 3lber er tüar 
ein $ReuIing in ben ßrfal^rungen beg §erjeng, ein gläubiger 
3teuling; immer hjieber ftegten Siebe, SSertrauen unb bor allem 
ein mitleib^bolleg" SBe^ über feine 3^^if^I« 3^"^^^ tüieber 
fanb er ben ®runb i^rer Sd^n)anfungen in ber ftoljen ©d^eu 
eine§ jungfräulid^en ®emüt§," bie er bon feinen 2)i4)tem auf 
2^reu unb ©lauben annal^m, in bem Sangen be« SSertoaift* 
fül^Ien«'* unb unübertounbenem," linblid^em ©d^merj, ben er 
im eigenften" ^er^en^grunbe" berftanb, unb fo enbete er 
regelmäßig bamit, bie Slnjeid^en ber ©d^toad^l^eit afö ntat 
SReije ber ©eliebten gu öerel^ren unb fte fid^ felbft ju einem 
©})orn ber Umbilbung,'* il^ren Steigungen gemäß, Serben ju 
laffen. 

,,©eine Slad^giebigfeit berbirbt alle«," feufjte ^äulein bon 



^^o«p^oru« $ollunbcr. 47 

©(^tocind^en. „Keine %xavi fd^ä^t einen 3)iann, ber felbft mit 
i^ren Unarten^ einberftanben ift." 

©0 nal^te ber Soi^anni^tag. SDet auföellätte i&ottunber ber* 
ad^tete jeglid^en 3lberölauben ; aber er fud^te unb liebte Sebeu« 
tungen." SEBie l^ätte er baS fe0enf})enbenbe" 2^äuferfeft" nid^t 
ju bem ber befeeligenbften SBeil^e ertoäl^len fotten ? 2) er S^rauer 
l^alber burfte bie geier nur in äufeerfter ©tiHe iz^an^tn Serben 
unb l^atte man, auf SlanfaS SSerlangen, bief elbe big jur Stbenbs 
ftunbe'' berfd^oben. ©in balber SCag Sluffd^ub bünfte i^r ©e^ 
toinn. ^oHunber^ SJorfd^Iag einer §od^jeitgreife " toar Don i^r 
mit §eftigleit abgelel^nt toorben. ©ie lönne ftd^ nid^t au« ber 
3läl^e be« mütterlid^en ©rabe« entfernen, rebete fte Slnberen unb 
bieHeid^t ftd^ felbft ein»" 3« SBal^r^eit graufte il^r bor bem 
Sltteinfein** mit bem fremben 3Kanne in einer fremben Um* 
gebung/* 3)a^ingegen fd^ien i^r gujufagen, bie ©ommers 
monate" nid^t in bem großen, geräuf d^boHen " ©tabtl^aufe,** 
fonbem länblid^ ftitt in ^oHunber« f leiner ©artenöilla" üor 
bem 2^l^ore gu »erbringen. 6r l^atte fie einkbenb traulid^ l^er« 
rid^ten unb fd^müdfen laffen. S)ie ^mmtx blidften auf eine 
SSIumenterraffe," bon toeld^er ^jarlartige" 2lnlagen fxc^ jum 
gluffe abfenften. 3)a auf beffen jenfeitigem Ufer neuerbing« 
ber Sal^nl^of errid^tet toar, mangelte e§ inmitten beö ©tili* 
lebeng " nid^t an einem jerftreuenben SBed^f el. 

3n biefeg rofenblül^enbe" §eim gebadete 5ß]^ogj)]^orug ^ottuns 
ber unmittelbar*" nad^ üoHbrad^ter ßeremonie feine ©attin ju 
führen unb l^ier fern bon aDem toirtl^fd^aftlid^em ober gefd^aft« 



48 ?^o«j)]^oru« ©oHunber. 

üd^em S^rctben bie fcligfte ßeben^jeit ^u genießen. ®ie Se^s 
föfttöung fottte au« bem ©tabt^aufc bcjogen tüerbcn ; nur ein 
iunge« SKäbd^en ju Slanlag J)erfönlid^em 2)ienft 0e0enh)ätttfl 
fein. 



atfö mit bem ftebenten ©loienf d^Iag " be« 3o^anni«=2lbenb« 
5ßl^ogj)l^oruS ^oHunber ba« §ornecf'fd^e SBol^njimmer " betrat, 
feine SSerlobte jur X^rauung abju^olen, toar er })einlicl^ betroffen, 
biefelbe ftatt in bem bräutlid^ toei^en ©en)anbe, ba« er unter 
^räulein bon ©d^toeind^enS Slnleitung für fie ertoäl^It l^atte, 
im ^^rauerfleibe öon fd^toarjer Seibe ju finben. !Die 2^ante 
äußerte fxd) entrüftet toie nod^ nie über biefen ©d^ein eigen* 
finniger Seborjugung be§ 3;obe§ bor bem neuen Seben. ©ei 
man aud^ aufgeflärt genug, um ba« in bürgerlid^en Äreifen 
gang unb gebe SSorurteil gegen bie ^arbe ber X^rauer bei feft« 
liefen ©elegenl^eiten*' unl^altbar gu finben, ba 3Känner \a im« 
mer unb grauen ber nieberen ©tänbe meiftenteite in jd^toargem 
Slnjug bor Slltar unb 2:aufftein träten, fo müfete in borliegens 
ben gatte biefe 9Ba^I für eine unentfd^ulbbare*'' 3:aftlofig!eit 
unb Unbanfbarfeit erüärt toerbcn. 

„3Wit n)ie biet 3Kü^e unb $Rot," fo fd^alt fte, „^abe id^ e« 
aud^ nur bal^in gebrad^t, huxd) Äranj unb ©4)leier, toie burd^ 
baö (Sntblö^en bon QaU unb Slrmen, ber (Srfd^einung ^in 
einigermaßen feftlid^eS Slnfel^en ^u geben!"" 

„Saffen ©ie unfere liebe Slanfa, i^rem ©inne gemäß. 



?P^o«pl)oru8 ©oUunbcr. 49 

fletoäl^ren, befte %anU/ fiel ©ottunber il^r in ba« SBort. „3 1^ x 
©efül^I, nid^t baS unfere, tft e«, ba§ gefd^ont toerbcn vm^.** 

Slanfa ctnjjfanb in bicfer SKinute bie jarte Siebe biefeS 
SKanneg toie einen fted^enben ©d^merj, 3)er SSortourf brannte 
fte, toie toenig fte fold^er Eingebung toürbig fei, tüie fel^r er ein 
tDämtereö, bereitwilligeres ** ©emüt üerbiene. ©ie l^ätte nod^ 
im äu^erften SKament i^n öor einem fd^toeren 3^wm, ftd^ 
felbft öor fd^toerem Setruge toal^ren, l^ätte fagen mögen : ,,3^ 
liebe bid^ nid^t." 9lber mä) in biefem legten SKoment toar i^r 
$PfIid^tbetou^tfein" öertoorren, il^r 2Biffe fd^toad^. „^ä) lam 
nx6)t anber«. Äomme h?a§ mag ! " badete fie unb lie^ fx6) ftumm 
toie ein Dj)ferlamm*' jum 2Bagen führen, ben fte mit il^rer SSer« 
toanbten teilte. 

2)er Sräutigam ful^r Doran unb em})fing fie am Eingang ber 
Äird^e. 

2)er 5pia^ bor berfelben, ba« ©d^iff bis gum abgefj)errtett 
SKtarroum" toaren Äo})f bei Äojjf gefüllt, ^tnn fo unfd^eins 
bar** bie geremonie angeorbnet toar, toer ^ätte ftd^ baS 
3uf ammengeben" beS reid^ften SürgerS ber ©tabt mit beren 
fd^önftem Äinbe entgelten laffen mögen? 3)aS abenblid^e 
^albbunfel/* ber büftere 2lnjug ber Sraut, i^re Seid^enbläffe" 
unb fteineme ©leid^gültigleit mad^ten fd^oit beim SSorfd^ritt 
baS bänglid^fte 2luffel^en. Slanfa erl^ob ben 95lidf nid^t öom 
S3oben. ©id^erlid^ unterf4)ieb fte feines ber fie umbrängens 
ben," altbefannten" ©eftd^ter, bemerfte fte tool^r* nid^t 
einmal. SSarum überriefelte ** fie benn j)Iö^Iid^ ein ©d^auber. 



50 $^o9|)4oru9 ^oUunDer. 

afö fte an bem im tiefften ©d^atlen Itegenbcn Äattjelj)fetlet"* 
Dorüberfd^ritt ? 2Ser h>ar bie l^o^c, bunfle ©eftalt, bie, an 
ben ^Pfeiler gclcj^nt, t^rc ©d^ulter ftreifte? ipatte ein £aut, 
ein ipaud^ il^r Dl^r berührt? Dber Ipcld^en Sj)uf trieb il^re 
$]^anlajte? S^'^^ 5^^^ fd^toanlten; l^alb beh>u^tloS fani fte 
auf i^ren ©effel im ängefid^t be§ 2lltarg unb etl^oUe ftd^ nur 
notbürftig, toäl^renb üom ßl^or ba« ^od^^eitlieb " erfd^aHte : 

„Du bift ber Stifter unferer greuben, §err, ber bu 3Jiann 
unb SQSeib erfd^ufft." 

5pi^og}3]^oru§ §ottunber§ binbenbeg ©elübbe brang l^eff unb 
freubig an^ feinem ^tx^^n in bie ber §örer. Slanla^ ga l^at 
felbft il^r 3SerIobter nid^t bemommen. 2lfö ber ^ßriefter ben 
2^rauring ^ an i^ren Ringer ftedfen tooHte, gitterte i^re §anb fo 
Iont)ulftt)ifd^, fanI bann fo fc^Iaff an i^rem fiör})er l^crab," 
bafe ber 9leif gu Soben roCte. ^oCunber büdfte ftd^ nun, i^n 
aufjufu4)en. SSergeblid^. 3lafd& Ö^f^fet, ftreifte er einen foft* 
baren SDiamantring bon feiner Siedeten, il^n gegen ben Der* 
lorenen auöjutaufc^en. 3lber eS toar nid^t ba« borbeftimmte 
©^mbol ber 2^reue. 35urd^ bie SWenge lief ein al^nbung^« 
DoIIeö'* ©emurmel. 9Jur ber glüdffelige Sräutigam unb bie 
totenftarre'^'Sraut blieben Don bem unJ^eibotten** Dmen un? 
berührt." 

5iKit ftoljer ©iegermiene fül^rte ^^o§})^i)ru§ §oHunber fein 
angetraute^ SBeib, fein Eigentum bor ©Ott unb ber SBelt burd^ 
ba« nunmel^r böHig im 35unfel liegenbe fiird^enfd^iff. ®r 
fül^rte? — nein, er gog, er trug fte na^eju, benn il^re gti^e 



<P^o8<j^oru« ^JoIIunbcr. 51 

fc^iene.t im Soben ju tour^eln. 211^ fie in bie Stalle bcr 
Äanjel famen, ftaute bie jum Sluggang brängcnbe SKenge ftd^ 
berartiß^ ba^ ba^ 5ßaar einen 3Koment inne l^alten mu^te. 
SBieberum, fram})fl^after nod^ afe borl^in, bebte unb fd^auberte 
bie junge grau. Äalter ©d^toei^ ^jerlte auf il^rer ©tirn ; bie 
3ä^ne fd^Iugen im gieberfroft " aneinanber. SBSie in S^obe^s 
ängften " l^ob fte einen 3Koment bie Siber in bie §öl^e ; in bem 
näd^ftcn jutfte fie, hjie bom 93li^ getroffen, gufammen," ballte, 
atö ob fie einen ©egenftanb berge, bie l^erab^ängenbe redete 
§anb gegen bie Sruft unb fani befinnungSloS in i^reg (Satten 
Strme. ®r trug fie in ben SBagen; bie Spante folgte im 
jtoeiten. 

gm enggefd^Ioff enen " SRaume aHein mit bem ©egenftanbe 
feiner l^öd^ften SBonne, baS fd^öne leblofe SBeib in feinen 
Slrmen, berga^ ber geängftigte ©lüdflid^e alle bi^l^erige 3«^üdfs 
l^altung. 6r umf lammerte " fte, })refete feine 2xppm auf bie 
il^ren, ertoeite mit ben fü^eften ©d^meid^elnamen" fie ju einem 
fd^aubernben Sehju^ttoerben"* be§ ®afein«. 

2lngefommen bor il^rem neuen ^eim, bag blumengefd^müit'* 
im Äerjenli4)t ftral^lte, flo^ fie, toie ein gejagte^ 3le^, bie 9lamj)e 
l^inan nad^ il^rem 3in^"i^i^- SllS nad^ ein J3aar 5lRinuten bie 
3^ante baffelbe betrat, ftanb fie öor ber Sampe, einen glimmen^ 
ben $aj)ierf e^en " in ber §anb. 

„aSa^ t^uft 5Du, fiinb ? " fragte ba§ gräulein. 

Slania gab leine ^nttoort. ©ie fiel loie bemid^tet auf ba^ 
©ofa, baS ©efi4)t in bie §änbe bergraben unb l^örte Jool^P 



52 ^^o«p^oru« ^otlunbcr. 

faum, h)te bie treue ^eunbin, jurebenb, ermunternb, anjjreifenb 
fte auf bie 3lnmut ber Umgebung " aufnterffam machte. 

„^n SBa^rl^eit, eine QiXtU ber Siebe!" rief ba§ alte ^räulein 
mit einem Seufjer l^alb ber SSSemut, f^alb beg (Sntjticfeng. 

!I)ie ©la^tl^üren nad^ ber S^erraffe ftanben geöffnet ; SRofens 
unb Drangenbüfte brangen fanft beraufd^enb in bag 3^"^^^^« 
<gg toar ein fd^toüler 5!Kitfommerabenb;" gur 9iad^t brol^te ein 
©etoitter. ©d^attenartig " jog SJBoIfe um SBoHe über bie nod^ 
fd^male Sid^el be§ 5lRonbe§, über bie einjeln am §origonte 
blä^Iid^ auffteigenben ©temc ; in ber ^eme ^jldtfd^erte, rafd^ 
betoegt, ber ^lu^. 

„D, bu gefegnete, l^eilige 2:äufema(i^t!"" flüfterte ba^ alte 
gräulein mit gefaltenen §änben» 

2)ie junge ^rau l^atte feinen Slicf, leinen Saut beg SSerftänb^ 
niffe§, fein ©egen erfle^enbeg ®ebet. SRegungStog lie^ fte fid^ 
Äranj unb ©d^teier abnehmen, bag üblid^e g^rauen^äubd^en" 
auffegen. Sil« bie ^anU fie bann aber fragte, ob fie i^r bie 
Jungfer gum Umfleiben *• fd^idfen foHe, Ivel^rte fte eg ab mit 
einer ©eberbe beS ©ntfe^en^. 

2)a§ alte g^räulein aT^nete bie ©d^auer eines jungfräulid^en 
©emütS, bie ju erfal^ren baS ©d^idffal il^r nid^t gegönnt l^atte, 
al^nete baö SebürfniS beS ©ammeing bor ©Ott im hjid^tigften 
3Jlomente bon eines SBeibeS Seben. „2ld^, mein Äinb/' fagte 
fie, feud^ten SlugeS, „berfenfe 2)id^ nur red^t innig in baS Se« 
toufetfein, mit Seinem eigenften " SBSefen einen guten 3Jlenfd^en 
burd^ unb burd^ ju beglüdfen. gebeS anbere SoS ift fümmers 



$]^od))]^oru9 ^oUunber. 53 

lid^er 9lotBel^eIf " für eine ?Jrau. ©laube e« ©einer alten SSer* 
toanbten unb ®ott toirb S)id^ fegnen." 

Sld^ toarum bermieb fie au§ ©d^onung l^injujuf e^en : „Unb 
beine 5Kutter im §immel?" SSieffeici^t, bafe biefe aRa^nung 
§erj unb ©d^icffal einer Unglücflid^en gum ©lüdE getoenbet 
l^dtte — bieffeid^t! 6ie lü^te red^t inbrünftig be^ jungen 
SBeibeö ©tirn unb ging bann l^inüber in §offunberg 3i^""^^^- 

„©önnen ©ie il^r eine Heine ^aufe ber ©ammlung, trerter 
tJreunb/' ftammelte fte, Iraft il^rer l^eutigen aWutterroIIe," aber 
errötenb unb mit niebergefd^Iagenen Slugen. 

5pi^ogJ>l^orug ^offunber errötete gleid^fattg unb fd^Iug gteid^s 
fall« bie Slugen nieber. @r fü^te ber berel^rten Spante bie 
§anb unb reid^te i^r ben Strm, fie jum 2öagen ju fül^ren. 

S)urd^ ein SJli^berftänbnig l^atte ber SBagen fid^ jugleid^ mit 
ber §od^jeitgIutfd^e" entfernt; ein männlid^er 2)ienftbote toar 
nid^t antoefenb, bie S^J^öf^i^ bovaugfid^tlid^ mit i^rer §errin 
befd^äftigt unb ^l^ogj)l^orug §ottunber gu fe^r ©entleman, afe 
ba^ er einer ®ame geftattet l^ätte, bon feiner ©d^toeffe au« 
einen näd^tlid^en §eimgang fonber ©eleit anjutreten. ®a« 
alte graulein aber, toennfd^on bie berlörjjerte SSefd^eibenl^eit 
unb, an einfame 2lbenbtt)ege ** mit Saternd^en unb §au8fd^lüffel 
getoöl^nt, fid^ burd^au« leine« ©d^u|e« bebürftig fü^Ienb, nal^m 
nad^ einigem ©träuben biefen fetten erlebten 9titterbienft '* an, 
im §inblidf auf bie 35iertelftunbe grei^eit, toeld^e ber aufgeregten 
jungen grau burd^ benfelben getoäl^rt tDerbe. 

©0 fül^rte benn §err §offunber gräulein bon ©d^toeind^en ' 



54 ^l^ospl^orttd ^oUttttber, 

bebäd^tiö nad^ il^rer jiemlid^ abgelegenen SBol^nung, um algbalb 
gepügelten ©d^ritte« in bie feine jurüixule^ren» ®te 5Paufe 
ber ©ammlung l^atte überlange für feine Ungebulb getoäl^rt. 

(Sr IIoJ)ft an ber ©eliebten 3::^ür, anfänglid^ fd^üd^tem, bann 
l^inlänglid^ bernel^mbar. Äein herein. Sr toagt gu Hinlen. 
3)ie 2:i^ür ift öon innen Verriegelt. Sefd^eiben gel^t er in fein 
Simmer jurüdf, etlid^e 3RaIe auf unb nieber, bann öon neuem 
l^inüber, feine ©nla^öerfud^e '* toieberl^olenb* Sergeblid^. ®r 
ruft leife il^ren Flamen. Äeine Slnttoort. Sauter unb immer 
lauter. Sitten ftiH. 

„©ie toirb auf ber ä^erraffe fein, ber Slbenb ift fo jauberifd^/ 
benft er, unb eilt burd^ ben §of in ben ©arten. Sie ©laStl^ür 
nad^ SSIanlag 3iwi"^^^ ft^^^ offen ; ba er bie ßrfel^nte im freien 
nid^t tx\pcii)t, tritt er ein. 2)ie Samjje brennt. Slania ift nid^t 
ba. (Sr flojjft an bie 2:^ür beä ©d^IafjimmerS, öffnet leife — 
aud^ l^ier ift fie nid^t. 

ßin bangeg Sll^nen bef d^Ieid^t il^n. ®od^ fein ©laube ift nod^ 
tajjfer; er toe^rt e« ai. „Bit toirb l^inab in bie 2ln(agen 
gegangen fein/' beruhigt er fid^ unb folgt i^r, nad^ allen ©eiten« 
J)faben'^ fj)äl^enb unb laufd^enb, bie 2KittelalIee entlang big 
jum Ufer. 3)a liegt bie ©onbel, in toeld^er er geträumt l^atte, 
ftd^ an toonnigen ©ommerabenben mit ber ©eliebten ju f d^auf ein, 
©ort loiegen fid^ ein paar ©d^loäne, bie er aug bem (Si l^atte 
l^erantoad^fen feigen unb an beren g^amilientreue'* er ftd^ oft* 
mafe, h)ie an einem Sorbilbe, erbaut. SSon feiner &atAn 
nirgenb eine ©j)ur. 



aber l^ört er nid^t ein ^(üftem, f j)ürt ein Setoegen, ein Sid^s 
regen? fül^lt er nid^t 3Kenfci^ennä^e?'' Stäufd^ungl ©S ift 
bag Slöl^rici^t, baS im SBinbeg^aucl^e " raufd^t — ein 5Rad^ti)ogeI 
— ein f))ringenber ^ifd^. ®r ruft Slanlag Flamen nad^ atten 
Slid^tungen. Äein ©egenlaut ! '* 

3Kit ftodfenbem altem fliegt er in i^r ßintmer jurüdE. Db fte 
in bie 3Kanfarbe geftiegen ift, bie Wienerin ju rufen?" Uns 
möglid^ ! 2)ie 2:i^ür ift ja t)on innen Verriegelt. 2^ötlid;e Slngft 
burd^jittert il^n. ©eine Slugen irren ring^ im 3ittiiw^t: um^er;" 
nid^t§ ift öeränbert. 2luf bem S^ifd^e liegen ilranj unb ©d^Ieier, 
fo tüie bie Spante fie abgenommen, am 3^oben ber Straufe öon 
Drangeblüten, ben fie tDäl^renb ber Srauung getragen. 

aiber l^alt ! S)ort auf bem ©d^reibtifd^ — eine Unorbnung/' 
toie bie §aft fie ben)irlt, — ein bli^enber ©egenftanb — ber 
®iamantring, ben er, ftatt be^ Verlorenen, an i^ren ©d^n)urftnger 
geftedEt — baneben ein SSIatt; i^re 3üge, laum leferlid^ ^in* 
getüorf en — bie Stinte in ber geber nod^ f eud^t. — ^wd 3ei(en ! 

„3d^ öerlaffe Sie, el^e id^ Sie e(enb mad^e. 2)enn id^ liebe 
Sie nid^t. 3d^ — id^ lann g^nen nid^t angel^ören! " 

„Sie ift tot! " fd^reit er auf unb ftürgt übertoältigt ju Soben. 
Slber nur einen einjigen entfe^Iid^en Stugenblidf. ^m näd^ften 
ift er lüieber §err feiner fe(bft, erlennt er mit bem Sid^tblidE'* 
ber Siebe unb ber SSerjtoeiflung bie iDirflid^e Sage unb Wa^ fte 
gebot, gn biefem 3Koment ber §ellfid^t'^ tourbe ber iDeid^s 
mutige " §oIIunber jum 3Kann. 

©ie lebt, fie ift entflogen unb nid^t allein entflogen. @r toei§. 



56 $ljo«pl)oni8 ^oUunbcr. 

er lennt ben SSerfül^rcr. Slber nocS) fann er i^n erreichen, bem 
^läuber feine Seute entreißen. 3l\ä)t rne^r, um fie ju befi^en, 
nur fie ju retten öor SIenb unb ©d^mad^. 2)ie legten SaJ^n« 
jüge^^ nad^ 5Rorb unb ©üb freuten fid^ in biefer ©tunbe* (Siner 
t)on ibnen ift ber, mit toeld^em fie fliel^en. ®r mu^ i^nen nad^. 
Sluf bem SBege über bie SSrüdEe läme er ^u fj)ät. ÜDer Äal^n 
mu§ il^n an ba§ anbere Ufer tragen, auf bem ber Sa^nl^of liegt* 

Kaum ben ©ebanlen auögebad^t, fte^t er am Ufer* 2)ie 
©onbel ift t>erfd^ft)unben. ©in ferner Slubexf d^Iag '* bringt an 
fein D^r ; ber 3Konb, l^inter einer 2BoIfe ^ert)ortretenb, beleud^tet 
jtoei jenfeit^ lanbenbe ©eftalten; baö leere ^a^rjeug treibt 
ftromab. Stuf bem SSal^n^of läuten bie ©ignale. 

Dl^ne SBal^I ftürjt ber Unglüdflid^e*' in ben glu|, um fd^tDim* 
menb bag anbere Ufer ^u erreid^en. ^n feften Äleibem ift e§ 
ein l^arter Äampf ; allein bie Seibenfd^aft ftäl^It jebe giber. ©r 
fe^t ben %\x^ an ba§ Sanb in bem Slugenblidf, aU ein fd^riller 
^Pfiff ben Slbgang beg legten Sh^^ t>erlünbet, 3:riefenb, 
leud^enb ftürmt er mit le^ter Äraft bie Stamme l^inan, erreid^it 
er ben ^erron.*** Sd^on ift ba^ ©ignal aud^ für ben entgegen« 
gefegten 3ug gegeben ; ^toei, brei SÖSagen l^at er in S^obeöfjjans 
nung " burd^fpä^t. Sine lange Steige ftel^t nod^ öor i^m, — 
ba iDieberum ber ^er5fj)rengenbe '^ $fiff. „§alt ! §alt !" fd^reit 
er mit ben ©eberben eineö Stafenben* 2)er unglüdflid^e Mann 
brid^t lebloö jufammen. 

3D?an trägt i^n in ben SBartefaal."'' SDer tool^Ibefannte 
S3ürger an feinem §od^jeitgabenb/* in feinem §od^jeit^Ileib/* 



?^o«p^oru« ©oUunbcr* 57 

toajfertriefcnb/^ im Scgriffe ju fliel^en, bon einer D^ntnad^t 
befallen — toer bermag bag Slätfel ju löfen, totnn ba^felbe 
nid^t ber SBa^ntDi^ift? @r toirb umgelleibet" borfid^tig auf 
einer Saläre in ba^ bräutlid^ gefd^müdEte ©ommerl^aug getragen. 
®in Sal^nbeamter/^ ber borau^eilt, bie junge ^au auf baS 
©d^redfni^ borjubereiten, bertounbert fid^, biefelbe nirgenb gu 
finben. 3)ie 2)ienerin ift in ber ÜRanfarbe eingefd^Iafen unb 
toei^ feine Slu^Iunft ju geben. Unterbeffen bringt man ben 
Äranlen unb legt i^n in baö J^od^geitlid^e 33ett. @r fd^Iägt bie 
2lugen auf, giebt aber fein 3^^^« i>^^ Sefinnung. S^ie ^rjte 
ber ©tabt fammeln fid^ gu 3lat unb §ilfe um ba§ Sager ; bie 
SetDol^ner beg ftäbtifd^en §aufe§ eilen l^erbei ; bie treue Suftine, 
gräulein i)on ©d^toeind^en blidEen ^änberingenb '* auf ba§ ©nt* 
fe^Iid^e, ol^ne e« beuten ju lönnen. ©o \päi fd^on ber Slbenb, 
t)erbreitet fid^ gleid; einem Sauffeuer öon §au« ju $)auS bie 
Äunbe : 5ßl^o§i)^oru§ §oIIunber ift laum eine ©tunbe nad^ feiner 
3::rauung irrfinnig geworben — feine grau berfd^tounben. 

5Kit bem grauenben 5Korgen bämmert aud^ ein ©d^immer ber 
SBa^rl^eit, xxm im Saufe beg S^ageg, für bie 9läd^ftfte^enben 
minbefteng beutlid^e (Seftalt angune^men. SJlel^r aU ©iner 
tritt am geftrigen ©J)ätnad^mittage §errn i)on ^o^entoart in 
bunfeln ßiöilKeibern auf ber ©trafee, ja felbft in ber Äird^e 
gefe^en l^aben. ©ogar am Sa^n^ofe fott bei einbred^enber 
?lad^t eine l^ol^e ®eftalt, bie ber feinigen gleid^en lonnte, mit 
einer tief öerf d^Ieierten 2)ame am Slrm bemerlt Sorben fein. Sie 
Slid^tung, toeld^e baö 5ßaar genommen, toar nid^t ju erlunben. 



58 ^^o«p]&oru« ^otlunbcr. 

Wxt ben ÜRtttaggjügen'" eilten %xä\xlm, Don ©d^toeind^en 
norbtoartg, ein g^reunb §offunberg gen ©üben ben glie^fttben 
nacS), Dl^ne 6})ur unb Äunbe bon il^nen lehrten fie jurüdE, fic6 
traurig eingeftel^enb : 2Sa§ \)ättt bie gelungene ©ntbedhing bem 
unglüdEIid^en greunbe genügt, ober toa^ feiner unglüdElid^eren 
grau? S" ^^^ ©tabt l^atte man feitbem erfal^ren, bafe bie 
Unterfud^ung gegen §erm i)on §o^entt)art niebergefd^Iagen, 
fein Stbfd^iebggefud^" genel^migt toorben, aud^ burd^ ben S^ob 
eineg SSertoanbten il^m ein befd^eibeneg 6rbe jugefaffen fei. 

?P^o§i)^orug §oIIunber lag iDäl^renb beffcn im SRafeftabium'* 
be§ gieberg, an ber äu^erften SRarle beS 2eben§. ffiod^enlang 
träumte er i)on Slut, fd^äumte i)on Slad^e, fd^rie n)ütenb nad^ 
bem Seben feinet Seleibigerg, bem 5Körber feinet ©lüdfö unb 
feiner ßl^re. 



21I§ aber ?ßl^o§j)^orug §oIIunber mit ausgetobtem •• S5Iut ftd^ 
öon biefer fd^n)eren 9Jieber(age erl^ob, ba loar er ein Slnberer 
ate in feinen glüdEIid^en ^ug^nbtagen ; hatvax er ber, ju toelc^em 
eine gütige JJatur i^n beftimmt, bie l^erbfte ©rfal^rung i^n ge^ 
jeitigt \)aiU ; ein 5Wann, ein 5Kenfd^ fo lauter unb feft, toie fie 
nur einzeln unb feiten unS begegnen ju unferem 2^rofte unb 
ju unferem §eiL ©o toie jene trefflid^e fjrau eS öorauSgefagt, 
l^atte ein reinigenbeS Sab bie finbifd^en färben Don einem eblen 
©ebilbe gefi)ält unb feine ©d^önl^eit offenbar gemad^t. 2)er S^äu* 
f er l^atte il^n getauft mit feiner ftärfften ®ffenj — bem ©d^merj. 



?J^o«^)^oru« ©oHunben 59 

aifö er an einem Karen Dftobertage gum erftenmale gebeußt 
unb bleid^ über bie 3:erraffe fd^ltd^, bie er fo i)ran0enb für bie 
©eliebte gefd^mücft l^atte, unb beren SRofen je^t berbuftet toaren, 
als atte l^olben Hoffnungen btefe§ ^ai}x^^, äße SittermS, bie 
^ebertout'* ber 3lacl^e nod^ einmal an feiner Erinnerung t)ors 
überjogen^ nod^ einmal bie §anb ftd^ Irami)f]^aft ballte, ba fagte 
er nad^ einem langen Slicf in bie ©onne, bie toie ein (Sotte^s 
äuge grofe unb milb auf il^n nieberf d^aute : 

„Slud^ ba§ 3lol^r beg ©d^toad^en trifft bann unb trann fein 
3ieL ©oll id^ il^n töten ? 5Wid^ bon i^m töten laffen, n)eil 
baS Seben leihen 3leij mel^r für mid^ l^at? ©o ober fo, fie 
nod^ elenber mad^en aU fte öietteid^t fd^on ift, ober unfehlbar*" 
toerben toirb. 9leinl 2)ie rettenbe 2^^at lam ^u fj)ät; bie 
räd^enbe ift nid^t mein 2:eil; benn id^ l^abe fte geliebt, unb 
toax eg i^re ©d^ulb, ba§ fie mid^ nid^t lieben fonnte ? " 

2ln bem nämlid^en 2^age reid^te er bie ©d^eibung§f(age'® ein, 
toeld^e fein SBeib bon nid^t einer ©tunbe bered^tigte, baS eine« 
ainberen ju Serben. 

®S giebt eine ©efä^rtin, treuer afö bag (iJIüdf, l^ilfreid^er aU 
bie Siebe felbft, ba§ ift bie SRü^e. Unfer g^reunb, ber bisher 
mit bem Seben gef fielt l^atte iüie ein Äinb, nun fud^te er fie, bie 
fid^ affejeit gern finben läfet, unb fie mad^te il^n jum 5Kann. 
®r berliefe auf ^a^xt unfere ©tabt, nid^t h)ie frü^er^in, um 
5ft)ifd^en 9latur unb l^alb berftanbenen Äunftgenüffen uml^er ju 
fd^n>ärmen, nein, um ju lernen, ©r arbeitete in ben Sabora« 
torien betoäl^rter 5Dleifter, anfdnglid^ bieHeid^t nur, um fid^ ju 



60 ^löoep^oru« ©oUunbcr* 

betäuben, aUgemad^ tnbeg angejogen unb gebannt burd^ ben 
5Wagnet, ber in jegfid^er ^orfd^ung rul^t. ©d^eibenb unb ber? 
binbenb (prüfte er Sefannte§ unb getDannUnbefannteg;" l^eim* 
gefe^rt, bewertete er i)rafttfc^ tra^ er tJ^eoretifd^ erworben. Er 
legte bie erften d^emifd^en gabrifen in unferer (Segenb an, be* 
förberte beren SBol^Iftanb unb feinen eigenen. 2)ie ©ntbedfung 
unb inbuftrieffe Slu^beutung unferer ßol^Ienlager ift toefentlid^ 
fein 9Berf. 

^^o§j)]^oru§ §oIIunber tourbe nid^t toteber SSortänjer ber ©e= 
fettfc^aft, fang in Äongerten leine SiebeSUeber ntel^r, bi(ettierte 
nid^t ntel^r in ipelbenrotten mit überflüfftgen ©ebärben bor 
einem läd^elnben ^ublifum ; er mad^te leine SJerfe mel^r mit 
allbefannten Steimen unb fi)rad^ im litterarifd^en aSerein, ben 
er begrünbet, nid^t me^r Stufgelefeneö, bag er nur l^alb ber^ 
ftanb, fonbern toenn er fprad^, toar eg Srfannte« über (Segen« 
ftänbe feineg gad^g. ^rCtzm er bag 9lottt)enbige fid^ t)orfe^te, 
fiel t{;m ba§ 3lü^Iid^e ju unb bag (Bd)'6m entging i^m feiten. 
Übert^auJJt aber f}3rad^ er nur nod^ toenig. Slud^ in ber feurigen 
Äugel fd^toeigt, fo fagt man, ber einftmafe berebfamfte 9Kunb. 
Slber bie Stngelegen^eit beg ,,föniglid^en Saueö," Humanität 
unb d^riftlid^e Sruberjjflid^t,''' bie ^at $^o§j)^oru§ §oIIunber auf 
ba§ panier feineö Sebeng gefd^rieben, belennt fie öffentlid^ unb 
übt fie ol^ne ®rmüben. 

Äurj t)or feiner Serl^eiratung l^atten feine HRitbürger i^n jum 
Stabtrat^^ ertDäl^It. ^e^t übemal^m er freiwillig ba§ 2)ecemat'^ 
ber 3lrmenangelegenl^eiten" unb toibmete fid^ bemfelben mit 



?]^o8p]^oru« ^ollunbcr. 61 

einer 2lu§bauer, toeld^e eine völlig neue Drbnung in biefe 
fd^toierigfte aller lommunalen Stufgaben Brad^te unb unfere 
©inrid^tungen ium SRufter toerben lie^ für bie gefamte ?ßrobinj. 
5pi^o§i)^orug §offunber jeigte, toag in einem mittleren ©emein« 
toefen ein einziger tool^Igeftnnter unb tool^lgeftettter Sürger 
ju leiften t)ermag ; toie er ben ©d^Ienbrian berfd^eud^en^ an« 
regenb auf bie Saftigen toirfen, burd^ fein Seifpiet einen Söetts 
eifer** jum Sefferen entjünben unb fxäf mit allen ©tänben 
berbinben lann, um baS, toa« nottl^ut, anjubal^nen unb burd^s 
jufül^ren. 

„SBir fteuem ber SSerarmung unb il^ren entfUtlid^enben ^oU 
gen nid^t el^er, ate bi« eg ben moralifd^ unb materiell aSer« 
mögenben ©etoiffenöfad^e toirb, bie moralifd^ unb materiell 
llnbermögenben** in il^ren eigenften ^flid^tenlrei«/^ gleid^fam 
in il^re ^amilienforge auf junel^men. kümmerte nur ei n 3Renfd^ 
fid^ emftlid^ unb treu um ein paar frembe SJlenfd^en, ja nur um 
einen einzigen, ein §au§ um ein anbereg, afö gel^öre e^ ju i^m^ 
fte toürben fld^ nid^t überbürbet fül^len ; ber SRot unb SSertoal^r« 
lofung aber toürbe tDeit grünblid^er abgel^olfen toerben, al^ 
burd^ bie SRe^rjal^l Äraft jerf^jlittember SSereine, benen ber 
S3lidE in baö ©injelleben," ba§ 3Serl^ältnig öon ^erfon ju ^tx^ 
fon entgel^t." 

9lad^ biefem ©runbfa^ toirlte unfer greunb. Qx berteilte 
ben 5Kangel unter bie ^ülle unb fein 3:eil toar ber reid^lid^fte. 
S)ie Siebe, bie ®ine nid^t beglüdEen, (Sine nid^t ertoibem 
fonnte, fie ift lum ©egen getoorben für einen toeiten Ärei«, 



62 ?l^o«!p]^oru« ©oUintbcr. 

3^t §ebel in einem guten SKenfd^enl^ergen toar ba§ Seib. 
SBürbe bie ^reube ©Ieid;e§ geförbett, ba§ ßrbamten gejeüigt 
l^aben, auf hjeld^em im Slingen ber ©jtftenj ber Sieg beg 
SKenfd^Iic^en, bie S3Iüte be§ g^riftentumg beruht? „Um bie 
greube am SeBen nid^t erftcrben ju lajfen, muffen toir mit 
unferen Srübem unb für unfere Srüber leiben lernen," fo fagt 
nid^t, aber benit ?pi^o§J)l^oru§ ^offunber. 

©r ift je^t geeiert aU g^orfd^er, angefel^en afe Jjraltifd^er 
©efd^äft§mann, afö greunb unb SBol^It^äter geliebt. 6r ift 
ber iDürbige Vertreter unf erer ©tabt in ber erften gefe^gebenben 
SBerfammlung be§ ©taateg ; fein 3lam^ gel^ört gu ben gefd^ä^« 
teften über jene (Srenjen l^inau§. 3)ie fleine 2lbeföj)artifel" bor 
bemfelben h>irb i^m nid^t entgelten, infofem il^n ianad) gelüftet; 
einfttpeilen trägt er einen langen 2^itel unb öerfd^iebentlid^e 
Drbenggeid^en."' ©ein SBo^Iftanb toermel^rt ftd^ i)on ^af)X ju 
gal^r. S)ie jungen gräuleing unb i^re 3Rütter blidEen einlabenb 
auf ben jungen 3Rann, ber eine ©attin berlor, bebor er fie be^ 
feffen l^atte, 

3n biefem einzigen 5PunIte jebod^ fd^eint bem liebreid^en** 
§oIIunber ba^ §erj ju t?erfagen. ®r fd^a^t bie §äuglid^en, 
bie Sefd^eibenen, aud^ bie ©ebilbeten unb fogar bie im äff« 
gemeinen n)eniger beliebten, bie man d^araftert)off ober beben« 
tenb nennt. © d^ ö n aber ift il^m nur eine Sinjige erfd^ienen 
unb er l^at fie niemals bergeffen. 

SRiemafö jebod^ unb gegen niemanb ^at er i^ren 9iamen 
toieber genannt; e§ wärt benn ettoa gegen g^räufein öon 



$^o«^)5oru« ^oHunbcr. 63 

©d^toetnd^en, mit toeld^er er in frcunbfd^aftfid^er aSerbinbung 
gebltcben tft, unb tüetd^e fett fetner ipetmfe^r fogar ba§ obere 
©todtoerl be§ §aufe^ gum §ottuttberbaunt betoo^ttt. 5Dte alte 
2)ame gtebt feine ©}3rad^s unb 3Jlufifftunben ntel^r; il^re tlm= 
ftanbe muffen ftd^ erl^eblid^ gebeffert ^aben ; infolge eineg SSer- 
mäd^tniffe^, tote §err §oIIunber ^u öerftel^en giebt. SKan jer= 
brad^ ftd^ umfonft lange 3eit ben ^opf, t)on toem unb iDol^er, unb 
munlelte bann mand^erlei, toa^ inbe§ toeber §errn §oIIunber, 
nod^ aud^ ber alten 2)ame gur Unehre*' gereid^te. Slud^ jebe 
3lnf})ielung auf i^re 5Rid^te beanttoortet fie nur mit einem 
©eufjer unb ©d^ütteln beS ergrauten iQau})te§, trennfd^on man 
lt)ei|, ba^ jte in Srieftoed^fel ^ mit i^r ftelj^* ^^^ f^Ö^^ (^dh^^ 
fenbungen an fte abgelten läfet. (Sott fei 2)anl, ba^ fie je^t 
baju .im Staube ift. 

ÜCenn bag ©d^idffal ber fd^önen grau l^at auf bie 2)auer il^rer 
§eimat nid^t Verborgen bleiben lönnen. ®ie l^at i^re fd^toere 
Srrung fd^toer gebüßt; ben 5KangeI an 5!Kut big ju jener 
©tunbe, bie au^ ber ©d^toad^^eit eine ©ünbe toerben lä^t. 
Äaum bafe ber el^elid^e ©egen jum jtoeitenmale über jte ges 
fj)rod^en, finb einem romantifd^en 2:raume an einem 2tl}3enfee/* 
ftnb bem Slaufd^e erfter Seibenfd^aft 5tämj)f e gefolgt, in toeld^en 
gtoar nid^t bie Siebe, aber ber ^rieben beg ^er^en^ erlag. (Sie 
Itjar nid^t bie Siatur, beren Energie ben unfteten** ©inn eine§ 
Slffur unter Jjeinboffen SSerbältniffen gebänbigt l^ätte. Dl^ne 
Seruf, o^ne bie getoo^nten ©tanbe^genoffen, fein fteine« ®rbe 
balb genug erfd^öjjft, toie l^ätte ber big bal^in rüdffid^tglog in bag 



64 ^io«i|j]^oru« ©oltuttbcr. 

SeBcn ©türmenbe lernen fotten, an ber ©eite eine« einfad^ jart* 
lid^en SBetbe« fid^ Wu^Iid^ ju befd^ränlen, gu ertoerBen, im 
engften Äreife l^eimifd^ gu toerben ? 9lici^t nur bie ©d^toäd^e, 
aud^ bie ©d^am meierte gegen UngeBül^r" ben SBiberftanb ber 
g^rau. ©ie fül^Ite fid^ eine Saft rt>erben unb burfte nid^t Hagen. 
©ie erntete, Wa^ fie gefäet. 

§ierl^in unb bort(;in fd^toetfenb, SSieleg ergreifenb, SRid^t« 
feftl^altenb, bon unrubiger" Sangetoeile gefoltert, \)on (Släus 
bigern gebrängt, l^aben abenteuember ©inn, 9lot unb folbatifd^e 
Steigung il^n enblid^ in überfeeifd^e Ärieg^bienfte getrieben, in 
toeld^en fein 9Jame bi« l^eute berfd^oHen ift. 

©eine ©attin folgte x\)m nid^t. @in fied^er Äöri)er, ein jarteS 
Sinb, gebrod^eneö SSertrauen, (Zä)am unb ®ram l^ielten fie gu^ 
rüd. Stber ber etoig ge^eimnifebolle 3wg be« §ergen« begleitete 
ben ©d^ulbigen mit unfäglid^er *' ©e^nfud^t unb mit unfäglid^em 
SBe^. 

Äraft unb ©d^önl^eit toelften rafd^ ; burd^ mül^felige §anbs 
arbeit il;r unb i^reö Äinbeö Seben friftenb, rang fie mit l^arten 
©ntbelj^^ungen, big ber Umfd[;(ag " in fjräulein öon ©d^toeins 
ä)^n^ 35erl^ältniffen aud^ ibr jugute !am." ©n brieflid^er SSer^ 
lel^r bahnte fid^ an ^tüifd^en ber Sleuigen unb ber 3Sergebenben ; 
eine l^ilfreid^e §anb iDarb geboten unb burfte nid^t gurüd^gelüiefen 
Serben. 

3Kel^r aU ein ^al^rje^nt toar vergangen, aU mitten in ber 
3la4;t ber ©elj^^ime ^ommerjienrat •* ^ollunber mit feiner alten 
greunbin eine SReife nad^ ben ^Ipm antrat, ©ie ful^ren o^ne 



$^o«p^oru« ^oHunber. 65 

Unterbrcd^ung 2:ag unb 3lai)t ; fd^tDcigcnb fafeen fte etnanbet 
gegenüber. ®ie 2)ame troinete Don 3^it 8« 3^^^ ^^^^ %f}xanm ; 
t^r Segletter blicfte in tiefem ®mfte öor fid^ nieber. 3Im gleiten 
5Raci^mittag erreid^ten fie il^r $kl. S)ie 5Dame lie^ fid^ unöer* 
toeilt nad^ einem länblid^en ^aufe fül^ren, ba§ einfam am ©ee 
gelegen toar. 9?ad^ einer langen, langen ©tunbe folgte il^r ber 
^reunb. 

Slfö er bte fd^male Strei>J)e ju bem ®ieBeIftübd&en" in bie 
§öl^e ftieg, bebten feine Äniee* ®ine %^x ftanb geöffnet, um 
über ben l^öljernen ©ötter bie ®tral^(en ber untergel^enben 
©onne in bag 3iwiwi^^ bringen ju lajfen. 2luf ber ©d^toelle 
toar er toie gebannt, ©iefeö bleid^e, öon §arm unb 9Jot er* 
fc^öi)fte SBeib, bag tobegmatt"' ba^ ^anpt an bie Sruft ber 
mütterlid^en greunbin lehnte, bag toar fein SBeib, öor ©Ott 
unb SlWenfd^en il^m ju eigen gegeben ; bieg fd^öne ßinb, blau= 
äugig unb braunlodfig toie bie, an beren Äniee e^ fid^ fd^miegt, 
eö ift i^r Äinb, aber nid^t bag feine. — 5ßl^o§})^oru§ ^oU 
lunber gebenft ber S^xi, ba er bie 5Kutter gefannt l^at nid^t 
größer aU je^t i^re S^od^ter unb fd^on bamalS l^at er fie geliebt 
unb ftd^ erforen. 

S)a« 2luge ber Äranlen begegnet bem feinen ; er rafft fid^ ju« 
fammen/* tritt il^r rul^ig unb l^erjlid^ entgegen. Äein Slidf 
geigt einen SBortourf ; leine 2Kiene feinen Jammer. Slfö aber 
ie|t bie unglüdflid^e*" grau ftd^ erl^ebt, il^m entgegentoanit/' ju 
feinen %ü^m niebergleitet" unb lautfd^Iud^jenb "' feine Äniee 
umflammert," ba l^ält er fid^ nid^t länger, unter l(^ei^en 2:](|ränen 



66 ?^o«p^oru« ©ollunbcr* 

giel^t er fie Dom ©oben in bic ^öl^e, brücft fie an feine 33ruft 
unb ^ält jte lange umfd^Iunöen/* 

aBod^en l^inburd^ fa^ er nun ate treuefter §üter an il^rem 
©terBebette." ©elbft ol^ne'^offnung fud^te er 9Kut unb Sebeng* 
Hoffnung" in i^r aufjutoedfen, er rief bie funbigften Srjte ju 
il^rer §ilfe l^erbei, fjjrad^ il^r öon bem l^eilfamen Älima be« 
©üben«, bon il^rer 2:od^ter Srjiel^unö unb S^^^f*- 2)i^ 
©timme ber Äranlen rt>ar gelähmt, aber i^re Slugen ruhten faft 
unt)ertt)anbt*' auf bem gütigen SKanne, mit einem Slu^brudf, 
ber $]^oi)l^oru§ §ottunber nod^ in feiner ©terbeftunbe ^ beglüdfen 
toirb. 5Ke]^r als einmal führte fie feine in ber il^ren rul^enbe 
§anb an il^re Sippen unb legte fte bann toie jum ©egen auf 
il^reS Äinbeg ^anpt ^l^oSp^oruS ipoHunber aber jog baS liebe, 
fd^miegfame SKäbd^en auf feine Äniee, in feine Slrme unb fein 
ftummer ^änbebrudf'^ fagte ber 3Rutter, ba^ il^re SBaife beä 
SSaterg nid^t entbehren toerbe. 

Slfö tüieber ber 5Korgen grauete, tourbe bie ftiffe Äranle un* 
rul^ig,** il^r 2ltem f d^toer ; bie Spante f d^Iief in ber 3lebenlammer ; '' 
^ottunber allein fa^ rt>ad^enb neben ber ©terbenben. ®aS Äinb, 
eingefd^Iummert an il^rer ©eite, ful^r ängftlid^ in bie §öl^e unb 
barg ben Äopf an ber 5Kutter Sruft. 33Ian!aS 3lugen fd^toeiften 
unftät l^in unb iDieber, bie §änbe tafteten balb nad^ biefem, balb 
nad^ jenem (Segenftanb. 2)ie erften ©onnenftral^Ien faßen auf 
bie SBanb il^r gegenüber ; i^r Slidf l^aftet ftarr an bem Silbe, 
baS an berfelben l^ängt, bie 2lrme greifen tüie gum Umfangen" 
banad^ au«. 3)er greunb öerftel^t biefen SBIidf. ©r jiel^t ben 



$^o«^^oru« ©oUunber. 67 

35or]^an0 jurüi, ber baö Silb feit feiner 2lnlunft t)erfci^Ieiert \)at 
unb Slffur i)on ^oJ^entoartö 3^9^ *^^*^^ J^m le^tenmale bor ba« 
bred^enbe Sluge feiner ^rau, jaubern ben legten Stofenfd^immer" 
ouf il^re fal^Ien SBangen. ©inn unb Äraft ftnb i^r gurü(f= 
gefeiert ; fie rid^tet fid^ jad^ in bie ^öl^e, fd^Ungt mit Seibenfd^aft 
bie 2lrme um i^reö Äinbe« ^CLvDpi, })refet"eg an fid^ unb legt eg 
bann an ba§ §erj be^ treueften ^Ranm^. 

„^dn, 3)ein I " ruft fte mit lauter Stimme ; i^r Äoi)f fmft 
jurücf, fte ift tot. 

5ß^oe})l^orug allein ftanb an bem ©rabe, in toeld^eö man 
931anla bon §ol^enft)art berfenfte. ®ine Stunbe f})äter toar er 
mit il^rer S^od^ter unb ber alten ^eunbin auf bem SBege jur 
§eimat. S)ie Heine Slanfa toirb unter feinem SSaterfd^u^" 
erjogen. 5pl^o§^)l^orug §ottunber ift glüdEIid^ ; er l^at ein SBefen, 
für ba§ er lebt unb ba^ an il^m l^ängt mit ber S^rtlic^Ieit eine§ 
eignen Äinbe« unb mit ber fd^toärmerifd^en 2)antbarfeit einer 
SEBaife. 



NOTES. 



(1.) eetaed mit ftomfort nnti Sifrlt^feit audgeffatteteit Mvl- 
fcmnd/' *of hls museum fltted out with comfort and neatness.* 
SJiit . . . ausgcflottetcn Is an attributive phrase. We often find In 
German, phrases, mostly introduced by a preposltlon, taking 
the Position of attributive adjectives, between the arislcle, or, as 
here, the possessive pronouu and its noun. 

(2.) in liet «jiotjefe sum ^oOitidierliattm, 'in the pharmacy 
•«Elderiree," or, in the *'Elderi;ree" pharmacy.* In Germany 
most pharmacies have a dedicatory name. Note the preposition 
3tt to designate the relation. 

(3.) @)|Iliefleralientl, 'the eve of Saint Sylvester,' or the 31st of 
December. 

(4*) @4lB((ltrIoge, 'sister-lodge;' denotes in this case a lodge 
where ladies are admitted. 

(5.) erbattett^ *constnict, build;' here, however, figuratively, 
*to edify, enteriain.' 

(6.) WiVinxtX, 'or Srclmourcr, as in English, mason tor freemason, 

(7.) Soge jur feurigen ftugel, aofjording to usage in Freemasonry 
the lodges have names by which they are known as constituents 
of masonic organizations. Comp. (2) above, and notice again 
the prep. ju. 

69 



70 ^^oep^orud ^oHunber. 

(8.) trotfeit gelaffeit (aüeit foH, 'is sald to have left dry.' In 
German, f oOflt is often used 1q this manner, to exprees an indirect 
Statement; f. i. üt foO hran! feitt^ ' he Is eaid to be ill.' 

(9.) @emnt *feeling or dlsposition/ 'heaii:,* *mind.' 3tl feinem 
®emttte entjüttbet, *he had wrought himself into a fiery enthu- 
siasm.' 

(10.) QtXithmmttUiu, dlm. for ipcrgfammcr, «heart,* *soul.* 

(11.) Sninue, old Gennan, and poetle expression for 'love'or 

* wooing.' 

(12.) leibeitb Uldl leBenll, 'as in reallty.' 

(13.) Urania nnb tiie Beianüerte ftofe, mediaBval poems. 

(14.) ^ad^et) gelDt liem ftebner nüer, 'the speaker's heart is 
füll to overflowing ' (through emotion) ; Metaplior. 

(15.) Sritmean, from the French, 'a large mirror, covering a 
part of the wall between two adjacent Windows of a room,' a 
'pier glass.' 

(16.) ftaftan^ *caftan,' aTurkish orPersian robe or vestment. 

(17.) gfej^ a red cap wom by Turks, * a fez.' 

(18.) @ein 9la{enBein \6fin% an^ nii^t entfernt einen ottentalifAen 
fCtilerlDafen . . . ; einen 9ü»leri|a!en fi^Iagen, *to take or to have the 
shape of an eagle's beak ; * f ci^ I a g e n is here employed in the sense 
of form (geometrically), f. i. einen Stvti^hoQtn fci^Iagcn = *to draw 
a circle.* 

(19.) Saüot^ French, * a rüffle on a shirt-front.' 

(20.) üürgerlil^^ 'civic,* «civil/ in contradistinction to abelig, 

* noble.' 

(21.) mit ÖBergel^enben ttngen, *with tears starting into his 
eyes.' 

(22.) iHall fielien, ' half past six.' 

(23.) XoUt, *a curl or tuft of hair over the forehead;* *toupet.' 



NOTES. 71 

(24.) ^tn ftarüonari itbergettotfett^ nheCarbonaii coat thrown 
over his Shoulders.' ^arbonari, an Italian secret society of 
political tendencies, taking the ritual from the carbonari (Engl. 
Colliers), 

(25.) ihranterHotieit, 'garret where herbs are stored.^ 

(26.) ^ttenna^ Spanish; written dueÄa (pronounee doo-enn^-ya), 
*lady,' *chaperon.* 

(27.) tnentt .... belattf^ett fottten. Imaginary supposition, 
referring to the future. Notice the use of fottten in this con- 
struction. 

(28.) ^tottett, a kind of cake or biscult, oblong In form. 

(29.) @i^Iafe .... Untin, imperative of ^tneiitfAIafeit ; cf. tm 
fd)lofcn ; l^tnettt alwa3's signifies entrance into the object. 

(30.) inenit, here not conditional, but concessive, 'though.' 
Original ly inantt and inentt were not distinguished ; at present 
mann is used only in reiations of time, and toenn mostly to intro- 
duce a condition, rarely, as here, concesslvely. 

(31.) ^t9 fontglil^en Satted, emblematic language of free- 
masonry. The masons are building a Spiritual temple of Solomon. 
Therefore *royal construction.* 

(32.) ^l^renemlatlttttg, 'honorary or special invitation.' — 
Sifl^nai^liarfl^aft, * table vicinity' or 'partners at dinner.* — 
These and similarly constructed words cannot be found in 
dictlonaries. Such Compounds abound in the German lan- 
guage. 

(33.) bte SRaiorin, fem. of ttx WlaloXf 'the major.' Germans 
give ladies the title of their husbands. People of education, 
however, say Hie ^ratt üßaior, Hie gtott @etteraU To give a title 
the feminine termination is faulty. 

(34.) mix ffl el nif^t tote ftnfien gtt fBÜUtt. Idiomatic expression. 



72 ?5F)o«^^oru« ^oHunbcr. 

. *I do not desire to reet/ or *I do not feel like taking a rest.* 
»le tfl es 3|tten an fBlutt? * How do you feel? ' 

(35.) @4mei4el(a$e, 'petcat/ 

(36.) mnt ^ntf^eiHttng, Hie fti^ faurn Hersooem laffen 

mir]), 'a decision that can hardly be put ofF.* 

(37.) @4iir{aUflunit, • blow of fate.' 

(38.) 3{t ed mir Ho^ niemals in ^tn ®intt gefommeit, )iaf tiu ein 
Herartiged Sod für mii^ im (Stime (aüeit föitntefl. Inversion of the 
principal sentence, instead of : & tfl mir . . . etc. ... for the 
purpose of rendering the predicate emphatlc, generally nsed in 
excited language. 

(39.) 2roii«»iirotioii«mittel (vide 32). 

(40.) Umtaitfett, 'to change one*s name/ 

(41.) ^ptMaiionmtat (vide 32). 

(42.) tmdgeliilliet, 'sedate.' 

(43.) Ultlienniar. Notice the negative force of the prefix mu 

(44.) liad groSe ÜOS, 'the first prize of a lottery.' 

(45.) )tt ®ttte IDaltett. Oermanism. ^ematttiem jtt ®nU ^alttn 

= 'to excuse somebody's doings; palliate.' 34 l^^fl lliefett 
Harfen ^litdbnuf deiner ÜBerrafi^ttttg jn gnte Ifialtett, 'I 

will ascribe this severe expression to your surprise.' 
(46.) SteffonrceitÜlltt. Frenchre8source(pronouncere-««oor-8«'). 

Name used for " clubs." — 9icffourccnball, as we say club-ball, or 

Odd-Fellows ball, etc., etc. 
(47.) ^0nbm9, French, ' sweet-meats, candy.' 9lippt9, * Uttle 

Ornaments,' 'bric-a-brac' 
(48.) @:ot(0Ott, French, a dance like our ' German/ 
(49.) haut pas, French, * platform.* 
(50.) a priori) Lat. *to start with,* ' to begin with.* 
(51.) tttttcr Hern ißantoffel. The allogorical sense is here added 



KOTBS. 73 

to the real senso. tlÄtet tiem |>ittttoffeI fle|ett = *to be hen- 
pecked.' ^imto'ffel = Slipper. 

(52.) ^tiam, Turkish, • a greeting of flowers, a love-bouquet.' 

(53.) 9rattenf4one, vide (32). tiie Simone, instead of tiie @i^öm 
|ett used only in oratorical or pathetic style. 

(54.) ^olonaiff/ Frencb, <a dance with whioh balls are 
geiierally opened in Germany.' 

(55.) Ztmpli, Italian, *time,' * measure (of music).' 

(56.) ttberfeliger, Compound of über and fcUg, = *too happy,* 
*over bappy,* *mo8t happy.' 

(57.) |>i0etttirefiett, 'to roll,' i.e. ' to make pills.* Infinitive as 
noun and subject. 

(58.) ^H^nntxbatt^tt^tn, 'totwistthemoustache.' 

(59.) ^rtt(^te|em}Jlar^ 'afinespecimen.* 

(60.) Hortanjeit, 'to lead a dance.' 

(61.) ftorüf 'basket/ is in Germany the emblem of refusal. 
dintn ftorb geliett = 'to refuse,' or, in America, 'to give the 
mitten ; ' einen ftorü Üelommcn = ' to meet with a refusal,* * to be 
foiled.' 

(62.) ^tf^tüUi, a synonym for the last dance of a ball, lit. 
* Clearing out.' 

(63.) geifterbleil^ (vide 32), • pale as a ghost.' 

(64.) iQttilie ein üMel iprognoflilon geflcttt, = ' an evil end was 
foretold,' or 'predicted.* 

(65.) grünumranft, 'enshrouded in green tendrils ortwigs.' — 
gtün = green; ftaitfe = tendril, twig, shoot; from which the 
verb ranfen, to climb, to shoot tendrils, to run, and from which 
again itm^ranlen, to climb around, is compounded; and further 
still, gritnmm^ranfcii. 

(66.) 9lertieit{l4lag (vide 32), * nervous paralysis.' 



74 $^od))^oru9 ^oHunber. 

(67.) fttmm unll flttm|lf flotrte fle, *duU and dumb she stared 
for weeks into the empty future.' 

(68.) ^nätt ... ein mal|nen)ied Selsttfttiierliett ilDrer ^age . . • 
bttt^ i^t ©emüt, f . . . So . . • Introduces the principal sen- 
tence; ^ndtt . .. ®tmni is the protasis of a general condition, 
the conditional particle having been suppressed, an Inversion 
taking its place; it is equal to, fo oft or toenn or faHö, or iQOient 
or toaittt eilt mal^neiitied S^eton^tfein il^rer Sage tiurft ilDt @tmui 
iVLÜit f • . . The inversion has the form of a direct question ; 
it occurs especially where the logical correlation of cause and 
effect between protasis and apodosis is to be rendered pro- 
minent. Compare note 30. In the inverted sentences, as 
here, without toettltr the clear and distinct relaüon often dis- 
appears, and the dependent sentence is really temporal-causal- 
conditional (i. e. not purely and simply conditional). The 
whole seirteneft may be rendered in English as foUows: 'But 
whenever a waming and growing consciousness of her Posi- 
tion and the duties thereof, present and future, fiashed 
through her mind like a sudden spark, the oppressive sense 
of her helplessness would quickly disperse all hope of prompt 
relief.' 

(69.) feien. Denominative verb of the almost obsolete noun 
^tif more commonly gec, *fairy.* Meaning, 'to endow with 
magic powers, or to bewitch;' and, in a wider sense, *to 
render invulnerable.' 

(70.) ouf . . . aUerPl^fle Segnabigttng, *upon a pardon from 
the king (or other sovereign).' aOerftÖl^fl^ adj. and adv. is used 
in connection with monarehs or with the Privileges of monarchs; 
asin 9C0erlDÖd)|l berfelie UfitW . . . = *bis majesty desires, 
Orders,' etc. 



NOTES. 75 

(71.) le cheraller sans penr et sans reprodie» French, *the 
knight without fear and without reproach.' 

(72.) föanlen uttll ^l^toaitfett, both words mean the same thlng. 
As used in this phrase, the changing, uncertain and doubting 
State of the heroine's mind are likened to the rolling and pitching 
of a ship in distress. 

(73.) oftmals flieg inolil bie 9CIDnttti9 in tl^m auf = bie ^^nung 
flieg ttJO^l oftttial« in l^m ouf, etc., etc., 'the idea frequently 
may have come to him.* 

(74.) JBctmoiflftt|Ien (vide 32), tierlnaifl, part. of nertoaifen, to be- 
come or to be an orphan ; (obsol.) to be orphaned. — 3n liem 8on* 
gen tt9 ^ertnaiftfül^kltd, 'feeling of sadness common to orphans.' 

(75.) eigtnfleit, absolute Superlative, to designate a high degree 
(as in Latin), * his very own,' * in his innermost heart.* 

(76.) UmMIllUttg (compare note 40), «transfoimation,* *meta- 
morphosis,* 'changing of thought or character.* — utttl fle fllft 
felbfl 3tt einem ^potn tier ttmUilUnng il^ren l^eigungen gemaS 
inerlien jn laffen^ ' and to let her spur him on to a transformation 
of his own seif in harmony with her very inclinations.' 

(77.) Setientnngen^here 'omens.* 

(78.) einreiben (ein belongs to retien)^ *to taik to one*s seif,* 'to 
imagine,' here best rendered by *to try to convince one*sself 
and others.' 

(79.) UmgeÜnng^ 'surroundings.' 

(80.) mt inie Hiel SRÜfie nntl 9l0t laBe il^ . . . Inversion in 
form of a direct question (vide 68). Used in vivid language, and 
for emphasizing cause and effect. Beg. ^i^ l^aüe t9 mit fo Hiel 
SRüle unH ^üt... 

(81.) nmUrangen (vide 65 and 79). 

(82.) (erab belongs to ftttt! : IJcrabfinfen. 



NOTES. 



(10 9tint9 mit ftomfort ttitti Sierli^feit audgeffatteteit „WU* 
feitmd/' *of his museum fltted out with comfort and neatness.* 
9ßit ♦ . . auSgcflottetcn is an attributive phrase. We often find in 
Oerman, phrases, mostly introduced by a preposition, taking 
the Position of attributive adjectives, between the arisiole, or, as 
here, the possessive pronouu and its noun. 

(2.) in ^n ^püi^tU jum ^oHuntierliattm, *in the pharmacy 
"Eldertree," or, in the **Eldertree" pharmacy.* In Grermany 
most pharmacies have a dedicatory name. Note the preposition 
3tt to designate the relation. 

(3.) @)|IliefletaBenb^ 'the eve of Saint Sylvester/ or the 3l8t of 
December. 

(4.) @4lBe(lerl09e^ *sister-lodge;' denotes in this case a lodge 
where ladies are admitted. 

(5.) erbattett, *construct, build;* here, however, figuratively, 
•to edify, entertain.' 

(6.) ^mttt^ for Freimaurer, as in English, maaon iov freemasoa. 

(7.) Soge jur feurigen ftugel, aofjording to usage in Freemasonry 
the lodges have names by which they are known as constituents 
of masonic organizations. Comp. (2) above, and notice again 
the prep. ju. 

69 



70 ^^o«p^oru« ^oHunber. 

(8.) troffeit gflaffeit (aüeit foH, 'is sald to have left dry.' In 
Oerman, fotteil is often used ia this manner, to expreesan indirect 
Statement; f. i. dt foH fratl! fein, ' he is said to be 111/ 

(9.) ®eitlttt, *feellng or dlspositlon,' 'heaii:/ *mlnd.' 3« fetttem 
@etiittte etttjtttüiet 'he had wrought hlmself into a fiery enthu- 
siasm.' 

(10.) ^erjfammtrleitt, dlm. for ipcrgfammcr, *heart,' 'soul/ 

(11.) fBtimt, old German, and poetle expiession for *love*or 
*woolng.' 

(12.) leibettH tlldl leBetttl, 'as in reallty.* 

(13.) Urania uttti tiie üejaulierte ftofe, medlaBval poems. 

(14.) ^ad^et) geint )iem ftctiner ttüer, 'the speaker's heart is 
füll to overflowing ' (through emotion) ; Metaphor. 

(15.) Sritllteait/ from the French, 'a large mirror, covering a 
part of the wall between two adjacent Windows of a room,' a 
*pier glass.' 

(16.) ftaftatt, *caftan,' aTurkish orPersian robe or vestment. 

(17.) gfej, a red cap wom by Turks, ' a fez.' 

(18.) @ein 9la{enbeitt {i^Iug ati^ t^iä^i entfernt einen ortentaltf^en 
fCtilerlDafen . . . ; einen 9ü»ltri|a!ett fi^Iagen, ' to take or to have the 
shape of an eagle's beak ; ' f d) I a g e n is here employed in the sense 
of form (geometrically), f. i. einen ÄrciSbogcn fci^Iagcn = * to draw 
a circle.' 

(19-) 3aliot, French, <a rüffle on a shirt-front.' 

(20.) üürgerlil^^ *civic,' «civil,' in contradistinction to aUli%, 
'noble.* 

(21.) mit ÖBergelettlien fCngen, *with tears startlng into his 
eyes.' 

(22.) jUalB fielen, *half past six.' 

(23.) %oUt, *a curl or tuft of hair over the forehead;' 'toupet.' 



NOTES. 71 

(24.) )|en llarHonart übergemotfett, UheCarbonail coat thrown 
over his Shoulders.* Äarbonarl, an Italian secret society of 
political tendencies, taking the ritual from the carbonari (Engl. 
Colliers). 

(25.) IhränterBotien, ^garret where herbs are stored.' 

(26.) ^uetina, Spanish; written dweÄa (pronounee doo-enn^-ya), 
*lady,' *chaperon.* 

(27.) metitt .... Üelattf^en foHted. Imaginary supposition, 
referring to the future. Notice the use of fotttftt in this con- 
struetion. 

(28.) Gtottett/ a klnd of cake or biscuit, oblong In form. 

(29.) @^lttfe .... IJinetit^ imperative of ^iitctnf Olafen ; cf. eht* 
fd)Iofen ; l^tneilt always signifies entrance into the object. 

(30.) tßtnn, here not conditional, but concessive, 'though.' 
Originally toauit and toetllt were not distinguished ; at present 
toonn is used only in relations of time, and tOtnit mostly to intro- 
duce a condition, rarely, as here, concessively. 

(31.) Hed fömgltl^en ^mt§, emblematic language of free- 
masonry. The masons are building a Spiritual temple of Solomon. 
Therefore 'royal construction.* 

(32.) C^lreneiltlatlttng, 'honorary or special invitation.' — 
Stfl^nai^barfl^aft, * table vicinlty' or 'partners at dinner.* — 
These and similarly constructed words cannot be found in 
dictionaries. Such Compounds abound in the German lan- 
guage. 

(33.) tit Tlaioxin, fem. of t^tt ilaiorf * the major.* Oermans 
give ladies the title of their husbands. People of education, 
however, say Hie %vüu aßciot, Hie Sftatt @tnevaU To give a title 
the feminine termination is faulty. 

(34.) Mt ifl e^ nt^t toic 9lul^en gu SRute. Idiomatic expression. 



72 «PF)o«^^oru« ©oHunbcr. 

, 'I do not desire to rest,' or *I do not feel like taking a reet.' 
©ie t ji t9 3l»en ju Vtutt ? * How do you feel ? ' 

(35.) @d)meti^el(a$e, 'petcat/ 

(36.) diut ^ntf^eiHttng, Hie fti^ faum . . . . tietsogem Uffen 
toit]), ' a decision that can hardly be put off.' 

(37.) eiiirffoÜflutm, 'blowoffate.* 

(38.) 3{t t9 mir Hoi^ niemals in beit &m gefommett, ^at titt ein 
tierartigcd Sod für mii^ im @i«ite IDaüeti fönntefl. Inversion of the 
principal sentence» instead of : @d ifl mir . . . etc. . . . for the 
purpose of rendering the predicate emphatlc, generally used in 
excited language. 

(39.) XtanBpitüüütamitttl (vide 32). 

(40.) ttmtaitfctt^ *to change one's name.' 

(41.) @}Jc!nltttioii81Seirot (vide 32). 

(42.) emflgeMltiet, 'sedate.' 

(43.) ttttlienniar. Notlce the negative force of the prefix tili. 

(44.) liad groSe ÜOS, 'the first prize of a lottery.' 

(45.) )tt ®utt ^ülttn. Germaiiism. demaitHem 3tt ®ttte Italien 
= 'to excuse somebody's doings; palliate.* 3iJ toifl lliefeit 
Karten ^Indbnuf deiner ttBerrafi^ung jn %uit ^alttn, 'l 
will ascribe this severe expression to your surprise.* 

(46.) 9leffOttrcenlia1I« French resscmrce {pronounoe re-saoor-^). 
Name used for " clubs." — 9ieffourccnbaIl, as we say club-ball, or 
Odd-Fellows ball, etc., etc. 

(47.) JBottBonfi, French, • sweet-meats, candy.* 9lippt9, 'little 
Ornaments,' *bric-a-brac.' 

(48.) ^ottQott/ French, a dance like our • German.' 

(49.) haut pas, French, *platform.' 

(50.) a priori) Lat. *to start with,' *to begin with.* 

(51.) unter tem ißantoffel. The allogorical sense is here added 



NOTBS. 73 

to the real senso. ttntet liem |>atttoffeI flel^ett = *to be hen- 
pecked.' ipattto'ffel = slipper. 

(52.) ^tlavn, Turkish, 'a greeting of flowers, a love-bouquet.' 

(53.) 9rattenfd)dne, vide (32). tiie Simone, instead of tiie @i^dti# 
|ett/ used only in oratorical or pathetic style. 

(54.) ipolonaife^ French, *a dance with whioh balls are 
geiierally opened in Germany.' 

(o5.) %tmp0, Italian, ' time,' * measure (of music).' 

(56.) ÜÜerfeliger, Compound of über and fcUg, = *too happy,* 
*over happy,* *mo8t happy.* 

(57.) 9t0eittire]|eit^ 'to roll,' i.e. *tomakepills.* Infinitive as 
noun and subject. 

(58.) ^H^nUTthatt^ttf^tn, 'totwistthemoustache.' 

(59.) fßtat^tt^tmplat, 'afinespecimen.' 

(60.) Hortattjett/ 'to lead a dance.' 

(61.) ^0xb, 'basket,' is in Germany the emblem of refusal. 
dintn ftorb geben = 'to refuse,' or, in America, *to give the 
mitten ; ' einen ftorb Belommen = ' to meet with a refusal,' * to be 
foiled.' 

(62.) fte^raud, a synonym for the last dance of a ball, lit. 
'Clearing out.' 

(63.) geifterbleti^ (vide 32), ' pale as a ghost' 

(64.) tnutbe ein üWel iptognofllfön ßeflcttt, = ' an evil end was 
foretold,' or 'predicted.' 

(65.) gninnmranft^ 'enshrouded in green tendrils or twigs.' — 
gtun = green; Ranfe = tendril, twig, shoot; from which the 
verb ranfen^ to climb, to shoot tendrils, to run, and from which 
again nm^anlen, to climb around, is compounded; and further 
still, grun^nm^ranfeiu 

(66.) j^lerHenff^lag (vide 32), *nervous paralysis.' 



74 $^o$))^orue ^oUunber* 

(67.) Httmm ttttH jittllHif ftatrte fle, *duU and dumb she stared 
for weeks into the empty future.* 

(68.) gttifte ... ein ma^itenlied 99elBttfttiicrtiett il^rer Sage . . . 
tlttt^ i|t ®tmnt, f . . . ©0 . . • introduces the principal sen- 
tence; jttffte . .. ®emüt is the protasis of a general conditlon, 
the eonditional particle having been suppressed, an inversion 
taking its place; it is equal to, fo oft or tocttlt or ^aU9, or toofem 
or toaittt ein nta^nenbed S^etnnj^tfein i|rer Sage tintd) ilDt @emät 
Jtt^te fo . . . The inversion has the form of a direct question ; 
it oecurs especially where the logical correlation of cause and 
efifect between protasis and apodosis is to be rendered pro- 
minent. Compare note 30. In the inverted sentences, as 
here, without toennr the clear and distinct relaHon often dis- 
appears, and the dependent sentence is really temporal-causal- 
eonditional (i. e. not purely and simply eonditional). The 
whole sentence may be rendered in English as foUows: 'But 
whenever a waming and growing consciousness of her Posi- 
tion and the duties thereof, present and future, flashed 
through her mind like a sudden spark, the oppressive sense 
of her helplessness would quickly disperse all hope of prompt 
relief.* 

(69.) feien. Denominative verb of the almost obsolete noun 
gel, more commonly gec, 'fairy.' Meaning, *to eudow with 
magic powers, or to bewitch;' and, in a wider sense, *to 
render in vulnerable.* 

(70.) auf . . . aUerp^fle Segnttlligttnd, *upou a pardon from 
the king (or other sovereign).' aOerftOf^fl, adj. and cuiv. is used 
in connectlon with monarehs or with the Privileges of monarchs; 
asin «nerJÖftH berfelie Üeflel^It . . . = *his majesty desires, 
Orders,' etc. 



NOTES. 75 

(71.) le clieTalier sans penr et sans reprooliey French, *the 
knight without fear and without reproach.' 

(72.) SBattfett Utt)l ^(f^tl^anUn, both words mean the same thing. 
As used in this phrase, the changing, uncertain and doubting 
State of the heroine's mind are likened to the rolling and pitching 
of a ship in distress. 

(73.) oftmall {lieg tiio|I bie %^nm^ in i^itt auf = bie ^()nung 
flieg tt)0^( oftmals In i^m auf, etc., etc., *the idea frequently 
may have come to him.* 

(74.) JBctttittiflftt^Iett (vide 32), öerttitttfl, part. of bertottifen, to be- 
come or to be an orphan ; (obsol) to be orphaned. — 3n tieitl S9ttll* 
gen t^tB fBntBaij^\u^UnB, 'feeling of sadness common to orphans.' 

(75.) eigenßen^ absolute Superlative, to designate a high degree 
(as in Latin), * his very own,' ' in his innermost heart.* 

(76.) Umliiniung (compare note 40), 'transfonnation,* 'meta- 
morphosis,* ' changing of thought or character.' — itn)l fte ft^ 
feKfl att tintm ^potn ttt UmBilUttiig i|tett SReiguugen gemafi 
toertien lU lafftn, * and to let her spur him on to a transformation 
of his own seif in harmony with her very inclinations.' 

(77.) fßtUutm^tn, here ' omens.' 

(78.) eittretien (ein beiongs to reben), *to taik to one's seif,' *to 
imagine,' here best rendered by *to try to convince one's seif 
and others.* 

(79.) Umgeüttltg, 'surroundings.' 

(80.) mt mie Utel WtU^t mt^ 9lot laue 1$ . . . Inversion in 
form of a direct question (vide 68). Used in vivid language, and 
for emphasizing cause and effect. Heg. 3l^ l^uBe e0 mit fo titl 

mü^t uitb IRot . . . 

(81.) ttmlltängeu (vide 65 and 79). 
(82.) lerab beiongs to fttii! : Jctaftfitifen. 



76 $^odp]^oru6 ^odutiber« 

(83.) fd^nlhlttg^ ' castlgation/ * vindication,' Stands here for 
Sllftltttng^ = presentiment. 

(84.) jttfammeii belongs to ^niht: )«fiimiiteit)itde]t^ 'to break 
down convulsively.' 

(85.) ttmnammerte (vide 65, 79-81). 

(86.) umlleÜieit (vide 40 and 76), *to dres» anew,' 'to cbange 
dress.' The accent lies upon trat whenever this preflx indicates a 
cbange, conversion or transfer. These verbs are separable. We 
hadttmtttttfeii(^l_), 14 laufe um'; umliUieii (^^_), idi hilbt 
nm; ttmllemeti (l^J. i« «elUe tun'. 

(B7) oh fU in llte ^m\axU (eflkgen if}? Eliipsis: scilicet: 
34 md^t^ ^^i^ totffen Hl fle in Un SRanfitftie geftienen tflr ' X 
sbould like to know whether she has gone up to the attio- 
Chamber (mansard-roof)?' 

(88.) Perron, French, 'the platfonn of a raiiway depot or 
Station.' 

(89.) audgetoHe» fBM, lit. *blood having ceased to boil,' 1. e. 
'calmed down,' 'quieted down.' 

(90.) er teilte ^i^ ^^ttinngllase ein (ein belongs to reifte: 
einreli^en^ * to band in,') ' he entered a suit for divorce/ 

(91.) ^erernai ( ^), trom Latin deeemo; 'offlces of the 

Chief of an administration,' ^ad ^cemat t^tt Urmenangeiegett« 

l^citen, * the Chief oflBce of public charity.' 

(92.) Um{4ii>0 {yi^e 76, 86), 'cbange, tum of fortune, or 
misfortune.* 

(93) 8tt§ttt^tomnien(vlde45), »tobenefit.' 

(94.) ®titimt ftomrattikmüH, title, *prlvy-counsellor of 
commerce.* 

(95.) er raffte fif^ jufammen (jntantmen belongs to raffen)^ 'he 
rouses himself,' 'he collects himself,' *he straightens himself up.' 



NOTES. 77 

(96.) SHintOtrd (French), plural, the e omitted. It occurs in 
words of French origin, for instance : bie $oun cur« matten. 

(97.) Wim $atte fie itt ein l^loftet \hixtn, fie leüetüiig einfargeu 
Iditneit, fie toürtie leinen SBiberfian)! er^oüen lnHen. Ck^nditiona] 
subjuncüve, i. ©. SBcnn man ftc in ein Älojlcr geführt, fte Icbcnbig 
eingefargt ^ätte, fo toüxht fte teinen Siberflanb erhoben l^aben. 



MODERN LAiVCUACES. 



53 



Colloqtiial Exercises and Select German 

Reader, By William Deutsch, of Ihe St. Louis High School. 5^ by 
*}%, inches. Cloth. xiii + 274 pages. Price by mail, ipi.oo; Introduction 
price, 90 cts. ; Allowance for old book in use, 30 cts. 

nPHIS book is intended for the use of students who wish to speak, 
as well as to read, German. It is based on the theory that " litile 
is gained by beginning with the study of grammar, and that the most 
successful method is the natural one by which a child learns to speak 
his own language ; viz., by practice in conversation." It may be used 
with or without a grammar. The teacher may choose his own method 
of imparting Instruction. It contains one hundred select stories, fairy 
tales, extracts from history and from Standard novels, and twelve 
Standard poems, all accompanied by copious English notes, well 
adapted to the explanation of all the difficulties in the text. 

The selections are modern, idiomatic, reputable, furnishing at once 
the vocabulary of literature, of business, and of social life. They are 
well graded, and the colloquial exercises following each are made up of 
groups of logically connected words and phrases adapted to conversa- 
tion upon the topic given. It is assumed that the Student is to main- 
tain his part in the conversation, and to put in practice what he has 
learned from the selections. The table of peculiar phrases and 
idioms, the list of irregulär verbs, and the alphabetical vocabulary to 
the entire work, will greatly facilitate the progress of the class. All 
the work given has been thoroughly tested in the class-room. In fact, 
the book is but the outgrowth of many years of schoolroom work by 
one of the most successful teachers of German in the country. That 
the author's work is duly appreciated, appears from the use of the book 
in many of our leading schools and Colleges, as well as from the fol- 
lowing 

TESTIMONIALS. 



Prederick Lutz, recent Inüructor 
in German, Harvard Univ., now Prof. of 
German, Albion tolL, Mich. : After hav- 
ing used it at Harvard for nearly one 
year, I can conscientiouiiy say that it is 
an excellent hook, well adapted to begin- 
ners. It deserves a large sale. 

Henry Johnson, Prof, of Modem 
Languages, Boivdoin Cell.: Use in the 



class-room has proved to me the excel- 
lence of the book. The abundant exam- 
ples of every-day German, antl especially 
the grouping of logically connected words 
and phrases in its numerous vocabularies, 
are features that must commend it to any 
teacher of beginners. The author must 
be a first-rate teacher himself, and I trust 
that his work will find the constantly in- 
creasing sale it deserves. {April 3, 1885.) 



58 MODERN LANG UA GES. 

Boisens Preparatory Book of German Prose. 

Containing the best German Tales, Graded and Adapted to ihe Use of 
Beginners, with Copious Notes, bound separately, and also with the text. 
By Hermann B. Büisen, A.M. $% by 7/^ inches. Cloth. vii-t- 216 + 84 
pages. Price by mail, ^ii.io; Inlroduction price, $1.00. Notes and text 
separate at same price as when bound together. 

'T^HIS volume is intended to furnish the learner with material for 
copious reading of easy, correct, and interesting prose. The book 
is based upon the assumption that reading, to be profitable, must be 
copious, and that no unnecessary obstacles should be permitted to 
impede the progress of the beginner. In making the selections, the 
main requisite for the end proposed, an easy style^ has been kept 
steadily in view ; and in the first part of the book the author has ren- 
dered it still more easy by frequent alterations in construction and 
expression, due care being had not to mar the charm of the original. 
The book, with one exception, contains only selections complete in 
themselves, including the best tales of Bechstein, Grimm, Andersen, 
Hauff, Hebel, Engel, Wildermuth, Jean Paul, some of the "Musika- 
lische Märchen," by Elise Polko, and selections from Becker's charm- 
ing " Tales of Antiquity " ; but not one of the pieces has been taken 
for the sake of its author, tlie selection having been made solely upon 
the ground of fitness for the purpose. This purpose demands judicious 
gradation of difficulties, and selections that will stimulate curiosity by 
variety, encourage diligence by facility, and reward application by 
pieasure. As for style, it is sufficient that they should strictly con- 
form to the grammar and genius of the language ; and, as for subject- 
matter, it is better that it should be a little below the learner's age and 
understanding than above it, so that the difficulties arising from the 
matter may not tum his attention aside from the language. 

The notes are intended to supersede in a great measure the time- 
wasting drudgery of reference to a dictionary, but they are, for the 
most part, merely suggestive, throwing the bürden of work upon the 
Student : some, in the nature of a concordance, calling the student's 
attention to passages where a given word or phrase has occurred 
before; others recalling kindred or synonymous words ; others, again, 
leading him to discover for himself the precise meaning of a word by 
calling his attention to its constituent elements. The notes are also 
published in a separate pamphlet, thus obviating both the inconven- 



MODERN LANGUAGES, 



5) 



ience of frequent reference to the end of the book, and the temptation of 
deriving assistance from them during recitations, which is a serious 
objection to foot-notes. 



OPINIONS OF TEACHERS OF QERMAN. 



Hermann Huss, Prof, of German, 
Princeton Coli, : I have been using it 
in the class-room with mature students, 
though beginners in the study of Ger- 
man, and it gives me a great deal of 
satisfaction. The selection of classicai 
prose is tasteful and judicious, because 
progressive and suitable for the class- 
room. But the Chief merit of the book 
lies in the no/es, which are abundant 
enough to satisfy the beginner even at 
a very early stage; suggestive enough 
to keep the mental activities of the Stu- 
dent constantly on the alert; and edu- 
cational enough to refuse a gratuitous 
outfit to the lazy, while assuring reward 
to the honest labor of the industrious. 
{/ipril II, 1883.) 

Charles F. Smith, Prof of Mod. 
Lartg.^ Vandcrbilt Univ. : I am de- 
lighted with it I fuliy agree with the 
author as to the evil of introducing be- 
ginners at once into the masters of 
thought and style in German.and I have 
long feit the want of a collection of easy 
and interesting pieces of such length as 
to get beginners interested in the subject- 
mattcr of each piece, and easy enough to 
prevent the first few weeks in German 
from being mere drudgery. Prof. Boisen 
has given us such a collection, made 
with rare taste and judgment. The 
selections must be interesting to old and 
young alike. The plan of the notes is 
admirable. It will be easy to enkindle 
in the Student enthusiasm for a subject 
in which he has, as by this method, such 
constant opportunity of testing the surety 
of his acquisitions. and can see that each 
day is adding to his störe of words and 
power over the language. A recitation, 
conducted on the plan of these notes, 
must be easy, interesting, and füll of life. 



I am quite enthusiastic ovcr the book, 
and shall introduce it next term. The 
print is beautiful, far surpassing that of 
any German text-book I have seen pub- 
lished in America. 

Alfred Hennequin, Dept of Mod, 
Lang, and Lit., Univ. of Mich., Author 
of a Series of French Text-Books, etc. : 
I am pleased to say that I consider this 
small book superior, in every respect, to 
other works of the same nature. The 
selections are especially good, and the 
notes contain much valuable information, 
which is total ly lacking in most of the 
books prepared for beginners. 
{Aug. 28, 1883.) 

Samuel Gamer, Prof. of Modern 
Languages, University of Indiana : Prof. 
Boisen 's method agrees so thoroughly 
with my own views, both as a learner 
and as a teacher. that I cannot too highly 
commend it. The notes are admirably 
clear and concise. I am so well pleased 
with the whole make-up of the book that 
I shall use it at once for my elementary 
classes. 

Charles P. Otis, Prof. of German^ 
Institute of Technology, Boston : As you 
know, I have used this book for the past 
two years, and I have found it very satis- 
factory. 

T. B. Lindsay, Prof. in Boston Univ., 
Mass. : It fills a long-felt void. It is 
just the book that I have been looking 
for for several years. {April 25, 1883.) 

A. H. Mixer, Prof, of Mod, Lang., 
Univ. of Rochester, N.Y, : It answers 
my idea of an elementary reader better 
than any I have yet seen. I shall use it 
and recommend it. 



62 MODERN LANGUAGES. 

Grimms Märchen. 

Selected and edited, with English Notes, Glossaries, and a Grammatical 
Appendix, by W. H. van der Smissen, M.A., Lecturer on German in 
University College, Toronto. 5X ^X 1% inches. xii + 190 pages, Cloth. 
Price by mail, 80 cents. Introduction price, 75 cents. 

The eight tales selected for this edition are: "Aschenputtel," "Rot- 
käppchen," " Dornröschen," " Der treue Johannes," " Brüderchen und 
Schwesterchen," " König Drosselbart," " Sneewittchen," " Hans im Glück." 

'T^HE charming simplicity of diction and thought in these tales ren- 
ders them peculiarly fit for beginners to read. Colloquialisms and 
idioms, such as are found here in great abundance, are indispensable 
to the Student of the language ; and the sooner they are acquired, the 
better. 

The Notes are very füll, and in them more attention than usual is 
paid to the very important subject of the construction of sentences in 
German, a subject frequently neglected or postponed until the pupil is 
supposed to be ripe enough to begin translating from English into 
German. This delay is, in the editor's opinion, a great mistake. The 
pupil should, in this branch of discipline, be drilled early and drilled 
often, and should be made to dissect and analyze each sentence, as he 
reads, until he b thoroughly proficient in this regard. Next to the 
classical languages, no language afFords so favorable an exercise-ground 
for this purpose as the German. 

It is belle ved that no apology is required for the frequent repetition 
of grammatical rules and axioms contained in the Notes, since repeti- 
tion is one of the most eiFectual modes of impressing truths upon the 
mind of the learner. 

The Glossary has been prepared with unusual care, and is sufficient 
for the book. Words, about the pronunciation of which there could 
be any doubt, are properly marked. The principal parts of the verbs 
are given in füll. In addition to the meanings and synonyms, many 
grammatical remarks are introduced, so that the pupil is spared the 
trouble of Consulting a grammar or a lexicon. 

The Appendix contains füll sets of the most concise rules (illustrated 
by examples) for the construction of German sentences, and for the 
declension of adjectives. 

The tales have been printed in the Roman character, partly to accus- 
tom the pupil to the appearance of German words in this character, 
and partly for the ssijce of the pupils' eyes. 



MODERN LANGUAGES. 



Hauff 's Das Kalte Herz. 

Edited, with Notes, Vocabulary, and a Grammatical Appendix, by W. H. 
VAN DER Smissen, Lecturer on German in University College, Toronto. 
5X by iV^ inches. viii + 184 pages. Cloth. Price by mall, 80 cents. 
Introduction price, 75 cents. 

ENCOURAGED by the success which has attended the issue of the 
GrimnCs Märchen^ the publishers present this edition of Hauff's 
Das Kalte Herz, edited in accordance with the same principles that 
were followed in preparing the Grimm, 

The many kindly notices of the latter, from teachers of German in 
Canada and the United States, are good evidence that the Hauff has 
been unusually well adapted to the use of the Student. Nowhere are 
sound scholarship and minute accuracy more necessary than in a work 
intended for elementary pupils ; and nowhere, it may perhaps be added, 
has such work been more rare hitherto than in school-books in German. 

The orthography adopted in the Grimm has been adhered to in 
the present volume. The Roman characters, so generally welcomed, 
have also been retained. In the Notes and Vocabulary much attention 
js given to accentuation and fulness of grammatical Information. 



W. J. Martin, Prof. of Modern Lan- 
guages, Vincennes Univ., Ind. : It is an 
admirable work, making prominent the 
idiom of the language, supplying an ex- 
cellent practical vocabulary, adopting a 
good orthography, and being well ar- 
ranged for obtaining forms. 
{Feb. 19, 1887.) 

P. B. Bumet, Instr. in German^ 
Ind. State Univ., Bloomington : It is 
surely a most suitable text-book to follow 
the Grimm. There seems to be neither 
too much nor too little in the notes. It 
is well for a text-book to have a vocabu- 
lary that Covers the necessary ground 
and no more. I shall order it right 
away. (^^«« 13. 1887.) 

G. H. Horswell, Prof. of German, 
Northwestern Univ. Preparatory School^ 
Evanston, III.: It is prepared with the 



same critical scholarship and judicious 
annotation as the same editor's edition 
of Grimm. I shall use it in my class next 
term. {Nov. 24, 1886.) 

Mrs. Elise M. Traut, Imtr. in Ger- 
man in the Amherst Summer School of 
Lojiguages : I find it well suited for the 
work I do in Amherst. I expect, also, 
to make use of it in some of my classes 
next Winter. {May 5, 1887.) 

The Academy, Syracuse, N.Y.: 
The notes are araple for the explanation 
of all difficulties, and seem to us unusu* 
ally well prepared. The vocabulary is 
made expressly for the story, and under- 
takes the by no means easy task of indi- 
cating the primary accent of each word, 
and, in some cases, the secondary, also. 
It isamodel of good taste in typography, 
press work, and general make up, 
{Decemöer, 1886.) 



74 



MODERN LANG U AG ES. 



Phosphorus Hollunder. 



Novelle by L. v. Franqois, from Spemann's coUection, arranged and adapted 
to use in schools, with explanatory notes by Oscar Faulhaber, Ph.D., Pro- 
fessor of Modern Languages in Phillips Exeter Academy, N.H. Paper- 
80 pages. Introduction price, 25 cents. 



Course in Scientific German. 

Prepared by H. B. Hodges, Tnstructor in Chemistry and German in Har- 
vard University. With Vocabulary. 5)^ by 7)^ inches. Cloth. ix4- 103 + 69 
pages. Price by mail, ^i.io; Introduction price, ;ßi.oo. 

nPHIS book is designed to aid English and American students of 
science in the acquirement of such a knowledge of German as 
will enable them to read with ease the scientific literature of Germany. 

It assumes that the Student has some knowledge of the general prin- 
ciples of the language, and some readiness in reading easy German 
prose. 

The book begins with exercises in German and English, the sen- 
tences being carefully selected and arranged from text-books on 
Physics, Chemistry, Mineralogy, and Botany. 

The second part consists of a collection of articles on scientific sub- 
jects of general interest, adapted from the writings of the first scientific 
men of Germany. 

A Vocabulary of scientific terms and phrases — German-English and 
English-German — completes the work. 

Such care has been taken in the arrangement of the sentences and 
in the choice of essays, that a Student may begin this book without 
having had any scientific training, and become familiär with the main 
principles of the natural sciences at the same time that he is mastering 
the German. 

Following the custom now observed almost universally in Germany 
in printing scientific works, ordinary Roman ty^je has been used 
throughout this book. 



Albert C. Haie, Pres, of State School 
o/Mines, Golden, Col. : I became imme- 
diately interested in it, and determined 
to try it with our classes in the School of 
Mines. We have not only placed it on 
trial, but have adopted it as a text-book, 
and I am happy to say that I have nevcr 



been better pleased with any text-book 
we have used in this Institution. It meets 
our wants completely in its particular 
sphere, and we expect that our students 
will have acquired a good foundation for 
scientific reading in German after they 
have become sufiiciently familiär with 



MODERN LANGUAGES. 



75 



the grammar, and are prepared for a 
thorough examination in the course in 
scientific German. {Feb, 19, 1883.) 

J. Woodbridgre Davis, Prin, of 

School of Mines Preparatory School, New 
York: I am much pleased with it, and 
shall in all probability introduce it. 
{^ApHl 22, 1886.) 

C. H. Stockmann, Prof, of Ger- 
man^ Iowa Agricultural Coli,: It is a 
book well adapted for use in connection 

Schüler s Ballads. 



with the natural method. We shall use 
it next terra. {April 29, 1886.) 

W. H. Fräser, Master of French and 
German, Upfer Canada Coli., Toronto, 
Ont. : In my opinion, a Student of natural 
science, even one who knows ordinary 
German, would save much time and 
effort, and gain a great deal of comfort, 
by working through this little book before 
attempting a course of reading in German 
scientific literature. {May 7, 1886.) 



Edited, with an Introduction, Notes, and a Vocabulary (also an edition 
without Vocabulary), by Henry Johnson, Ph.D. (Berlin), Longfellow 
Professor of Modern Languages in Bowdoin College. ^% by 7 inches. 
Cloth. 000 pages. Price by mail, |k).oo; Introduction price, ^.00. 

T^HE Introduction deals briefly with the relation of the ballads to 
Schiller's life and works. It contains, also, by way of Illustration, 
selections from the best German criticism of the poetns. 

The text is based on that of Goedeke's critical (historischkritische) 
edition of Schiller's poems, Cotta, Stuttgart, 187 1. The orthography 
foUowed is that prescribed by the present German government. 

The Notes give the source of each bailad, in the words of Schiller's 
authorities, as far as is practical. They include also every variant ap- 
pearing in the texts published in Schiller's life time. They have been 
written also with the constant purpose of assisting in the study of the 
poems considered as literary masterpieces. 

The Vocabulary is etymological to the extent that cognate modern 
English words are indicated by full-faced type. It has some new fea- 
tures in respect to arrangement and fullness which, it is hoped, will 
commend themselves to the teacher. Special completeness has been 
aimed at in view of the needs of such as use it in translation into Ger- 
man of prose synopses of the poems. 

This edition will contain the following ballads: "Der Taucher," 
** Der Handschuh," ** Der Ring des Polykrates," ** Ritter Toggen- 
burg," **Die Kraniche des Ibykus," "Der Gang nach dem Eisen- 
hammer," ** Der Kampf mit dem Drachen," ** Die Bürgschaft," ** Das 
Eleusische Fest," ** Hero und Leander,*' ** Kassandra," ** Der Graf von 
Habsburg," " Das Siegesfest," ** Der Alpenjäger." [Ready soon. 



76 



MODERN LANG U AG ES, 



A Practical Method for Learning Spanish, 

in Accordance with Ybarra's System of Teaching Modern Languages. By 
Gen. A. Ybarra, Professor in the Department of Modern Languages in 
Martha's Vineyard Summer Institute. 5X by *j% inches. Cloth. 319 
pages. Price by mail, ;$i.3o; Introduction price, j^i.20. 

'T^HIS book is intended for those who wish to understand and to 
speak the language in a short time, and without entering into the 
details of grammatical construction, etc., etc. But it will enable the 
Student who follows it to learn afterwards, without the aid of a teacher, 
any Spanish Grammar written in that language. 

It has had a wide success in North and South America and in 
Europe, and has proved of great value to many travellers in Spanish- 
speaking countries. The president, and several members of the Royal 
Spanish Academy, recommend it as a text-book, as may be seen by the 
following testimonials. 

The volume is as much used for those who speak Spanish and wish 
to learn English, as for those who speak English and wish to learn the 
Spanish, and is as largely sold for that purpose. 

Each lesson is divided into three parts. The first part is made up of 
a vocabulary of words and phrases to be committed to memory ; the 
second part is a reading exercise ; and the third part is a practical con- 
versation in application of what has been learned. The book is of 
great value to those who are obliged to learn the language without a 
teacher. 

It is the author's present purpose to prepare soon a similar book for 
French, and another for Italian. 



We give helow a few of the many testitnonials which 
have coine to us front the various countries in which the 
Ybarra Method is used: — 



William Wells, Pro/, of Modem 
Languages, Union College, Schenectady, 
N. Y. : I have listened with much pleas- 
ure to the teaching of General Ybarra, 
have admired his System of teaching 
modern languages, and seen the success 
of his work in his classes. I shall be 
happy to introduce his book to my pupils 
in that language. {August, 1883.) 



Alfred Hennequln, Department of 
Modem Languages, Univ. of Michigan : 
It is not based on any known method, 
but derives its excellence from the ability 
as a teacher and the broad scholarship 
of the author. It is thoroughly practical. 
The work will be used by me in the 
University of Michigan. 
{Aug, 25, 1883.) 



MODERN' LANGUAGES. 



Deutsche Novelletten Bibliothek. 

German NovcUette». Selected and annotated by Dr. WILHELM BERNHARDT, 
of the Washington (D,C.) High School. VoL I. ^ by 7 inches. x4- 182 
page». doth. Price by mail, 80 cents. Introduction price, 75 cents. 

THE Student of a language is most readily familiarized with its 
spirit by copious and rapid reading. This should therefore fol- 
low promptly upon the mastering of its Clements. What to read, 
however, is a question often as perplexing as it is important. The 
difficulty of finding pablications entirely adapted to this idea has 
suggestcd the compilation of the present volume. The contents of 
those volumes which were available were either lacking in interest to 
American readers, or so lengthy as to necessitate wearisome efFort 
on the part of the stndent before reaching the point of the story, or 
they were deficient in the explanatory notes necessary to render the 
Contents ftüly intelligible. 

This book is intended to meet these various objections. It contains 
only Short stories, from the best contemporary German novelists. The 
selections have been made with reference to simplicity of style, wealth 
of phraseology, and elegance of diction; and in no instance is the 
patience of the reader overtaxed by lack of interest in the story. Spe- 
cial attention has been given to the character of the notes. The ety- 
mological relations of German and English are treated fully, illustrating 
the formation of German words. Notes upon Art, Science, History, 
and Literature are liberally provided, thus increasing the interest of 
the Student. The fact that these notes are in the German language 
serves the double purpose of making the notes themselves a study of 
German Composition, and also of supplying those teachers, who desire 
to combine conversational exercises and reading, with correct and availa- 
ble modeis of German conversation. 

The foUowing stories are given in this volume : — 

(i) "Am heiligen Abend" (On Christmas Eve), von Helene Stökl. 

(2) "Mein erster Patient" (My First Patient), von Marc. Boyen. 

(3) " Der Wilddieb " (The Poacher), von E. Werner. 

(4) " Ein Frühlingstraum " (A Spring Revery), von E. Juncker. 

(5) "Die schwarze Dame" (The Lady in Black), von A. C. Wiesner. 



Modern Languages. 

Sheldons Short German Grammar. 

Irving J. Manatt, Pro/, qf Modern Languages, Marietia College ^ Ohio .* I can 
say, after going over every page of iL carefuUy in che class-room, that it is admirably 
adapted to its purpose. 

Oscar Howes» Prof. of German^ Chicago University : For beginners, it is superior 
to any grammar with which I am acquainted. 

Joseph Millilien, formeriy Prof. o/ MccUru LattguageSt Ohio Siaie University : 
There is nothing in Englisn equal to it. 

Deutsches Select German Reader. 

Frederick liUtz, receui Prof. of Gtrman^ Harvard Uuiversity : After having 
used it fjr nearly one year, I can conscirniiousiy say that it is an excelletU book, and well 
adapted to beginners, 

Ht. C. tir. Brandt, Prof. of German, HamiiioH College: I think it an excellent 
book. I shall use it for a beginner's reader. 

Henry Johnson, Prof of Modern Languages, Bowdoin College, Brunswick^ Me, : 
Use in the class-room has proved to me the exccllence of the book. 

Sylvester Primer, Prof. qf Modern Languages, College of Charleston, S.C, : 
1 beg leave to say that I consider it an excellent lüde book for beginners. 

Boisens Preparatory German Prose. 

Hermann Huss, Prof qf German, Princeton College : I have been using it, and 
it gives me a great deal of satisfaction. 

A. H. Mixer, Prof <f Modern Languages, University of Rochester", N. V. : It 
answers to my idea of an elementary reader better than any 1 have yet seen. 

C. Woodward Hutson, Prof of Modern Languages^ University of Mississippi : 
1 have been using it. I have never met with so good a firät readmg-book in any languagc. 

Oscar Faulhaber, Prof. of Modern Languages, Phillips Exeter Acädemy, N.H. : 
A professional teacher and an mtelligent mind will regard the Reader «s unexcelled. 

Grimmas Märchen. 



Henry Johnson, P^of ofMod. Lang., Bowdoin Coli. : Ithas excellent work in it. 
Boston Advcrtiser : Teachers and students of German owe adebtof thanks to the editor. 
The Beacon, Boston : A capital book for beginners. Tbc editor has done bis work 
remarkably well. 

Hauff' s Märchen: Das Kalte Herz, 

G. H. Horswell, Prof of Modern Languages, NorthwesUm Univ. Prep. School, 
Evanston, III. : It is prepared with critical scholarship and judictous annotation. I shall 
use it in my classes next term. 

The Acadetny, Syractise, JV. Y. : The notes scem unusually well prepared. 

Unity, Chicago: It is decidcdly better than anything we have previously seen. Any 
book so well made must soon have many friends among teacners and students. 

Hodges Course in Scientific German, 

Albert C. Haie, recent President of School of Mines, Golden, Col. : We have 
never been better pleased with any book we have used. 

YbarrcLS Practical Spanish Method. 

B. H. Nash, Prof of the Spanish and Italian Lanptages, Harvard Univ. : 
The work has some very marked merits. The author evidently had a well'defined plan, 
which he carries out with admirable consistency. 

Alf. Hennequin, Dept. qf Mod. Längs., University of Michigan : The method is 
thoroughly practical, and quite original. The book will be used by me in the University. 

For Terms for Introduction apply to 

D. C. HEATH & CO., Publishers, 

Boston, New York, and Chicago. 



This book should be retumed to 
the Library on or before the last däte 
stamped beloiv. 

A fine o£ iive oents a day is inourred 
by retaininA it beyond the speoified 
time. 

Please return promptly. 



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JOV 6 1998 






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